Die Bedeutung des Alabasterfläschchens und des Nardenöls / Lukas7,37 – Teil 2

Narde, hebräisch nerd (Nun Resh Dalet)
In der Bibel steht der Begriff für Narde, für das ätherische Öl von der Pflanze
mit dem Namen Narde.
Die Narde, ein biblisches Duftöl/Salböl
Das Nardenöl wird aus dem Rhizom der Himalaya-Pflanze gewonnen, der
lateinische Name ist Nardostachys jatamansi. Von dieser Pflanze stammte
eins der teuersten Duftöle der antiken Welt. Sie wurde in den Höhen
zerklüfteter Berggelände geerntet, und ihr Transport in die Levante (Länder
des östlichen Mittelmeeres, vor allem Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina
und Israel) erforderte lange Karawanenrouten durch Arabien und
Mesopotamien. Als die Pflanze bzw das Rhizom Israel erreichte, war es ein
absoluter Luxusartikel, der in Alabaster- oder Onyxflaschen aufbewahrt und
für das Königshaus, für Brautausstattungen und sakrale Zwecke reserviert
war. Ihre Seltenheit erklärt ihre besondere Attraktion. Sie galt außerdem als
Zeichen großzügiger Hingabe.
Der hebräische Begriff taucht in der Bibel dreimal im Hohelied auf – Hohelied
1,12; 4,13.14 –, wo er Szenen ehelicher Freude und der Intimität des Bundes
umrahmt.
Hohelied 1,12: Solange der König an seiner Tafel war, gab meine Narde ihren
Duft.
Der Nardenduft der Braut erfüllt den königlichen Festsaal und deutet auf eine
Liebe hin, die sowohl öffentlich als auch königlich ist.
Hohelied 4,13.14: Deine Schösslinge sind ein Lustgarten von Granatbäumen
mit herrlicher Frucht, Cyperblumen mit Narden; Narden und Safran, Kalmus
und Zimt, samt allerlei Weihrauchgehölz, Myrrhe und Aloe und den edelsten
Gewürzen;
Hier zählt die Narde zu einem Garten exotischer Pflanzen und stellt die Braut
als einen „gepflegten Garten“ dar, dessen Duft den Bräutigam anlockt. Das
reichhaltige Duftöl unterstreicht die Exklusivität – sie ist auserwählt, so wie
Israel dazu berufen war, ein heiliges Volk zu sein:
- Mose 19,6: Ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges
Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst.
Symbolik im Hohelied
- Großzügige Liebe: Die Kostbarkeit des Nardenöls spiegelt eine Liebe
wider, die nichts zurückhält.
Römer 8,32: Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern
ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles
schenken! - Einladende Gegenwart: Der Duft signalisiert Nähe; in der Terminologie
des Gottesdienstes ruft er den „wohlriechenden Duft“ eines wohlgefälligen
Opfers hervor. - Mose 1,9: und der Priester soll das Ganze auf dem Altar in Rauch
aufgehen lassen als ein Brandopfer, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für
YHWH. - Bundestreue: Der verschlossene Garten (Hohelied 4,12), gefüllt mit
Narde, symbolisiert zurückhaltende Zuneigung – parallel zu YHWHs
Eifersucht auf Sein Volk. - Mose 34,14: Denn du sollst keinen anderen Elohim anbeten. Denn YHWH,
dessen Name »Der Eifersüchtige« ist, ist ein eifersüchtiger Elohim.
Brit Chadasha, Neuer Bund
Im Neuen Bund wird 2 Mal vom Zerbrechen eines Alabastergefäßes mit
„reinem Nardenöl“ berichtet, um Yeshua zu ehren.
Markus 14,3: Und als er in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war
und zu Tisch saß, da kam eine Frau mit einem Alabasterfläschchen voll
Salböl, echter, kostbarer Narde; und sie zerbrach das Alabasterfläschchen
und goss es aus auf sein Haupt.
Johannes 12,3: Da nahm Maria ein Pfund echten, köstlichen Nardensalböls,
salbte Yeshua die Füße und trocknete seine Füße mit ihren Haaren; das
Haus aber wurde erfüllt vom Geruch des Salböls.
Diese Szenen spiegeln die Bildsprache des Hohelieds wider:
Wert:
„mehr als dreihundert Denare wert“ (Markus 14,5), ein Jahreslohn, was das
Thema der kostbaren Liebe verstärkt.
Vorwegnahme des Begräbnisses:
Yeshua verbindet die Salbung mit seinem Tod und verlagert damit die
Symbolik des Duftöls von der Hochzeitsfreude hin zur opfernden Sühne.
Markus 14,8: Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im
voraus zum Begräbnis gesalbt.
Ausbreitung des Duftes:
„.das Haus aber wurde erfüllt vom Geruch des Salböls” (Joh 12,3), eine
wörtliche Umsetzung von Hohelied 1,12 und eine Metapher für das
Evangelium, das die Erde erfüllen würde.
- Kor 2,14–16: Elohim aber sei Dank, der uns allezeit im Mashiach
triumphieren lässt und den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an jedem Ort
offenbar macht! Denn wir sind für Elohim ein Wohlgeruch des Mashiach unter
denen, die gerettet werden, und unter denen, die verlorengehen; den einen
ein Geruch des Todes zum Tode, den anderen aber ein Geruch des Lebens
zum Leben. Und wer ist hierzu tüchtig?
Gottesdienstlicher Kontext
Obwohl es im Tempelritual nicht vorgeschrieben war, stand die Süße des
Nardenöls im Einklang mit dem biblischen Grundsatz, dass Anbetung aus
dem Besten dargebracht werden soll.
vgl. Maleachi 1,8: Und wenn ihr ein blindes Tier zum Opfer bringt, ist das
nichts Böses; und wenn ihr ein lahmes oder krankes darbringt, ist das auch
nichts Böses? Bringe es doch deinem Statthalter! Wird er Wohlgefallen an dir
haben oder dich freundlich beachten? spricht YHWH der Heerscharen.
In der privaten Andacht begleiteten duftende Öle das Fasten (s. Matthäus
6,17) und die Bestattung (s. Johannes 19,40).
Matthäus 6,17: Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche
dein Angesicht,
Johannes 19,40: Sie nahmen nun den Leib Yeshuas und banden ihn samt
den wohlriechenden Gewürzen in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben
pflegen.
Die Verbindung mit Intimität und Opfer verstärkt den ganzheitlichen Charakter
der biblischen Anbetung – Herz, Körper und Ressourcen vereint.
Für die Nachfolger Yeshuas
- Kostbarer Gehorsam: Wahre Nachfolge misst sich nicht an minimaler
Befolgung, sondern an großzügiger Hingabe. - Der Duft des Mashiach: Die Heiligen sind dazu berufen, „den Wohlgeruch
des Mashiach unter denen zu verbreiten, die gerettet werden, und unter
denen, die verloren gehen“ (2. Korinther 2,15). Das Leben des Gläubigen
muss wie das Nardengefäß zerbrochen werden, um seinen Duft freizusetzen. - Ungeteilte Zuneigung: So wie Narde für einen einzigen, entscheidenden
Zweck aufbewahrt wurde, gehört unsere vorrangige Hingabe YHWH.
Matthäus 6,33: Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Elohims und nach
seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!
Endzeit
In Offenbarung 18,11-13 werden Zimt, Räucherwerk, Myrrhe und Weihrauch
unter den Waren Babylons aufgelistet, was andeutet, dass irdische
Luxusgüter im Gericht verschlungen werden.
Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern über sie, weil niemand mehr
ihre Ware kauft, Ware von Gold und Silber und Edelsteinen und Perlen und
feiner Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei Tujaholz
und allerlei Elfenbeingeräte und allerlei Geräte aus wertvollstem Holz und
aus Erz und Eisen und Marmor, und Zimt und Räucherwerk und Salbe und
Weihrauch und Wein und Öl und Feinmehl und Weizen und Vieh und Schafe
und Pferde und Wagen und Leiber und Seelen der Menschen.
Im Gegensatz dazu wird die Narde-Bildsprache des Hohelieds im
Hochzeitsmahl des Lammes erfüllt, wo die Gemeinde, die sich selbst ohne
Vorbehalt hingegeben hat, vom Bräutigam für immer empfangen wird.
Offenbarung 19,7: Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben!
Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich
bereit gemacht.
Zusammenfassung
Die Narde verkörpert in der Heiligen Schrift das Zusammentreffen von
aufopferungsvoller Hingabe, bundesmäßiger Vertrautheit und opfernder
Liebe. Vom Garten der Braut im Hohelied Salomos bis hin zu Marias Tat in
Bethanien kündigt ihr Duft die Botschaft des Evangeliums an: Der größte
Schatz wird für den Geliebten ausgegossen, und die Süße dieses Opfers
erfüllt das Haus des Glaubens und letztlich die Orte, an denen wir uns
bewegen.
Shalom
Rivkah
