Der Passionsablauf Jeschuas im prophetischen Abbild des Pessachfestes
Teil 2: die Struktur von Pessach und Fest der Mazzot – ihr Zusammenspiel im biblischen Kalender
Um die Tiefe von Jeschuas Bestätigung als Messias Israels zu erfassen, müssen wir bereit sein, vertraute Wege zu verlassen. Das Passahfest — mit seinen drei eigenständigen, aber miteinander verwobenen Festen — trägt eine prophetische Dimension in sich, die nur sichtbar wird, wenn wir uns von späteren Traditionen lösen und zum Ursprung zurückkehren.
Das bedeutet zweierlei:
- Christliche Traditionen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben, dürfen uns nicht als Maßstab dienen, wenn wir die Ereignisse rund um Jeschuas Passion verstehen wollen.
- Jüdische Traditionen, wie sie heute gelebt werden, spiegeln nicht immer exakt die Praxis zur Zeit des Zweiten Tempels wider — und genau diese Zeit ist entscheidend.
Wer das „Zeichen des Propheten Jona“ als prophetisches Schattenbild im Pessachfest begreifen möchte, muss bereit sein, beide Brillen abzulegen: die christliche wie auch die moderne jüdische. Erst dann öffnet sich der Blick für das ursprüngliche, biblische Verständnis, das zur Zeit Jeschuas galt.
In diesem zweiten Teil und in den kommenden Teilen werden wir uns Schritt für Schritt an diese ursprüngliche Perspektive herantasten — historisch, textlich und prophetisch — und dabei einen Aspekt nach dem anderen freilegen, bis das Gesamtbild sichtbar wird. Wir wollen das Pessachfest nicht nur erklären, sondern neu sehen: als Bühne, auf der sich die messianische Erfüllung in präziser, göttlicher Ordnung entfaltet.
Bevor wir uns den Festlichkeiten des Pessachfestes zuwenden, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf den hebräisch‑biblischen Kalender zu werfen. Er bildet den zeitlichen Rahmen, in dem die biblischen Feste verankert sind, und unterscheidet sich grundlegend von den heute gebräuchlichen Kalendern.
Der biblische Kalender ist ein lunisolarer Kalender. Das bedeutet, dass sowohl der Mondlauf als auch der Sonnenzyklus berücksichtigt werden. Diese Kombination ist nicht zufällig: Der Schöpfer wollte, dass sein Volk weder ausschließlich mondorientiert noch ausschließlich sonnenorientiert lebt. Viele Kulturen der Antike entwickelten entweder reine Mond- oder reine Sonnenkalender und verbanden diese mit der Verehrung der entsprechenden Himmelskörper. Um Israel vor solchen Formen der Götzenanbetung zu bewahren, wurde ein Kalendersystem gegeben, das beide Himmelsrhythmen integriert, ohne sich einem von ihnen zu unterwerfen.
So basiert der christliche Kalender – der gregorianische – auf einem reinen Sonnenjahr, während der islamische Kalender ein reiner Mondkalender ist. Der biblisch‑hebräische Kalender hingegen verbindet beide Zyklen miteinander und bleibt dadurch unabhängig von kultischen Sonnen- oder Mondreligionen.
Ein weiterer grundlegender Unterschied betrifft den Beginn des Tages. Während im westlichen Denken der Tag mit dem Morgen beginnt, startet der biblische Tag mit dem Einbruch der Nacht. Diese Ordnung geht direkt auf den Schöpfungsbericht zurück: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen – ein Tag.“ Der Abend markiert somit den Anfang, nicht das Ende des Tages.
Diese Besonderheiten sind entscheidend, um die zeitliche Struktur des Pessachfestes und des gesamten biblischen Festkalenders richtig zu verstehen.
Eine weitere grundlegende Bedeutung des biblisch‑hebräischen Kalenders betrifft die Festlegung des Jahresanfangs. Die Tora verpflichtet Israel ausdrücklich, den Monat Aviv durch Beobachtung/Sichtung zu bestimmen:
„Beobachte שָׁמוֹר schamor den Monat Aviv“, 5. Mo. 16, 1;
Die rabbinische Tradition verstand dies als doppelte Beobachtung – des Neumondes und des Reifezustands der Gerste.
Erst wenn die Gerste aviv war – also jenen Reifegrad erreicht hatte, in dem sie geröstet werden konnte –, durfte der erste Monat beginnen. Die Tora beschreibt diesen Zustand im Zusammenhang mit der mincha‑Gabe der Erstreife:
„Und wenn du dem Ewigen eine mincha-Gabe (Mehlabgabe/Speisopfer) der Erstreife מִנְחַת בִּכּוּרִים minchat–bikurim nahebringen willst, sollst du Ähren, am Feuer geröstet, Graupen von frischem Korn, darbringen als mincha (Mehlgabe) deiner Erstreife.“, 3. Mo. 2, 14;
Der Midrasch Sifrei erläutert den Vers dahingehend, dass sowohl die Sonne (die Jahreszeit) als auch der Mond (der Neumond) zu beobachten seien, damit der Monat Aviv tatsächlich in den Frühling fällt. Daraus ergeben sich zwei grundlegende Kriterien:
- der Monat Aviv darf nicht in den Winter fallen.
- die Gerste muss den Zustand aviv erreicht haben.
Die Festlegung des Monats war daher ein zentrales nationales Ereignis, das ausschließlich vom Sanhedrin in Jerusalem ausging. So heißt es in 2. Mo. 12, 2:
„Dieser Monat (Aviv) sei euch der Anfang der Monate (= Jahresanfang). Der erste sei er euch unter den Monaten des Jahres.“ (TurSinaj).
Es ist der Monat, in dem der Auszug aus Ägypten stattfand, und dieser wurde zum Jahresanfang bestimmt.
Die Quellen schildern den Ablauf klar und übereinstimmend: Der Sanhedrin entsandte Beobachter, die den Zustand der Gerste im Umland Jerusalems prüften. Der Jerusalemer Talmud berichtet: „Sie gingen hinaus, um die Gerste zu sehen; war sie nicht aviv, wurde ein Monat hinzugefügt (d. h. ein Schaltmonat eingefügt).“ (Jeruschalmi Sanhedrin 1:2). Der Babylonische Talmud nennt die Kriterien der Entscheidung: „wegen der Gerste, wegen der Früchte der Bäume und wegen der Jahreszeit“ (Bavli Sanhedrin 11b).
Die Tosefta präzisiert, dass die Gerste so weit gereift sein musste, dass sie geröstet werden konnte; andernfalls galt sie nicht als aviv (Tosefta Sanhedrin 2:2–3). Erst wenn diese Bedingungen erfüllt waren, wurde der Neumond des Monats Aviv öffentlich ausgerufen. Diese Sichtung (= Beobachtung) erfolgte ausschließlich in Jerusalem, und die Entscheidung wurde vom Sanhedrin öffentlich verkündet.
Diese Ausrufung war von größter Bedeutung, denn sie setzte die gesamte Bevölkerung in Bewegung. Die Mischna beschreibt, dass die Verkündigung des neuen Monats durch Boten verbreitet wurde und später zusätzlich durch Signalfeuer auf den Bergen, die bis in die Diaspora sichtbar waren (Mischna Rosch-haSchana 2). Auf diese Weise erfuhren selbst die Gemeinden außerhalb des Landes Israel rechtzeitig, dass der Monat Aviv begonnen hatte. Mit dieser Ausrufung begann für alle Israeliten die 14‑tägige Vorbereitungszeit, um nach Jerusalem zu pilgern und dort das Pessachfest zu feiern, wie es die Tora gebietet, 2. Mo. 12–13.
Dieses System blieb bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. in Kraft. Erst als Israel durch die römische Herrschaft weitgehend aus dem Land vertrieben war und die Sichtung der Gerste in Jerusalem nicht mehr zuverlässig durchgeführt werden konnte, entschied der Sanhedrin unter Hillel II., den Kalender auf eine kalkulatorische Grundlage zu stellen. Dieser bis heute gültige jüdische Kalender mit seinem 19‑Jahres‑Zyklus und sieben Schaltjahren entstand aus dieser geschichtlichen Notlage. Die führenden Rabbiner erkannten, dass das biblische Sichtungssystem unter den Bedingungen der Diaspora nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Die Einführung eines festen Kalenders war daher eine weise und notwendige Entscheidung, die es dem weit verstreuten jüdischen Volk ermöglichte, die Festzeiten weiterhin einheitlich zu begehen – und trug damit wesentlich zum Fortbestand des Judentums bei.
Nachdem die biblische und rabbinische Praxis der Aviv‑Sichtung dargestellt ist, stellt sich die Frage, wie diese Regelung in der Zeit Jeschuas gehandhabt wurde. Auch wenn die Evangelien den Kalenderprozess nicht ausdrücklich beschreiben, lassen sich aus ihren Angaben Rückschlüsse auf die damalige Praxis ziehen.
Wir finden in den Evangelien Hinweise darauf, dass Jeschua dem Gebot der Sichtung und der damit verbundenen Festlegung des Monatsbeginns Folge leisten musste. Es scheint, dass in jenem Jahr seiner Passion ein Schaltmonat eingefügt werden musste:
„Auf seinem Weg nach Jeruschalajim durchquerte Jeschua die Schomron (Samarien) und das Galil (Galiläa).“, Lk. 17, 11.
Nach den historischen Parametern der Gerstenreife musste in jenem Jahr ein ‚Adar Bet‘ – ein Schaltmonat – eingefügt werden, weil die Gerste ihren aviv–Zustand noch nicht erreicht hatte. Obwohl Jeschua bereits in der Nähe Jerusalems war und grundsätzlich bereit zum Aufstieg, verzögerte sich seine Reise durch die notwendige Kalenderanpassung. So zog er ein letztes Mal durch die Ortschaften und Städte Galiläas und Samariens, bevor er schließlich zum Pessachfest nach Jeruschalajim hinaufging.
Nach diesen notwendigen Vorüberlegungen zum Aviv‑Neujahr, seiner Beobachtung und der späteren Umstellung auf einen fest berechneten Kalender – sowie der Möglichkeit, dass Jeschua in seinem Passionsjahr tatsächlich von der Einschiebung eines Schaltmonats betroffen war – können wir nun zum eigentlichen Kern übergehen.
Um die Ereignisse der Passionswoche des Messias zeitlich präzise einordnen zu können, müssen wir zunächst das Pessachfest selbst in seinen biblischen Bestandteilen betrachten. Das Pessach umfasst drei klar voneinander abgegrenzte, aber zeitlich miteinander verbundene Festhandlungen:
- das Pessachschlachtopfer am Nachmittag des 14. Aviv,
- das Fest der ungesäuerten Brote vom 15. bis 21. Aviv,
- und dazwischen das Fest der Erstlingsgabe.
Als ersten Schritt wollen wir nun die biblischen Referenzen zu diesen drei Festen studieren und ihre genauen Zeiten bestimmen. Das bildet den Rahmen, das Fundament, auf dem die gesamte Rekonstruktion der Passionschronologie aufbaut.
Beginnen werden wir jedoch mit den ersten beiden Festen, da sie unmittelbar miteinander verwoben sind. Ihre zeitliche Abgrenzung ist entscheidend, um eindeutig klären zu können: Wann genau wurde Jeschua gekreuzigt?
1. Pessach – פֶּסַח = „Überschreitung/Übergehung“
Das Pessach – פֶּסַח, wörtlich „Überschreitung“ – geht auf das dramatische Geschehen der zehnten Plage in Ägypten zurück. In der Nacht, in der der Ewige die Erstgeborenen Ägyptens schlug, zog der Todesengel durch das Land. Doch die Häuser der Israeliten, deren Türpfosten mit dem Blut der geschlachteten Lämmer bestrichen waren, wurden verschont: Der Engel „überschritt“ פָּסַח passach sie, wie es in 2. Mose 12 beschrieben wird. Aus diesem rettenden „Überspringen/Übergehen“ leitet sich der Name des Festes ab.
Die Tora legt dann zwei entscheidende Daten fest, die das Pessachgeschehen strukturieren. Am 10. Aviv sollte jedes Haus ein fehlerloses Lamm, männlich und 1-jährig auswählen, 2. Mo. 12, 3:
„Redet zur ganzen Gemeinde Israel und sagt: Am zehnten dieses Monats, da nehmt euch ein jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, [je] ein Lamm für das Haus!“
Dieses Lamm wurde vier Tage lang beiseitegestellt und geprüft. Am 14. Aviv wurde es schließlich geschlachtet,– „zwischen den Abenden“, – also in der Zeitspanne des späten Nachmittags.
2. Mo. 12, 6:
„Ihr sollt es [das Lamm] bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. Dann soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel zwischen den zwei Abenden בֵּין הָעַרְבַּיִם bejn-haArbajim schlachten.“
Diese beiden Tage markieren die Vorbereitung und den Vollzug des ursprünglichen Pessachopfers, das zum zentralen Zeichen der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens wurde.
Datum
- 10. Aviv – Auswahl des Lammes;
- 14. Aviv – Schlachtung des Pessachlammes am Nachmittag;
Weitere biblische Grundlage:2. Mo. 12, 1–14; 3. Mo. 23, 5;4. Mo. 9, 1–14; 5. Mo. 16, 1–7;
2. chag-haMazzot – חַג הַמַּצּוֹת = „Fest der ungesäuerten Brote“
Datum
- 15.–21. Aviv (7 Tage)
Das chag‑haMazzot, das ‚Fest der ungesäuerten Brote‘, gehört zu den tiefsten Erinnerungsfesten Israels. Die Tora beschreibt es als eine siebentägige Zeit, in der Israel weder gesäuertes Brot essen noch Sauerteig in den Häusern behalten darf. So heißt es in 2. Mo. 12, 15:
„Sieben Tage sollt ihr mazzot מַצּוֹת (= „ungesäuertes Brot“; Buber: Fladen) essen, ja, am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig שְּׂאֹר sse’or (= Buber: „Gäre“) aus euren Häusern wegtun. Jeder, der Gesäuertes חָמֵץ chametz ißt – diese Seele soll aus Israel ausgerottet werden – [das gilt] vom ersten Tag bis zum siebten Tag.“
Einschub – Erklärung der 3 hebräischen Begriffe
- mazza מַצָּה,
- sse’or שְּׂאֹר und
- chametz חָמֵץ
Die Tora spricht im Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten immer wieder von mazza מַצָּה, dem ungesäuerten Brot, das Israel während des ‚Festes der mazzot‘ essen soll. Der Begriff bezeichnet nicht einfach irgendein Brot ohne Sauerteig, sondern einen flachen, schnell gebackenen Fladen, der bewusst ohne jeden Gärprozess hergestellt wird. Die sprachliche Wurzel wird häufig mit Bedeutungen wie „ausdünnen“, „flach drücken“ oder „auspressen“ verbunden, was gut zur Herstellungsweise passt. So heißt es in 2. Mo. 12, 39:
„Und sie buken den Teig, den sie aus Ägypten mitgenommen hatten, zu mazzot מַצּוֹת, denn er war nicht gesäuert“;
Und an anderer Stelle in 5. Mo. 16, 3: „Sieben Tage sollst du mazzot מַצּוֹת essen“;
Martin Buber übersetzt mazza מַצָּה bewusst mit „Fladen“, um die konkrete, handwerkliche Form sichtbar zu machen und die Distanz zu späteren liturgischen Begriffen zu vermeiden.
Dem gegenüber steht sse’or שְׂאֹר, der Sauerteigstarter, also der gärende Ansatz, der in der Antike im Haus aufbewahrt wurde, um den nächsten Brotteig zu „impfen“. Das Wort stammt aus einer Wurzel, die Bedeutungen wie „aufquellen“, „aufblähen“ oder „gären“ trägt. sse’or ist nicht das fertige Brot, sondern das aktive Ferment, das den Gärprozess in Gang setzt. Die Tora betont ausdrücklich, dass während des Festes kein sse’or שְׂאֹר im Haus gefunden werden darf: 2. Mo. 12, 19: „Kein sse‘orשְׂאֹר soll in euren Häusern gefunden werden“;
Buber übersetzt hier „Gäre“, um das Gärende, das Gegorene, also den lebendigen Starter zu betonen.
Aus dem sse‘or שְׂאֹר entsteht schließlich chametz חָמֵץ, das gesäuerte, gegorene Brot, das Endprodukt des Fermentationsprozesses. Die Wurzel ח־מ־ץ trägt Bedeutungen wie „sauer werden“, „gären“, „sich verändern“ und ist verwandt mit chometz חֹמֶץ, dem Essig. חָמֵץ bezeichnet also das vollständig durchsäuerte Brot, das während des Festes streng verboten ist. Die Tora formuliert es klar in 2. Mo. 13, 3 + 7:
„Kein chametz חָמֵץ soll gegessen werden“; „Sieben Tage soll kein chametz חָמֵץ bei dir gesehen werden“
Damit ergibt sich eine klare Dreiteilung:
- mazza מַצָּה ist das Brot ohne Gärung, der flache, schnell gebackene Fladen.
- sse‘or שְׂאֹר ist der gärende Starter, der das Brot aufgehen lässt.
- chametz חָמֵץ ist das fertig gesäuerte Brot, das durch diesen Starter entsteht.
Diese drei Begriffe bilden zusammen das kultische und symbolische Fundament des chag‑haMazzot: die Entfernung des sse‘or שְׂאֹר, das Verbot des chametz חָמֵץ und das bewusste Essen der mazza מַצָּה. Sie markieren nicht nur eine rituelle Praxis, sondern erzählen zugleich die Geschichte des Aufbruchs, der Eile und der Befreiung — und sie prägen bis heute das Verständnis des biblischen Festkalenders.
Und weiter in 3. Mo. 23, 6-7:
„Am ersten Tag soll euch eine heilige Versammlung sein … sieben Tage sollt ihr mazzot essen“;
Diese Verse markieren den Beginn eines Festes, das mit der Dunkelheit des 15. Aviv einsetzt. Ab diesem Moment darf kein chametz mehr gegessen oder im Haus gefunden werden. Obwohl der 15. Aviv der offizielle erste Tag der mazzot ist, war die praktische Vorbereitung bereits früher angesetzt: Schon in der Nacht zuvor wurde das chametz aus den Häusern entfernt, und am Vormittag des 14. Aviv wurde alles Gesäuerte verbrannt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt durfte kein gewöhnliches Brot mehr konsumiert werden. Dadurch galt der 14. Aviv in der gelebten Praxis bereits als der faktische erste Tag der ungesäuerten Brote – ein Befund, der sich später auch in den Evangelien widerspiegelt.
Die klare Abgrenzung: Pessachabend vs. chag‑haMazzot
Die Tora unterscheidet präzise zwischen dem Pessach und dem chag‑haMazzot, auch wenn beide Feste im späteren Sprachgebrauch oft miteinander verschmolzen. Ursprünglich bezeichnet Pessach ausschließlich den Nachmittag des 14. Aviv, an dem die Pessachlämmer geschlachtet wurden.
Der Ablauf dieses Tages war genau geregelt:
- am Nachmittag des 14. Aviv wurden die Lämmer geschlachtet;
- danach zog man die Felle ab und entfernte die Innereien;
- die Lämmer wurden im Ganzen aufgespießt, gesalzen und vorbereitet;
- anschließend brachte man sie zu den Öfen in den Höfen der privaten Häuser;
- dort wurden sie über mehrere Stunden geröstet;
Mit dem Einbruch der Nacht begann der hohe Schabbat, der erste Festtag der mazzot. Erst spät am Abend, in der Dunkelheit des beginnenden 15. Aviv, wurde die Pessachlämmer familienweise gegessen – so wie es die Tora gebietet, 2. Mo. 12, 8:
„Sie sollen das Fleisch in dieser Nacht essen, am Feuer gebraten, mit mazzot und bitteren Kräutern“;
Damit ist klar:
- Pessach = der Opfernachmittag des 14. Aviv
- das Essen des Lammes = in der Nacht des 15. Aviv
- chag‑haMazzot = beginnt mit der Dunkelheit des 15. Aviv und dauert sieben Tage

Zunächst stellt sich die Frage: Wie hängen der Begriff „Pessach“ und das „Fest der Mazzot“ genau zusammen?
In der nächsten Ausgabe klären wir daher als erstes, warum der 15. Aviv in der Passion auf einen Mittwoch fiel – und nicht auf einen „Freitag“ (Karfreitag).
Außerdem werden wir untersuchen: Wann genau wurde Jeschua festgenommen und gekreuzigt? Zu welchem Zeitpunkt trat sein Tod am Kreuz ein? Und wir werden die Frage beleuchten, ob das „letzte Abendmahl“, das Jeschua in der Nacht seines Verrats im kleinen Kreis hielt, tatsächlich ein Pessachmahl war – oder nicht.
In den folgenden Teilen werden wir den hier skizzierten Ablauf Stück für Stück verfeinern und die Grafik oben mit weiteren Details, Präzisierungen und Querverweisen ergänzen.
