Parascha ‚waEra‘ – וָאֵרָא = „(und) ich bin erschienen“
Parascha ‚waEra‘ – וָאֵרָא = „(und) ich bin erschienen“ – 2. Mose 6, 2 – 9, 35;
V2) [Weiter] redete Elohim zu Mosche sagend: „Ich bin der Ewige – יְהוָה JHWH“.
V3) Avraham, Jizchak und Ja‘akov bin ich [doch] als El-Schadaj (= allmächtiger El) erschienen – וָאֵרָא waEra. Ihnen aber habe ich mich nicht mit meinem Namen als JHWH – יְהוָה (= „Ewiger“) zu erkennen gegeben.“
Es folgt ein kurzer Überblick:
Kp. 6
- Elohim erneuerte seinen Bund mit den Vätern avot und versprach Israel die Befreiung;
- Mosche erhielt den Auftrag, erneut zu den Israeliten und zu Pharao zu sprechen;
- die Israeliten hörten wegen ihres harten Frondienstes nicht zu;
- Mosche und Aharon wurden als Elohim-Gesandte bestätigt, inklusive ihrer Genealogie;
Kp. 7
- Elohim kündigte an, dass Pharao sein Herz verhärten wird;
- Mosche und Aharon traten vor Pharao; der Stab Aharons wurde zur tanim;
- erste Plage: Das Nilwasser wurde zu Blut. Die Fische starben, das Wasser wurde unbrauchbar;
Kp. 8
- zweite Plage: Frösche überfluteten das Land;
- Pharao bat um Fürbitte, hielt sein Wort aber nicht;
- dritte Plage: Stechmücken befielen Menschen und Tiere;
- vierte Plage: Fliegenschwärme verwüsteten das Land, aber Goschen blieb verschont;
- Pharao verhandelt erneut, bleibt aber unzuverlässig;
Kp. 9
- fünfte Plage: Viehpest tötete das ägyptische Vieh, das israelitische blieb unversehrt;
- sechste Plage: Geschwüre an Menschen und Tieren;
- siebte Plage: Hagel mit Feuer, der Ernten und Bäume zerstörte, außer in Goschen;
- Pharao zeigte kurz Reue, verhärtete sein Herz aber wieder;
Dieses Mal möchte ich unsere Lesung und unserer Studium etwas abändern und ich betitel es mit „Interessante Auffälligkeiten in der Tora-Lesung ‚waEra‘ “.
1. Elohims erneute Bestätigung seines Bundes
– der Allmächtige erinnerte Israel an sein Versprechen, welches er den Vätern gab. Jetzt bekräftigte er es erneut.
– die vier bekannten Heilszusagen aus 2. Mo. 6, 6–7:
- „Ich werde euch hinausführen“ וְהוֹצֵאתִי weHozeti etchem miTachat ssivlot Mizrajim
- „Ich werde euch retten“ וְהִצַּלְתִּי weHizalti etchem meAvodatam
- „Ich werde euch erlösen“ וְגָאַלְתִּי weGa’alti etchem biSroa netuja uwIschfatim-g’dolim
- „Ich werde euch annehmen.“ וְלָקַחְתִּי weLakachti etchem li leAm
= Diese vierfach gestufte Zusage zeigt das innige Verhältnis Gottes zu seinem Volk und bildet die Grundlage für die profetische Erlösung Israels.
Jetzt aber folgt der Höhepunkt, der manchmal als fünfte Stufe gezählt wird:
- „Ich werde euch in das Land bringen“ וְהֵבֵאתִי weHeveti etchem el haAretz
Die ersten vier gelten jedoch als die klassischen vier Erlösungsstufen.
An dieser Stelle ist der Hinweis, dass diese 4 / 5 Schritte der Erlösung im Pessach–Sseder eine zentrale Rolle spielt:
Diese vier Verben sind zentraler Bestandteil der Pessach–Haggada.
Sie entsprechen den vier Bechern Wein des Sseders:
1. Kiddusch-Becher – וְהוֹצֵאתִי
Herausführung aus der Last Ägyptens
2. Maggid-Becher – וְהִצַּלְתִּי
Rettung aus der Knechtschaft
3. Becher der Erlösung – וְגָאַלְתִּי
Erlösung durch Gottes ausgestreckten Arm
4. Becher der Annahme – וְלָקַחְתִּי
Gott nimmt Israel als sein Volk an
Der 5. Becher (Elijahu-Becher)
entspricht der fünften Verheißung:
– וְהֵבֵאתִי – „Ich werde euch in das Land bringen“
– Dieser Becher wird nicht getrunken, sondern bleibt als messianische Erwartung stehen.
2. Die doppelte Selbstoffenbarung Elohims, 2. Mo. 6, 3;
– El-Schaddaj – der Allmächtige, der Versorger;
– Adonaj / JHWH – der Ewige, der Gegenwärtige, der Seiende;
– Israel soll Elohim nicht nur als den Allmächtigen kennen, sondern als den, der gegenwärtig handelt, erlöst und führt;
3. Mosche und Aharon: Berufung, Sendung und Bevollmächtigung
– Mosche sprach von seiner „schweren Zunge“, Aharon wurde sein Sprecher;
– Gott sandte sie zum Pharao, dem „Weltherrscher“ ihrer Zeit;
– sie wurden von Wunderzeichen begleitet, die ihre göttliche Sendung bestätigten;
– das Geschlechtsregister in 2. Mo. 6, 14–27 legitimierte ihre lewitische Herkunft und ihre Führungsrolle;
4. Die ersten sieben makot: Struktur, Steigerung und die Unterscheidung zwischen Ägypten und Goschen
Diese Parascha umfasst die ersten sieben Plagen, die hebräisch makot מַכּוֹת = „Schläge“ genannt werden.
Dabei fällt eine bedeutsame Struktur auf:
Die ersten drei Plagen weisen keine Unterscheidung zwischen Israel und Ägypten.
1. maka: Blut דָּם dam – 2. Mo. 7, 14–25;
2. maka Frösche צְפַרְדֵּעַ – zfardea – 2. Mo. 7, 26–8,11;
3. maka Stechmücken כִּנִּים – kinnim – 2. Mo. 8,12–15;
Zusammenfassung der Bedeutung der ersten drei makot
In den ersten drei Plagen – Blut, Frösche und kinnim – wurde Goschen (Gosen) nicht verschont. Israel erlebte dieselben Plagen wie Ägypten. Dadurch wurde deutlich, dass die makot zunächst universale Zeichen Gottes waren und sich nicht gegen das Volk, sondern gegen die Götterwelt Ägyptens richteten.
Jede der drei Plagen traf einen zentralen ägyptischen Ab-Gott:
- der Nil (1. Plage) – Angriff auf den Nilgott Hapi;
- die Frösche (2. Plage) – Angriff auf die Fruchtbarkeitsgöttin Heket;
- der Staub der Erde (3. Plage) – Angriff auf den Erd-Gott Geb;
Bei der dritten Plage heißt es ausdrücklich, dass Mosche den Staub der Erde schlug und dieser zu kinnim wurde, 2. Mo. 8, 12–13; ausgerechnet aus dem Herrschaftsbereich Gebs entstand also diese Plage. Die ägyptischen Magier erkannten sofort die Bedeutung und sagten in 2. Mose 8, 15: „Dies ist der Finger Elohims אֶצְבַּע אֱלֹהִים ezbaa Elohim!“
Damit wurde die Ohnmacht der ägyptischen Ab-Götter entlarvt, und die Priester wurden durch die kinnim rituell unrein und damit handlungsunfähig. Erst ab der vierten Plage begann Gott zwischen Ägypten und Israel zu unterscheiden.
Ab der vierten Plage: Elohim setzte eine sichtbare Grenze.
- maka: arov עָרוֹב – Stechfliegen – 2. Mo. 8,16–28;
= erstmals wude Goschen ausdrücklich verschont, 2. Mo. 8, 18;
- maka: dever דֶּבֶר – Viehpest – 2. Mo. 9, 1–7;
- vom Vieh Israels „starb nicht eines“, 2. Mo. 9, 7;
- maka: schechin שְׁחִין – Geschwüre – 2. Mo. 9, 8–12;
- es gibt keine explizite Erwähnung, dass Israel in Goschen verschont blieb, aber aus dem Kontext wird klar: Israel blieb verschont;
- maka: barad בָּרָד – Hagel – 2. Mo. 9, 13–35;
= „Nur im Land Goschen fiel kein Hagel“, 2. Mo. 9, 26;
Die Bedeutung dieser Struktur:
- Die Plagen steigerten sich von einer lästigen Heimsuchungen zu Zerstörung bis hin zu kosmischem Gericht;
- ab der 4. Plage zeigte der Allmächtige:
- er unterschied zwischen seinem Volk und Ägypten;
- er setzte von nun an Grenzen, die kein ägyptischer Ab-Gott überschreiten konnte;
- Israel wurde sichtbar als Elohims Eigentumsvolk, 2. Mo. 6, 7;
5. Die Bedeutung des „tanin“ – nicht „nachasch“
- In 2. Mo. 4, 3 wird nicht das übliche Wort für Schlange nachasch נָחָשׁ verwendet, sondern „tanin“ תַּנִּין;
- tanin bezeichnet ein größeres, mächtigeres Kriechtier – möglicherweise ein Krokodil;
- das würde zur ägyptischen Symbolwelt passen und die Konfrontation mit der ägyptischen Macht unterstreichen;
6. Wer war Mosche? – eine Rückblende
- Herkunft und Familie:
- seine Eltern: Am-ram עַמְרָם (= „das Volk ist erhaben“) und Jocheved יוֹכֶבֶד (= „JHWH ist gewichtig“), beide waren Lewiten;
- ungewöhnliche Verwandtenehe: Jocheved war Amrams Tante;
- „Amram wurde 137 Jahre alt.“, 2. Mo. 6, 20; das war auch damals ein hohes Alter; diese Angabe steht im Zusammenhang mit der Genealogie der Lewiten;
- der Text hebt hervor, dass Amram und Jocheved trotz des Tötungsbefehls Pharaos im Glauben handelten: Sie wiesen Mut und Vertrauen auf, indem sie auf Gottes Verheißungen das Leben ihres Sohnes Mosche bewahrten, obwohl es ihr eigenes Leben gefährdete;
- Geschwister: Mirjam מִרְיָם war Prophetin und Aharon אַהֲרֹן wurde später zum Hohepriester;
- Mosche wurde als Baby durch eine „kleine Arche“ gerettet – eine bewusste Parallele zur Arche Noach: beide Worte werden hebräisch mit teva תֵּבָה bezeichnet;
- der Name „Mosche“:
- ägyptischer Ursprung: „herausgezogen / Herauszieher“;
- hebräisch ebenfalls möglich, 2. Sam. 22,17;
- Parallelen zu Thutmosis, Ramses („Sohn von…“);
- Der Name verweist auf seine Rettung und seine spätere Rolle als Retter;
- Jugend am ägyptischen Hof:
- Mosche wurde als „Sohn der Tochter des Pharaos“ erzogen;
- er erhielt die vollständige ägyptische Ausbildung, Apg. 7, 22;
- er wuchs in Macht, Bildung und strategischem Denken auf;
- Flucht nach Midjan:
- mit 40 Jahren Flucht nach dem Totschlag eines Aufsehers;
- Aufnahme bei Jitro, dem Priester von Midjan (auch „Regu‘el“ = „Freund Elohims“);
- Ehe mit Zippora צִפּוֹרָה (wörtlich „Vogel“, aber er könnte sie auch „mein Vögelchen“ genannt haben);
- zwei Söhne: Gerschom גֵּרְשׁוֹן („Fremdling dort“) und Eli-eser אֱלִיעֶזֶר („mein Elohim ist (mir) Hilfe“);
- die „kuschitische Frau“, 4. Mo.12, 1; ist wahrscheinlich eine ethnische Bezeichnung: „Afrikanerin, Schwarze“;
- die Berufung am Dornbusch:
- der brennende, aber nicht verbrennende Dornbusch: ein Zeichen der göttlichen Gegenwart;
- die Offenbarung des göttlichen Namens:
„Ich werde sein, der ich sein werde“ – „Ich bin da“ (Buber);
- Mosche erhielt den Auftrag, Israel zu befreien;
- Mosche als Führer, Prophet und Mittler:
- mit 80 Jahren wurde Mosche zum Befreier Israels;
- er erfuhr den Ewigen wie niemand anderes in den biblischen Schriften, der mit ihm „von Angesicht zu Angesicht“ sprach, 2. Mo. 33, 11;
- er vermittelte den Bund, die Tora, das Stiftszelt / den Mischkan, die sozialen Ordnungen und die Gottesdienstordnung;
- er war der demütigste Mensch auf Erden, 4. Mo. 12, 3;
- Tod und Vermächtnis:
- Mosche starb mit 120 Jahren „bei voller Kraft und klarem Blick“;
- Elohim selbst begrub ihn – der Ort blieb unbekannt;
- kein Prophet war wie Mosche, 5. Mo. 34,10;
- selbst die Engelwelt diskutierte über seinen Leichnam, Jud 9;
- Mosche im Neuen Bund:
- rund 80 Erwähnungen;
- Jochanan betont: die Tora kam durch Mosche, die Liebesgnade chessed und Wahrheit emet besonders durch den Messias, Joh. 1,17;
- Mosche weist prophetisch auf den Messias hin, 5. Mo.18, 15;
- Jeschua bestätigte die bleibende Bedeutung der Tora, Mt. 5,17;
- die Verklärung (Mosche + Elijahu + Jeschua) zeigt die Einheit von Tora, Propheten und Evangelium;
Zusammenfassung: Die Bedeutung dieses Tora-Abschnitts:
– Elohim offenbart sich neu und tiefer;
– die makot zeigen Gericht und Gnade zugleich;
– die Unterscheidung zwischen Ägypten und Goschen wird zu einem Schlüsselmotiv;
– Mosche wird als einzigartiger Mittler sichtbar;
– die Parascha „waEra“ ist ein Schlüsseltext für das Verständnis von Erlösung, Bundestreue und göttlicher Führung;
Schabbat Schalom !
- Parascha ‚schelach-lecha‘ שְׁלַח-לְךָ (= „entsende dir [Männer] nach deinem Ermessen aus“) – 4. Mo. 13, 1 – 15, 41; - 4. Juni 2026
- Parascha ‚beHa’alotcha‘ בְּהַעֲלֹתְךָ = „wenn du anzündest“ – 4. Mo. 8, 1 -12, 16; - 27. Mai 2026
- Parascha ‚nasso‘ נָשֹׂא = “erhebe” – 4. Mo. 4, 22 – 7, 89; - 21. Mai 2026

