#35 Chukkat – „Satzung“
Chukkat
4. Mose 19,1-22,1
Richter 11,1-33; Johannes 19,38-42
Die zentralen namensgebenden Satzungen von Chukkat sind die Anweisungen rund um die Rote Kuh. Wir sind uns darüber bewusst, dass es sich hierbei um eine Prophetie auf den Messias Jeschua handelt. Doch können wir weit mehr in diesen Satzungen erkennen.
In diesem Kommentar zu Chukkat sehen wir uns einige prophetische Details dazu an. Ich setzte dabei voraus, dass dem Leser der Text von 4. Mose 19 und die Auslegung, die auf den Messias deutet, weitgehend bekannt sind.
Der Altar der Roten Kuh
Betrachten wir zunächst die Stelle, an der die Kuh verbrannt werden sollte. Es handelte sich dabei nicht um den Altar im Tempel, sondern um einen Ort außerhalb des Lagers (Vgl. 4. Mose 19,2-5). Auch die Asche für das spätere Reinigungswasser sollte an diesem reinen Ort außerhalb des Lagers aufbewahrt werden (Vgl. 4. Mose 19,9).
Doch was hat es mit diesem Ort auf sich? Eine Antwort darauf finden wir beim Propheten Hesekiel. In einer Vision zum Tempel erwähnt Hesekiel einen Ort außerhalb des Heiligtums.
Und du sollst den Jungstier des Sündopfers nehmen und ihn an einem bestimmten Ort des Hauses, außerhalb des Heiligtums, verbrennen. (Hesekiel 43,21)
Der Jungstier, von dem im oberen Vers die Rede ist, sollte als Sündopfer dargebracht werden. Die Reste dieses Opfers sollten an einem bestimmten Ort des Hauses (des Tempels) außerhalb des Heiligtums verbrannt werden.
Die Formulierung „an einem bestimmten Ort des Hauses“ deutet darauf hin, dass dieser Ort mit dem Tempel verbunden sein und quasi als eine Art Altar außerhalb des Heiligtums dienen sollte.
Aus der Zeit des zweiten Tempels ist uns bekannt, dass es eine Brücke zwischen dem Ölberg und dem Tempelberg gab. Diese diente wohl auch dazu, den Priestern einen Weg zum Heiligtum zu bieten, auf dem sie sich nicht verunreinigen mussten, nachdem sie sich für den Dienst vorbereitet hatten. Das deutet darauf hin, dass mindestens in der Zeit des zweiten Tempels ebenfalls ein bestimmter Ort des Hauses außerhalb des Heiligtums existierte, an dem sich die Priester vom Tod reinigen konnten.
Eine weitere Stelle des Propheten Hesekiel weist prophetisch auf diesen Ort.
Und die Herrlichkeit YHWHs stieg auf, mitten aus der Stadt, und blieb stehen auf dem Berg, der östlich von der Stadt liegt. (Hesekiel 11,23)
Als Hesekiel seine Vision sah, war er unter den Weggeführten in Babylon. YHWH zeigte ihm, was in Jerusalem geschah und was zukünftig noch gesehen würde. Für die Dauer der Vision war er im Geist in Jerusalem, der Heiligen Stadt. Doch als sich die Herrlichkeit Gottes auf dem Ölberg niederließ – vermutlich an dem bestimmten Ort des Hauses außerhalb des Heiligtums – wurde auch Hesekiel wieder ins Exil versetzt.
Mich aber nahm der Geist und führte mich im Gesicht, im Geist Gottes, wieder nach Chaldäa zu den Weggeführten; und die Erscheinung, die ich gesehen hatte, hob sich von mir hinweg. (Hesekiel 43,24)
Es scheint, als würde YHWH an diesem bestimmten Ort des Hauses außerhalb des Heiligtums auf die Weggeführten warten. Dies könnte der prophetische Ort sein, an dem die Exilanten wieder nach Hause zurückkehren.
Die Reinigung vom Tod
Doch es wird noch spannender. Gemäß unsres Textes aus Chukkat, musste jeder, der sich durch den Tod verunreinigt hatte, sich mit dem Entsündigungswasser reinigen lassen. (Vgl. 4. Mose 19,11-16). Dieses Wasser war eine Mischung aus der Asche der verbrannten Roten Kuh und lebendigem Wasser (Vgl. 4. Mose 19,17).
Der zu Reinigende sollte mit dem Wasser besprengt werden. Auch hierzu finden wir einen prophetischen Hinweis auf die heimkehrenden Exilanten beim Priester Hesekiel.
Und ich will reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von aller eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; (Hesekiel 36,25-26)
Die Reinigung mit dem reinen Wasser soll laut Hesekiel dazu führen, dass die Heimkehrenden ein neues Herz und einen neuen Geist erhalten würden. Das steinerne tote Herz soll gegen ein lebendiges fleischernes Herz ausgetauscht werden. Dieses Herz würde sich dadurch auszeichnen, dass Gottes Satzungen darauf geschrieben stehen (Vgl. Hesekiel 36,27; Jeremia 31,33).
Durch die Rückkehr aus dem Exil verlassen die Kinder Israels den Raum des Todes und betreten den Raum des Lebens.
Wer besprengt mit dem Blut?
Doch noch etwas fällt uns beim Betrachten von Chukkat auf. Wer sollten den Verunreinigten mit dem Reinigungswasser besprengen? Im Text heißt es dazu:
Und ein reiner Mann soll Ysop nehmen und ihn ins Wasser tunken und das Zelt besprengen und alle Gefäße und alle Personen, die darin sind; so auch den, der ein Totengebein oder einen Erschlagenen oder einen Toten oder ein Grab angerührt hat. (4. Mose 19,18)
Die Besprechung sollte von einem reinen Mann durchgeführt werden. Das konnte ein Priester sein. Es konnte aber auch ein Mann aus einem ganz anderen Stamm sein. Sogar Fremdlinge hätten diese Reinigung vornehmen können, solang sie rein waren.
Was ist also die Botschaft aus Chukkat für uns?
Die Prophetie der Roten Kuh aus Chukkat
Mit dem prophetischen Bild der Roten Kuh aus Chukkat lehrt uns Gott, dass uns einerseits nur das Opfer Jeschuas vor dem Tod erretten kann. Nur durch seinen Tod sind wir in der Lage, das ewige Leben zu empfangen.
Doch wir erfahren auch, welchen Weg wir zu unserem Ziel gehen. Zurzeit befinden wir uns an einem bestimmten Ort des Hauses außerhalb des Heiligtums. Wir haben keinen Zutritt zum himmlischen Tempel. Wir befinden uns lediglich an einem Außenposten.
Dies betrifft aber jeden von uns. Und jeder ist in der Lage, dem anderen zu helfen, sich vom Tod zu reinigen, sofern er selbst auf seine Reinigung bedacht ist. Tatsächlich erreichen wir unser Ziel auch nur in der Gemeinschaft.
Die Besprengung mit dem Reinigungswasser (eine Mischung aus Asche und Wasser) führt zunächst erst einmal dazu, dass wir uns schmutziger fühlen als zuvor. Doch am Ende, wenn wir den Schmutz und den Tod abgestreift haben, erscheinen wir in umso größerer Herrlichkeit.
Bildquelle: Pixabay.com
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