Parascha ‚waJizej‘ = „(und) er brach auf“ – 1. Mo. 28, 10 – 32, 3;

Zunächst gebe ich hier als Übersicht eine kurze Zusammenfassung des Wochenabschnitts wieder, um danach einige prophetische Inhalte der dargelegten Geschichte Ja’akovs näher zu betrachten.
Kp. 28, 10-22: Ja’akovs Flucht und Traum in Bejt-El;
Ja‘akov verlässt Be’er Scheva, um sich auf den Weg nach Charan zu begeben, dem Ort, aus welchem sein Großvater Avraham gezogen ist und seine Mutter Rivka stammt.
An einem bestimmten Ort übernachtet er und legt sich dazu einen Stein als Kopfstütze. Dort hat er einen Traum: Es sieht eine Leiter aufgestellt, die bis in den Himmel reicht, und auf der Engelsboten hinauf- und hinabsteigen. In diesem Traum offenbart sich ihm der Ewige und erneuert den Bund, den Er mit seinen Vätern Avraham und Jizchak geschlossen hatte: Das Land wird seinen Nachkommen gehören, und sie werden zahlreich wie der Staub der Erde sein.
Danach errichtet Ja‘akov den Stein als Denkmal auf und benennt den Ort Bejt-El – בֵּית אֵל (= „Haus des El“) und gelobt, den Zehnten seines Besitzes HaSchem zu widmen.
Kp. 29, 1–30: Ja‘akovs Ankunft in Charan: seine Begegnung mit Rachel und die Hochzeit;
Ja‘akov kommt nach Charan an, wo er an einem Brunnen mit Hirten stößt, und hier begegnet er Rachel רָחֵל. Es stellt sich heraus, dass sie die Tochter von seinem Onkel Lavan לָבָן ist. Weil er sich in Rachel verliebt hat, vereinbart er mit seinem Onkel, dass er sieben Jahre für sie arbeiten wird. Nach diesen sieben Jahren betrügt ihn Lavan, indem er ihm die ältere Schwester Le’a als Braut gibt.
Weitere sieben Jahre verpflichtet sich Ja‘akov um Rachel zu arbeiten, heiratet sie aber zurselben Zeit.
Kp. 29, 31–30, 24: es folgen die Geburten der Kinder Ja‘akovs;
JaH sieht, dass Le’a nicht geliebt wird, und schenkt ihr Kinder:
Re’u-ven רְאוּבֵן
Schim’on שִׁמְעוֹן
Lewi לֵוִי
Jehuda יְהוּדָה
Indes bleibt Rachel kinderlos und gibt Ja‘akov ihre Magd Bilha בִּלְהָה, die
Dan דָּן und
Naftali נַפְתָּלִי zur Welt bringt.
Nun gibt auch Le’a dem Ja‘akov ihre Magd Silpa זִלְפָּה, die
Gad גָּד und
Ascher אָשֵׁר gebiert.
Später bekommt Le’a weitere Kinder:
Issass‘char יִשָּׂשכָר
S’vulun זְבֻלוּן
und eine Tochter, Dina דִּינָה.
Schließlich öffnet der Allmächtige endlich auch Rachels Schoß, und sie gebiert
Josef יוֹסֵף.
Kp. 30, 25–43: Ja‘akovs Wohlstand;
Nach der Geburt Josefs möchte Ja‘akov zu seiner Familie zurückkehren, doch Lavan überredet ihn, noch zu bleiben. Dann schlägt Ja‘akov ein Abkommen vor: Er will alle gesprenkelten und gefleckten Schafe und Ziegen als Lohn für seine Arbeit nehmen. Durch geschickte Zuchtmethoden vermehrt Ja‘akov seinen Besitz und wird damit äußerst wohlhabend.
Kp. 31: Flucht aus Charan;
Ja‘akov bemerkt den Neid der Kinder Lavans und erhält vom Ewigen die Anweisung, nach Kena’an zurückzukehren. Ohne Lavan zu informieren bricht er mit seiner Familie und seinem Besitz auf. Rachel stiehlt die Terafim תְּרָפִים, Hausgötzen ihres Vaters. Lavan verfolgt Ja‘akov, doch der Allmächtige warnt ihn im Traum, Ja‘akov nicht zu schaden. Dann schließen Lavan und Ja‘akov miteinander einen Bund, für den ein Steinhaufen als Zeugnis aufgestellt wird.
Kp. 32, 1–3: Engel begleiten Ja’akov;
Auf dem Weg nach Kena‘an begegnen Ja‘akov Engelsboten Elohims. Er nennt den Ort „Machanajim“ מַחֲנָיִם, („zwei Lager“). Nun bereitet er sich darauf vor, seinem Bruder Eschaw zu begegnen.
= Wir haben gesehen, dass die niedergeschriebenen Geschichten hier im allerersten Buch der Bibel nicht irgendwelche belanglose Erzählungen sind, sondern Puzzlestein um Puzzlestein den Plan Elohims in einer Art Silhouette vorzeichnen, ganz nach dem Motto, dass der Allwissende das Ende von Anbeginn aufgeschrieben hat. Das entspricht einem Architekten, der das zu erbauende Haus auf seinem Masterplan aufgezeichnet hat, und ganz gemäß dieses Plans wird dann von den Bauleuten dieses Haus errichtet. Deswegen heißt es, dass vor Grundlegung der Welt der Ewige seinen Plan gefaßt hatte und dementsprechend durchführt.
Z. B. steht geschrieben in Jesaja 46, 10:
„Ich verkündige von Anfang an, was hernach geschehen soll, und von alters her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich tun.“
Ebenso wird in Epheser 1, 4-5 ausgesagt:
„Denn in ihm (Jeschua) hat er uns vor Grundlegung der Welt erwählt, auf dass wir heilig und untadelig vor ihm in Liebe leben sollen. Durch Jeschua haMaschiach hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein gemäß dem Wohlgefallen seines Willens.“
Diese Stellen untermauern, dass der Plan JaHs vor der Zeit festgesetzt wurde und sich nun im Laufe der Zeitgeschichte durch seine souveräne Macht manifestiert.
Genauso ist verhält es sich mit diesen biblischen Erzählungen: Wir haben gesehen, dass die Schöpfung des Adam אָדָם (Menschen) – abgeleitet von adom אָדֹם (rot) und Adama אֲדָמָה (Erdboden) und ebenso Dmut דְּמוּת (Ebenbild, Gestalt) – als der „Rötling“, „Erdling“ und „Elohim-Ähnliche“ tiefe Geheimnisse aus der hebräischen Sprache offenbart. Auch die Schaffung der ischa אִשָּׁה (Frau) aus der Seite des isch אִישׁ (Mann) – deren Wortwurzel esch אֵשׁ (Feuer) ist – spiegelt prophetisch die Schaffung der Braut des Messias wieder.
Dann haben wir Avrahams Leben näher beleuchtet. Seine größte Glaubensprüfung stellt ein Schattenbild auf das Opfer des Allmächtigen selber dar. Weiter spiegelt der Zwiekampf zwischen seinen beiden Söhnen Jischma‘el und Jizchak den Kampf um das göttliche Erbe, die Landesverheißung dar, was sich im aktuellen Nahostkonflikt austrägt.
In der letzten Parascha ‚toldot‘ haben wir die Auseinandersetzung zwischen den Zwillingen Eschaw (Esau) und Ja’akov (Jakob) betrachtet, ein Konflikt, der sich auch bis in unsere Zeit prophetisch fortträgt. Ja’akovs Festhalten an seines Bruders Fersen spiegelt das Festhalten an die himmlischen Güter wieder. Das werden wir noch tiefergehend in der nächsten Toralesung finden.
In dieser Lesung wollen wir betrachten, was es prophetisch zu bedeuten hat, dass Ja’akov zwei Frauen ehelichte, die ihm dann 12 Söhne geben, aus denen später die 12 Stämme Israels wurden.
V10) „Also zog Ja‘akov aus – וַיֵּצֵא waJize von Beer-Scheva und kam nach Charan.“
So beginnt unsere Parascha.
In Charan angekommen, traf er sogleich auf seinen Onkel Lavan. Der hatte zwei Töchter: die ältere Le‘a und die jüngere Rachel. Ja‘akov verliebte sich auf den ersten Blick in Rachel und bot nun an, sieben Jahre für Lavan zu arbeiten, um sie zu heiraten. Lavan stimmte zu, und der Text berichtet uns, dass diese 7 Jahre für Ja’akov wie im Fluge vergingen, weil seine Liebe zu Rachel so groß war.
V15) Lavan sprach zu Ja‘akov: „Solltest du, weil du mein Neffe bist, mir umsonst dienen? Sag mir, welchen Lohn ich dir geben soll?“
V16) Lavan aber hatte zwei Töchter – der Name der älteren war Lea – לֵאָה und der Name der jüngeren Rachel –רָחֵל .
V17) Während die Augen Leas matt waren, war Rachel schön von Gestalt und hübsch vom Aussehen.
V18) Ja‘akov (ver)liebte (sich) (in) Rachel. Darum entwortete er [Lavan]: „Ich will dir sieben Jahre für deine jüngere Tochter Rachel dienen.“
V19) Lavan antwortete ihm: „Es ist besser, ich gebe sie dir, als daß ich sie einem andern Mann gebe. (Darum) bleibe bei mir!“
V20) Also diente Ja‘akov für Rachel sieben Jahre. Sie vergingen in seinen Augen wie einige [wenige] Tage, weil er sie (so sehr) liebte.
Als die sieben Jahre vorbei waren, forderte Ja‘akov seine Braut ein. Doch nach der Hochzeitsnacht am Morgen wurde Ja‘akov gewahr, dass er betrogen worden war. Nicht Rachel, sondern ihre ältere Schwester Lea fand er vor.
V25) Es geschah am Morgen, siehe, da war es Lea. Dann sprach er zu Lavan: „Was hast du mir da angetan? Habe ich nicht für Rachel bei dir gedient? Warum hast du mich betrogen?“
V26) Lavan antwortete [ihm]: „Es ist bei uns nicht üblich, dass man die Jüngere vor der Erstgeborenen gibt.
V27) Vollende die [Hochzeits-]Woche [mit] dieser! Danach geben wir dir auch jene, aber du sollst mir für sie nochmals weitere sieben Jahre dienen.“
V28) Ja‘akov tat so und vollendete die [Hochzeits-]Woche [mit] dieser. Dann gab er ihm seine Tochter Rachel zur Frau.
V30) Da ging er auch zu Rachel ein. Er liebte Rachel mehr als Lea. Also diente er bei ihm für weitere sieben Jahre.
= Hier ist das Geheimnis: Ja’akov stellt im Bild gesprochen den Typus für den Messias dar. Seine Braut, Rachel, ist prophetisch gesehen Israel. Als er sie erblickt, verliebt er sich. Jeschua, als der Messias Israels, kam wie er selber in Mt. 15, 24 sagt: „…einzig zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel….“ So wie Ja’akov hat er für seine Braut gearbeitet. Israel ist vom Ewigen auserwählt, hatte den Bund mit dem Schöpfer geschlossen. Bildlich gesprochen war Israel als Braut schön.
Nach erfüllter Zeit der Arbeit kommt die ersehnte Hochzeitsnacht. Ja’akov findet nicht Rachel, sondern ihre Schwester vor. Nachdem Jeschua um sein Volk Israel gearbeitet hatte, kam aber die „Zeit der Heiden“ bzw. die „Heilszeit der Völker“. Lavan in unserer Geschichte offenbart das Geheimnis des Allmächtigen: V26) „Es ist bei uns nicht üblich, dass man die Jüngere vor der Erstgeborenen gibt.“ Im Plan Gottes stellt die „Braut aus den Völkern“ (das ist, wenn wir so wollen die „Gemeinde“ oder „Kirche“) dar. Dieses Geheimnis lüftete bereits Paulus in seinem Brief an die Römer 11, 11 – 12)„…Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen. Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt (= Nationen) ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!“
Paulus als Missionar oder Gesandter (Apostel) zu den Nicht-Juden offenbart in seinem Brief hier ein geistliches Geheimnis: Israel bzw. das jüdische Volk ist für eine gewisse Zeit „blind“ gemacht worden im Hinblick auf die Erkenntnis zum Messias, solange bis die „Vollzahl der Nationen eingegangen ist“.
Rachel – רָחֵל – dieser Name bedeutet in der hebräischen Sprache „Mutterschaf“. Ein Mutterschaf ist erkoren viele Lämmer in die Welt zu bringen. So war auch Israel als Volk berufen viele geistliche Früchte hervorzubringen.
V31) „… Rachel aber war unfruchtbar.“
Weiter sehen wir hier in der Erzählung den geistlichen Kampf der beiden Frauen Ja’akovs.
Die eine geliebt, und eigentlich erkoren, viel Frucht in die Welt zu bringen, und doch war Rachel unfruchtbar. Die andere „nicht geliebt“ von Ja’akov, für die er eigentlich auch gar nicht gearbeitet hat. Und doch bekam er diese zur Frau. Jeschua arbeitete für sein Volk Israel, aber die große Ernte war unter den Nationen. Eine Vielzahl von Menschen haben den Messias Israel im Glauben angenommen. Das ist bis heute so. Verborgen im Plan des Allmächtigen war es, dass zuerst die Nationen = Lea an der Reihe waren. Fakt ist der, dass Ja’akov in der Zeit der Hochzeit beide Schwestern bekam, aber er musste um Rachel noch einmal sieben Jahre arbeiten. Das ist das Geheimnis im Plans JaHs. Bis zum Ende der Zeiten, wenn ganz Israel, also das ganze jüdische Volk an seinen Messias gläubig werden wird.
Lea (= die Nationen) war fruchtbar, sie gebar dem Ja’akov viele Kinder, während Rachel (das jüdische Volk) unfruchtbar blieb. Doch am Ende wurde auch Rachel schwanger. Sie nannte ihren Sohn „Josef“ (= „hinzufügen“), mit der Bitte, der Allmächtige möge ihr noch einen Sohn schenken. „Josef“ ist auch wiederum ein prophetisches Bild im Heilsplan des Allmächtigen auf den Messias. Das werden wir in den kommenden Paraschot miteinander betrachten.
Aber hier wollen wir in diesem prophetischen Bild gesprochen festhalten: Rachel (= Israel, das jüdische Volk) war vom Ewigen am Berg Sinaj dazu erkoren viel Frucht zu bringen. Ihr Name „Mutterschaft“ sagt dies aus. Trotzdem aber blieb ihr Mutterschoss verschlossen. Doch schließlich bringt sie einen Sohn hervor: Josef. Prophetisch gesprochen, hat Israel, das jüdische Volk, der Welt den Messias hervorgebracht. Hier beende ich diese Auslegung.
Habt einen gesegneten Schababt!
