#34 Korach – „Korach“
Korach
4. Mose 16,1-18,32
1. Samuel 11,14-12,22; Johannes 19,1-17
Als Korach und seine Meute sich gegen Mose und Aaron stellten, war es nicht das erste Mal, dass das Volk gegen die beiden Leviten murrte. Insbesondere Mose war immer wieder Opfer des Unmuts der Kinder Israels.
In diesem Kommentar zu Korach wollen wir uns den Umgang Moses mit dem murrenden Volk etwas genauer ansehen. Wie verhielt sich der Führer des Gottesvolkes? Außerdem werfen wir einen Blick darauf, wie Mose mit dem Aufstand Korachs umging und gehen der Frage nach, warum die Aufrührer im Erdboden versinken sollten.
Das Murren der Kinder Israels gegen Mose
Das Verhältnis zwischen dem Volk Israel und Gott war immer durchwachsen. Es gab Zeiten, in denen die Kinder Israels ihrem Gott vertrauten, ihm zujubelten und mit Freuden taten, was er sagte.
Und dann gab es Zeiten, in denen sie am liebsten nach Ägypten zurückgekehrt wären, weil sie mit den Entscheidungen des Allmächtigen nicht einverstanden waren.
Da Mose und Aaron die Sprachrohre Gottes waren, traf sie der Unmut der Israeliten zuerst. Und so waren Mose und Aaron die überwiegenden Opfer, wenn sich das Volk gegen YHWH auflehnte. Das ging sogar so weit, dass beide Männer immer wieder Angst um ihr Leben hatten. Nachfolgend einige Beispiele:
- Aaron erkannte die Bösartigkeit des Volkes und half bei der Fertigung des Goldenen Kalbes (Vgl. 2. Mose 32,22). Laut jüdischer Überlieferung tat er dies auch aus Angst vor seinem Leben, da das Volk Hur bereits getötet hatte.
- Bei Massa und Meriba fürchtete Mose um sein Leben, denn das Volk hatte kein Wasser und hätte ihn fast gesteinigt (Vgl. 2. Mose 17,4).
- Nach der Rückkehr der zwölf Kundschafter wollten einige aus dem Volk die Befürworter des Landes steinigen. Neben Josua und Kaleb zählten auch Mose und Aaron dazu (Vgl. 4. Mose 14,10).
- Mose wünschte sich sogar selbst den Tod, als er bemerkte, dass er das Volk nie würde zufriedenstellen können (Vgl. 4. Mose 11,15).
Moses Umgang mit dem Murren der Kinder Israels
Das Murren und Klagen der Israeliten waren ständige Begleiter für die beiden Brüder. Insbesondere Mose traf es immer wieder hart. Doch er ließ sich selten völlig entmutigen, sondern erschien immer wieder als derjenige, welcher das Volk vor der Strafe Gottes bewahrte. Mehr als einmal stellte sich der Levit zwischen Israel und den Allmächtigen, um Fürbitte für das ungehorsame Volk einzulegen. Und in den meisten Fällen hörte YHWH auf ihn.
Doch was mag wirklich in dem so sanftmütigen Mann vorgegangen sein? Natürlich war Mose ein gerechter Mann und bemühte sich darum, dem Willen Gottes entsprechend zu handeln. Doch all das Gemecker und die Kritik, die Unterstellungen und Todesdrohungen konnten nicht spurlos an ihm vorbeigehen.
Mose war nur ein Mensch und als solcher würde sich der Druck, der sich in ihm aufbaute, auch irgendwann Entladung verschaffen müssen.
Gott war sich dessen natürlich bewusst und darauf vorbereitet.
Das Ende von Korach und seiner Meute
Korach war der Cousin von Mose. Als er sich aufmachte, um gegen die Ordnung Gottes zu rebellieren, muss es Mose sehr nahe gegangen sein. Immerhin handelte es sich um eine ernstzunehmende Verschwörung von 250 Fürsten und Vorstehern.
Und Korah, der Sohn Jizhars, des Sohnes Kahats, des Sohnes Levis, nahm mit sich Dathan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, der Sohn Pelets, Söhne Rubens, 2 und sie empörten sich gegen Mose, samt 250 Männern aus den Kindern Israels, Vorstehern der Gemeinde, Berufenen der Versammlung, angesehenen Männern. (4. Mose 16,1-2)
Nachdem Mose also schon die vielen Proteste und Todesdrohungen der Vergangenheit über sich ergehen lassen musste, kam der Anführer der nächsten Meute ausgerechnet aus seiner Familie.
Es war gut möglich, dass er zu diesem Zeitpunkt eigentlich die Nase voll von seinem Amt hatte. Und vor diesem Hintergrund ist vielleicht auch die Strafe zu verstehen, die Mose über Korach und seine Leute aussprach.
Und Mose sprach: Daran sollt ihr erkennen, dass YHWH mich gesandt hat, alle diese Werke zu tun, und dass ich nicht aus meinem eigenen Herzen gehandelt habe: Wenn diese sterben werden, wie alle Menschen sterben, und gestraft werden mit einer Strafe, wie sie alle Menschen trifft, so hat YHWH mich nicht gesandt. Wenn aber YHWH etwas Neues schaffen wird, sodass der Erdboden seinen Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was sie haben, dass sie lebendig hinunterfahren ins Totenreich, so werdet ihr erkennen, dass diese Leute YHWH gelästert haben! (4. Mose 16,28-30)
Mose machte seinen weiteren Dienst davon abhängig, dass Gott die Erde öffnen und die Aufrührer lebendig darin versinken lassen würde. Wenn dies geschah, sollte Israel erkennen, dass YHWH ihn gesandt habe. Doch was wäre geschehen, wenn nichts dergleichen passierte?
Es stellt sich die Frage, woher Mose diese Idee hatte. Wenn Gott zu Mose sprach, dann lesen wir das auch im Text. Im Falle der Strafe für Korach fehlt dieser Zusatz allerdings. Es wirkt, als sei Mose spontan auf diesen Einfall gekommen. Auffällig ist auch, dass Mose die Rolle des Fürbitters, die er sonst einnahm, wenn Gott eine Strafe verhängte, in diesem Fall verlassen hatte.
Könnte es also sein, dass Mose sich hier eine Art Exit-Strategie überlegt hatte? Wenn Gott den Erdboden nicht öffnen würde, wäre Mose aus seinem Amt befreit. Vielleicht würde er sterben müssen, aber immerhin war es dann Gottes Wille, weil seine Reaktion ausblieb.
Würde sich der Erdboden allerdings öffnen, so wussten Mose und das Volk, dass der Levit wirklich von Gott geschickt war und dass Er ihn auch immer noch unterstützte.
Fazit
Es mag sein, dass Mose bei seiner Ankündigung der Strafe für Korach und sein Gefolge hoch gepokert hatte. Vielleicht wäre es ihm auch entgegengekommen, wenn nichts passiert und er von der Last seines Amtes befreit gewesen wäre.
Doch YHWH bewies ihm sein Vertrauen und bestätigte Mose als Führer des Volkes vor den Augen der Kinder Israels.
Und so sehen auch wir, dass YHWH an seiner Berufung für uns festhalten wird. Auch uns wird er nicht hängen lassen oder verwerfen, solang wir bereit sind, seinen Willen zu tun. Dass wir darin auch einmal Momente des Zweifels oder der Resignation haben, hat der Allmächtige einkalkuliert. Und er hilft uns gern, wieder auf die Beine zu kommen.
Bildquelle: Pixabay.com
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