Parascha ‚dvarim‘ – (= „Worte“) – 5. Mo. 1, 2 – 3, 22;

„Dies sind die Worte דְּבָרִים dvarim, die Mosche jenseits des Jordans zu ganz Israel redete…“
Es folgt hier eine kurze Zusammenfassung dieser Parascha als Übersicht:
In dieser Parascha hält Mosche eine Rückschau von all den Ereignissen, die sich während Israels Wüstenwanderung zugetragen haben: Sie sollen sich an all dies erinnern.
Kp. 1
- V1–7)
Mosche beginnt seine Abschiedsrede im Land Moav. Er erinnert daran, wie Elohim ihnen das verheißene Land präsentierte, in dass der Einzug kurz bevorsteht.
- V8–18)
Erinnerung an die Einsetzung von gerechten Richtern, die unparteiisch unter den Stämmen Recht sprechen sollen.
- V19–33)´
Mosche beschreibt die schwierige Wanderung durch die Wüste und die verweigerte Durchreise durch Edom.
- V34–46)
Ermahnt das Volk wegen ihrer Auflehnung, die zur Verzögerung und Niederlage gegen die Amoriter führte.
- V47–49)
Sie zogen weiter durch das Wüstengebiet, gemäß göttlicher Anleitung zur Vorbereitung auf den Einzug.
Kp. 2
- V1–14)
Fortsetzung der Rückschau: Begegnung mit den Königen Sse‘irs, Konfliktvermeidung mit Essaws Nachkommen, und die Stämme Re’u-ven, Gad und den halben Stamm Menasche im Ostjordanland helfen beim bevorstehenden Kampf.
- V15–37)
Bericht über die Kämpfe und Siege gegen die Amoriterkönige Sichon und Oog – ihr Land wird zum Erbe Israels.
Kp. 3
- V1–11)
Letzter großer Sieg über König Oog von Baschan; Beschreibung seines riesigen Palasts und des eroberten Gebiets.
- V12–22)
Mosche fordert die Oststämme zum Kampf im Westen auf und benennt Joschua als zukünftigen Führer ins Gelobte Land.
In dieser Parascha möchte ich euch den Text aus Kapitel 1 überarbeitet zum Lesen geben. Weil Mosche in dieser Rede ständig an die erlebten Ereignisse vornehmlich aus dem 4. Buch Mose anspielt, habe ich mir die Mühe gemacht, für all diese Erwähnungen die genauen Bibelpassagen anzugeben. Wer von euch dieses Kapitel jetzt nicht nur schnell durchlesen möchte, sondern es tiefer studieren mag, der hat jetzt alle die Ereignisse griffbereit, auf die Mosche anspielt und kann diese sofort durchlesen.
5. Buch Mose Kp. 1
V1) Dies sind die Worte דְּבָרִים dvarim, welche Mosche zum ganzen [Volk] Israel geredet hat, [nämlich] jenseits des Jordan, in der Wüste, in der Ebene, Ssuf gegenüber, zwischen Par‘an und Tofel, Lavan, Chazerot und Di-Sahav.
V2) Elf Tage sind es vom Chorev (Berg Sinaj), auf dem Weg zum Bergland Sse‘ir, bis Kadesch-Barnea.
V3) Dann geschah es, im vierzigsten Jahr, im elften Monat, am Ersten [Tag] des Monats, da hielt Mosche eine Rede zum Volk (Kindern) Israel. [Dabei verkündigte] er ihnen alle Anweisungen, die der Ewige ihm für sie gegeben hatte:
V4) Nachdem er Sichon, den König der Amoriter, der in Cheschbon wohnte, geschlagen hatte, 4. Mo. 21, 21 – 31;
[dazu auch] Oog, den König von Baschan, der in Aschtarot und in Edrej wohnte. – 4. Mo. 21, 33-35;
V5) Dann jenseits des Jordan, im Land Moav, fing Mosche an, diese Tora-Anweisung תּוֹרָה auszulegen, indem er sprach:
V6) Der Ewige, unser Elohim, redete zu uns am Chorev, indem er sprach: Lange genug seid ihr an diesem Berg geblieben. – 4. Mo. 10, 11-13;
V7) Macht euch auf, brecht auf und zieht zum Bergland der Amoriter; [danach] zu allen ihren Nachbarn in der Arava עֲרָבָה (= Wüstenebene), auf dem Bergland, in der Schfela שְּׁפֵלָה [dann] im Negev נֶּגֶב (Süden) [wohnen]; danach an den Küsten(strich) des Meeres chof-haJam חוֹף הַיָּם (Mittelmeerküste), in das Land der K‘naaniter und [von dort weiter in den Norden] zum Libanon, bis an den großen Fluss, den Euphratstrom!
= Bezug nehmend auf 4. Mo. 10, 11-13: der Aufbruch vom Berg Chorev (= Berg Ssinaj) geschah im 2. Jahr (nach dem Auszug aus Ägypten) im 2. Monat, am 20. Tag. Wobei V5) hier aber von einer Lehranweisung über die Landeseroberung spricht, von der aber nichts explizit in 4. Mo. 10 eine Erwähnung findet. Doch es ist die Rede davon, dass Mosche das Volk Israel auf die Landeseroberung vorbereitet hatte. Da Mosche in 4. Mo. 2 den Israeliten eine exakte Lagerordnung gab, die zugleich auch eine Marschordnung war, erscheint es logisch, dass diese Tora-Lehranweisung in diesem Zusammenhang gegeben wurde ohne dass sie explizit erwähnt wurde. Erst hier in Vers 5, wird sie Tora-Anweisung bezüglich der Eroberung des verheißenen Landes genannt.
In V7) werden feste geografische Begriffe vom Land Israel beschrieben: Arava, Negev, Schfela und der Mittelmeer Küstenstreifen, hebräisch Chof-haJam genannt. Dies sind bis heute feste geografische Bezeichnungen, die in den Übersetzungen auch so wiedergegeben werden müssen.
V8) Siehe, ich habe das Land vor euch dahingegeben. Geht hinein und nehmt das Land in Besitz, von dem der Ewige euren Vätern, Avraham, Jizchak und Ja‘akov geschworen hat, [es] ihnen und ihren Nachkommen nach ihnen zu geben!
=
- 1) zu Avraham: 1. Mo. 12, 7;
- 2) Jizchak: 1. Mo. 26, 3;
- 3) Ja’akov: 1. Mo. 28, 13;
V9-V18: die Einsetzung von „Richtern“ (= Rechtsprecher und -schlichter) und Obersten 2. Mo. 18, 13-26;
V9) [Weiter] sprach ich in jener Zeit zu euch: „Ich allein kann euch nicht tragen.
V10) [Denn] der Ewige, euer Elohim, hat euch zahlreich werden lassen, und siehe, ihr seid heute [so zahlreich] wie die Sterne des Himmels an Menge.
V11) Der Ewige, der Elohim eurer Väter, füge zu euch [noch] tausendmal [so viel], wie ihr seid, hinzu und segne euch, wie er es euch verheißen (geredet) hat!
V12) Wie könnte ich allein eure Bürde, eure Last und eure Rechtsangelegenheiten tragen?
V13) [Darum] holt mir weise, verständige und anerkannte Männer für eure Stämme heran, auf dass ich sie zu Oberhäupter über euch einsetze!
V14) Ihr habt mir geantwortet: ‘Diese Sache ist gut, die du angekündigt hast, sie zu tun.’
V15) Da nahm ich die Oberhäupter eurer Stämme, weise und anerkannte Männer. [Diese] setzten sie zu Oberhäupter über euch ein: Oberste über Tausend, Oberste über Hundert, Oberste über Fünfzig und Oberste über Zehn – als Verwalter für eure Stämme.
V16) Dann gebot ich euren Richtern in jener Zeit: ‘Hört [die Streitsachen] zwischen euren Brüdern an! Alsdann richtet gerecht zwischen einem Mann und seinem Bruder, und [auch] zwischen dem Fremden bei ihm!
V17) Ihr sollt im Rechtsspruch kein Ansehen auf die Person haben: der Kleine wie der Große soll angehört werden. Ihr sollt euch vor niemandem fürchten, denn das Gericht ist [allein] die Angelegenheit Elohims. Nur die Rechtsangelegenheit, welche für euch zu schwierig ist, soll ihr vor mich bringen, damit ich sie anhöre!’
V18) All diese Dinge gebot ich euch in jener Zeit, dass ihr sie tun solltet.”
= Mosche erinnert an dieses Ereignis, was uns in 2. Mo. 18, 13-26 berichtet wurde. Dort hatte Mosches Schwiegervater Jitro geraten, die Verantwortung und Rechtsberatung für das Volk aufzuteilen, indem er Richter (= Rechtsberater) zu Obersten über das Volk setzen würde. Auf diese Weise kann das Volk effizienter geführt werden.
V19-46: vgl. 4. Mo 13+14;
V19) Als wir vom Chorev aufbrachen, zogen wir durch diese ganze große und schreckliche Wüste – die ihr gesehen habt auf dem Weg zum Bergland der Amoriter, wie der Ewige, unser Elohim es uns geboten hatte. Bis wir nach Kadesch–Barnea קָדֵשׁ בַּרְנֵעַ kamen: 4. Mo. 10, 11-12;
V20) Dann sprach ich zu euch: [Jetzt] seid ihr bis zum Bergland der Amoriter herangekommen, welches der Ewige, unser Elohim, uns geben wird (bzw. uns gibt).
V21) Siehe, der Ewige, dein Elohim, hat das Land (das ganze verheißene Land, vornehmlich der K’naaniter) vor dir dahingegeben. [Darum] zieh hinauf, um es in Besitz zu nehmen! [Denn] so hat der Ewige, der Elohim deiner Väter, zu dir geredet! Fürchte dich nicht und zage nicht!
V22: 4. Mo. 13, 1-3;
V22) Dann tratet ihr alle zu mir und sagtet: „Lasst uns Männer vor uns her aussenden, damit diese das Land für uns erkunden/ausspähen: Sie sollen uns Bericht erstatten von der Wegstrecke, auf der wir hinaufziehen [ins Land], und über die Städte, zu denen wir kommen werden!
V23) In meinen Augen befand ich diese Sache (diesen Vorschlag) für gut. [Deswegen] ließ ich zwölf Männer von euch nehmen, je einen Mann für den Stamm.
V24) Sie machten sich auf und zogen ins Bergland hinauf. Da kamen sie bis zum Tal Eschkol (= „Tal der Trauben“) und kundschafteten es aus.
V25) So nahmen sie von den Früchten des Landes in ihre Hand, die sie zu uns herab brachten. Dann erstatteten sie uns Bericht, indem sie sagten: „Das Land ist gut, das der Ewige, unser Elohim, uns gibt/geben wird.
V26) Doch ihr wolltet nicht hinaufziehen und wart widerspenstig gegen den Befehl des Ewigen, eures Elohims.
V27) [Stattdessen] beklagtet ihr euch in euren Zelten (und rebelliertet), indem ihr spracht: „Weil der Ewige uns hasst, hat er uns aus dem Land Ägypten herausgeführt, um uns in die Hand der Amoriter zu geben, damit sie uns vernichten.
V28) Wohin sollen wir ziehen? Unsere Brüder haben unser Herz verängstigt, indem sie sagten: Ein Volk, größer und höher gewachsen als wir, Städte, groß bis an den Himmel befestigt, und sogar Enakitersöhne haben wir dort gesehen!
V29) Da sagte ich zu euch: ‘Erschreckt nicht und fürchtet euch nicht vor ihnen!
V30) Der Ewige, euer Elohim, der vor euch herzieht, er wird für euch kämpfen nach allem, was er in Ägypten vor euren Augen für euch getan hat,
V31) und in der Wüste, wo du gesehen hast, dass der Ewige, dein Elohim, dich getragen hat, wie ein Vater (Mann) seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Weg, den ihr gezogen seid, bis ihr an diesen Ort kamt.
V32) Aber trotzdem hatte niemand von euch Vertrauen in den Ewigen, euren Elohim,
V33) der auf dem Weg vor euch herzog, um euch einen Ort auszusuchen, damit ihr euch lagern konntet: bei Nacht im Feuer, damit ihr auf dem Weg sehen konntet, auf dem ihr zogt, und bei Tag in der Wolke.’
V34) Der Ewige aber hatte den Lärm eurer Reden gehört. Da wurde er zornig und schwor:
V35) Wenn irgend jemand unter diesen Männern, [von] dieser bösen Generation, das gute Land sehen wird, das ich euren Vätern zu geben geschworen habe,
V36) [ist es nur] Kalev – כָּלֵב (= “Hund”) der Sohn des Jefune – יְפֻנֶּה, er soll es sehen: ihm und seinen Söhnen werde ich das Land geben, das er betreten hat, dafür, dass er ganz und gar [im Vertrauen] hinter dem Ewigen [stand].
V37) Auch gegen mich wurde der Ewige zornig euretwegen und sprach: ‘Auch du sollst nicht dort hineinkommen!’
V38) [Und] Jehoschua – יְהוֹשֻׁעַ (= “der Ewige errettet”, Josua), der Sohn des Nun, der vor dir steht, er soll dorthin kommen! Ihn stärke, denn er soll es Israel zum Erb(besitz) austeilen!
V39 Eure [kleinen] Kinder, von denen ihr sagtet: ‚Sie werden zur Beute werden!‘, und eure Söhne, die heute weder Gutes noch Böses kennen, sie sollen dorthin kommen, und ihnen werde ich es geben, und sie sollen es in Besitz nehmen.
V40) Ihr aber, wendet euch und brecht auf zur Wüste, auf dem Weg zum Schilfmeer!
V41-46: vgl. 4. Mo. 14, 39-45;
V41) Da antwortetet ihr und sagtet zu mir: Wir haben gegen den Ewigen gesündigt! Wir wollen hinaufziehen und kämpfen nach allem, was der Ewige, unser Elohim, uns geboten hat. Ihr gürtetet ein jeder seine Waffen um und hieltet es für ein Leichtes, ins Bergland hinaufzuziehen.
V42) Da sprach der Ewige zu mir: Sprich zu ihnen: Zieht nicht hinauf und kämpft nicht, denn ich bin nicht in eurer Mitte; damit ihr nicht vor euren Feinden geschlagen werdet!
V43) So redete ich zu euch, aber ihr hörtet nicht. Ihr wart widerspenstig gegen den Befehl des Ewigen und handeltet vermessen und zogt ins Bergland hinauf.
V44) Da zogen die Amoriter aus, die auf jenem Bergland wohnten, euch entgegen und jagten euch nach, wie es die Bienen tun, und zersprengten euch in Sse‘ir bis nach Chorma.
V45) Danach kehrtet ihr zurück und weintet vor dem Ewigen. Aber der Ewige hörte nicht auf eure Stimme und neigte sein Ohr nicht zu euch.
V46) Dann verweiltet ihr viele Tage in Kadesch, eben die Zeit, die ihr [dort] bliebet.
= der Ort Chorma, der in 5. Mo. 1, 44 als Ziel der feindlichen Verfolgung genannt wird, taucht mehrfach in der Bibel auf: dabei wandelt sich seine Bedeutung drastisch.
In 4. Mo. 14, 45 wird die ursprüngliche Niederlage erzählt. Nach dem eigenmächtigen Versuch Israels, das Land zu betreten, schlagen die Amalekiter und K‘naaniter sie und treiben sie bis Chorma zurück. Chorma steht hier für Verlust und Gericht Elohims. Doch dann folgte der spätere Sieg: in 4. Mo 21, 3: Israel bat Gott um Hilfe gegen die K’naaniter. Elohim erhört sie und sie vollstrecken den Bann an deren Städte.
Der Ort wird Chorma genannt, was „Bann“ oder „völlige Zerstörung“ bedeutet.
Weitere Erwähnungen finden sich in Ri. 1, 17; Jehuda und Schim’on besiegen die K‘naaniter in Zefat und nennen die Stadt Chorma.
Jos. 12, 14: Der König von Chorma wird unter den besiegten Königen aufgelistet.
1. Sam 30, 30: Chorma erscheint als Teil der Orte, die David nach dem Sieg über die Amalekiter beschenkt.
Hier endet unsere heutige Betrachtung.
Euch allen Schabbat Schalom!
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