Unser Weg zum Priestertum (Teil 9) – Die sieben Tage

Nachdem Aaron und seine Söhne den Tag der Weihung mit dem Widder der Einsetzung hinter sich gebracht hatten, sollten sie noch weitere sieben Tage in der Stiftshütte bleiben.
Diese sieben Tage stellten eine Art Reifungsprozess dar, den die zukünftigen Priester durchlaufen sollten, bevor sie ihr Amt vollumfänglich antreten konnten.
Die Bedeutung der Sieben
Bevor wir uns ansehen, was an den sieben Tagen mit den Priestern passieren sollte, wollen wir kurz noch einen Blick darauf werfen, welche Bedeutung die Zahl sieben in der Heiligen Schrift hat.
Zunächst können wir feststellen, dass die Sieben einen vollkommenen Zeitraum beschriebt. Schließlich wurde die Erde auch in sieben Tagen geschaffen (Vgl. 1. Mose 2,1-3). Auch jede Woche, jeder Schmitta-Zyklus sowie das Omerzählen sind an der Zahl sieben ausgerichtet. Darüber hinaus waren die Reinigung eines Aussätzigen oder einer blutflüssigen Frau erst am siebenten Tag vollendet.
Wir sehen, dass die Sieben einen Zeitraum komplettiert. Die Acht steht somit für einen Neuanfang, etwa wie jeder achte Tag auch gleichzeitig der erste Tag der neuen Woche ist.
Für die Weihung der Priester sehen wir, dass sie trotz ihrer offiziellen Einsetzung noch weitere sieben Tage benötigten, bis sie wirklich als Priester dienen konnten. Sie hatten in diesem Zeitraum bereits die Berufung und das Potenzial dazu, doch tatsächlich dienen durften sie erst am achten Tag.
Die sieben Tage der Priesterweihe
Nun wollen wir schauen, was die Heilige Schrift uns über die Woche der Einweihung offenbart. Wir lesen darüber folgendes:
Und du sollst mit Aaron und seinen Söhnen so verfahren, wie ich es dir geboten habe. Sieben Tage sollst du ihre Hände füllen (2. Mose 29,35)
Aaron und seinen Söhnen sollten sieben Tage lang die Hände gefüllt werden. Was bedeutet das?
Grundsätzlich könnten wir hier zwei Möglichkeiten annehmen:
- Versorgung: Die Priester bekamen die Hände mit den Dingen gefüllt, die sie zur Befriedigung ihre täglichen Bedürfnisse brauchten. Hier wäre vor allem Nahrung zu nennen.
- Aufgaben: Die Priester bekamen die Hände gefüllt, indem sie bereits Opfer wie die unten genannten Jungstiere darbrachten. Eventuell gehörten auch schon Speis- und Trankopfer dazu.
Ich glaube, dass beide Aspekte eine Rolle spielten. Im geistlichen Bild sehen wir hier, dass die angehenden Priester sowohl versorgt wurden, aber auch schon einige Aufgaben bekamen. Diese Aufgaben könnten vor allem in der Opferung der Jungstiere zu sehen sein.
und sollst täglich einen Jungstier als Sündopfer schlachten zur Sühnung; und du sollst den Altar entsündigen, indem du Sühnung für ihn erwirkst, und sollst ihn salben, damit er geheiligt wird. (2. Mose 29,36)
Wir haben bereits gesehen, dass der Stier für unsere eigene Macht und Kraft steht. Eine der wichtigsten Aufgaben für angehende Priester ist es, zu verstehen, dass sie den Dienst nicht nach eigenen Maßstäben ausführen können. Es geht dabei auch nicht darum, Macht zu erlangen – was das Fleisch ja gern hätte.
Vielmehr besteht der Weihungsprozess eines Priesters darin, an die eigenen Grenzen zu stoßen, die eigene Schwäche zu erkennen und Gott die Führung zurückzugeben.
Das Sündopfer und die Ursünde
Im Grunde geht es darum, die Lüge der Ursünde zu verstehen und davon abzukehren.
Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was Gut und Böse ist! (1. Mose 3,4-5)
Die Lüge der Schlange bestand darin, dass sie den Menschen glaubhaft machte, dass sie so sein könnten wie Gott – nur eben besser.
Diese Lüge steckt tief in uns. Und sie hat von uns so stark Besitz ergriffen, dass wir als angehende Priester nach der Ordnung Melchisedeks keinen Reifungsprozess auf intellektueller Ebene hinbekommen. Es hilft uns nicht, wenn wir einfach unser Verhalten ändern oder andere Bücher lesen.
Gott führt uns über diese sieben prophetischen Tage immer wieder in Erlebnisse, die uns unsere Grenzen aufzeigen. Dabei haben wir die Chance zu erkennen und zu spüren, dass die Lüge der Schlange falsch war. Nur durch diese tiefe Erkenntnis haben wir auch die Kraft, die Sünde abzulegen, um Gott ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks zu sein.
Insofern sind wir alle noch auf dem Weg und sollten uns mit Geduld und Wegweisung, wenn nötig, begegnen. Doch wir dürfen wissen, dass wir alle diesen kompletten Zyklus von sieben Tagen benötigen. Und wenn wir ihn gegangen sind und unser Herz gereinigt ist, können wir unser Amt als heilige Priester tatsächlich offiziell antreten!
Ich wünsche uns allen viel Erfolg und Freude auf diesem Weg und hoffe, dass diese Reihe einem jeden Leser zum Segen diente.
Bildquelle: Pixabay.com (Bild wurde bearbeitet)
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