Das Geheimnis des achten Tages
Ergänzende Betrachtung zum „Geheimnis des achten Tages“ im Buch von Jonathan Cahn: Der Lehrer und sein Schüler – 365 Glaubensgeheimnisse, Abschnitt 89. Hier wird auf die Anweisung zum Feiern des Festes der Hütten (Laubhüttenfest) in 3 Mos 23.34-43 hingewiesen. Obwohl betont wird, dass das Fest sieben Tage lang gefeiert werden soll, wird doch vom achten Tag als eigentlichem Sabbat-Abschlusstag gesprochen (V36,39).
Vorbemerkung: Gott hat Sein Wort siebenfach geseigert (Ps 12.7), d. h. ER ließ es sieben Läuterungsstufen durchlaufen, bevor ER es uns als Sein Wort übermittelt hat. Von daher ist auszuschließen, dass ER bei den für Sein Wort von IHM ausgewählten Grundsprachen keine klare Wortordnung eingehalten hat. ER will also, wenn ER zwei verschiedene Wortstämme der Grundtextsprache in Seinem Wort gebraucht, nie mit beiden Wortstämmen dasselbe ausdrücken, sondern immer etwas Unterschiedliches. Anderfalls wäre Sein Wort kein klarer und verlässlicher Grund mehr, wäre zumindest in Unterbereichen verschwommen und beliebig auslegbar.
- Die Übersetzung des hebräischen Begriffes ÃZä´RäT
In der o. g. Betrachung über das Geheimnis des achten Tages hat die Übersetzung des in 3 Mos 23.36 gebrauchten hebräischen Wortes ÃZä´RäT eine entscheidende Bedeutung und wird dort mit Sammlung übersetzt.
Die zu diesem Wort gehörige hebräische Wortwurzel setzt sich aus den Buchstaben ÃZR zusammen. Im hebräischen Grundtext wird ihr stellenweise noch ein T oder H angehängt. Anhand einer Grundtextkonkordanz ist gut erkennbar, dass diese Wortfamilie die Bedeutung Einhalten hat. Als Sarah beispielweise erkannte, dass Gott ihr Schwangerwerden verhinderte, drückte sie das mit den Worten aus: Gott hielt mich ein, (weg) vom Gebären (1 Mos 16.2). Ein Gefangener wird „Eingehaltener“ genannt (Jer 33.1).
Wenn der Wortwurzel ÃZR noch ein T angehängt wird, erhält man die o. g. Form ÃZä´RäT, die wörlicher mit Enthaltsamkeits(tag /-zeit) übersetzt werden kann, weil Enthalsamkeit in einem Sich-selbst-Einhalten besteht. Mit diesem Begriff ist also allgemein eine Haltung angesprochen, die sich von bestimmten Dingen enthält, d. h. einhält i. S. v. abhält. Das ist für das Verständnis dieses Textabschnittes von besonderer Wichtigkeit. Dieser Begriff wird im gleichen Zusammenhang auch noch in 4 Mos 29.35, Neh 8.18 und in 2. Worte der Tage (Chronika) 7.9 genannt.
Wird der Wortwurzel ÃZR ein H angehängt, entsteht ÃZaRa´H mit der Bedeutung Enthaltsamkeits-(treffen), z. B. in Joel 1.14 und 2.15. Auch an diesen Stellen steht Enthaltsamkeit im Vordergrund, was aus dem hier im direkten Zusammenhang angeführten Fasten erkennbar ist.
- Die biblische Bedeutung des Festes der Hütten
Das Fest der Hütten (Laubhüttenfest) ist das letzte der drei großen Feste, die JHWH seinem Volk gegeben hat. Es ist als Erntedankfest ein siebentägiges Fest der Freude (3 Mos 23.40). Die ausdrückliche Betonung der Freude an diesem Fest wird auch in 5 Mos 16.14,15 hervorgehoben.
Im Gegensatz zum ebenfalls sieben Tage dauernden Passahfest wird für das Fest der Hütten aber nicht der 1. und 7. Tag als Tag der Versammlung (wörtlich: Herausgerufenes des Heiligen) genannt (3 Mos 23.5-8), im Sinne eines Sabbats (3 Mos 23.3), sondern der 1. und 8. Tag, obwohl es ausdrücklich als ein siebentägiges Fest bezeichnet wird (3 Mos 23.34,39-41). Der achte Tag wird auch noch Enthaltsamkeitstag genannt.
- Der siebte Tag des Passahfestes
Auch der siebte Tag des Passahfestes ist nach 5 Mos 16.8 ein Enthaltsamkeitstag. Vermutlich soll er als Anregung dienen, beim Abschluss dieses Fest der Bedeutung des Sich-Enthaltens von falscher Verbindung mit den Feinden des Volkes Gottes gewahr zu werden, die sie so schwer unterdrückt hatten (2 Mos 1.14; 3.7), um dieser Tatsache auch weiterhin die notwendige Beachtung zu geben (vgl. 1Petr 2.11).
- Der achte Tag des Laubhüttenfestes
Beim Fest der Hütten fällt aber eine ganz besondere Anweisung auf: Obwohl einerseits die 7-tägige Dauer des Festes betont wird, und von daher der 7. Tag als Ruhetag zu erwarten wäre, der dann die Bezeichnung Sabbat erhält, wird hier der 1. und der 8. Tag als Sabbat bezeichnet. Der 7. Tag des Festes der Hütten wird damit als eher normaler Festtag und nicht als Sabbat eingestuft. Was will der himmlische Vater mit diesem 8. Tag als Sabbat zum Ausdruck bringen, der über das eigentlich nur sieben Tage währende Dankesfest für den Fruchtertrag eines Jahres hinausgeht? Und warum soll dieser Tag zugleich ein Enthaltsamkeitstag sein?
- Die Bedeutung der Sieben und der Acht in Gottes Wort
Vom Schöpfungsbericht her ist gut bekannt, dass Gott den siebten Tag als Ruhetag, nach getaner Arbeit, eingesetzt hat. Die Sieben ist von daher mit dem Eingehen in die Ruhe, nach Abschluss unserer Tagesarbeit verbunden. Dieser Abschluss stellt zugleich den Übergang zur Acht dar, der als achter Tag zugleich Neubeginn einer Arbeitswoche ist. Als neuer Arbeitsbeginn ist dieser Tag dann aber natürlich kein Sabbat mehr.
Folgende zwei Beispiele machen deutlich, dass biblisch mit der Acht ein Neubeginn angezeigt wird:
Der Eintritt in den Bund mit Gott erfolgte grundsätzlich durch Beschneidung am achten Tag (1 Mos 17.12).
Ein Neubeginn durch Herstellung eines Ausgleichs erfolgt am besten mit etwas Achtfältigem (Pred 11.2). Ein
Ausglcich beseitigt ein bestehendes Ungleichgewicht, und weist auf einen Neuanfang auf höherer Ebene hin,
weil mit ihm dem Bösen, als einer Art von Unausgeglichenheit, auf dieser Welt entgegengewirkt werden kann.
(Weitergehende Erläuterungen zur biblischen Zahlensymbolik der Sieben und Acht finden sich in „Semantik des biblischen Hebräisch“, 2. Ausgabe von F. H. Baader, Seite 200 – 203, 215 – 224.)
- Der Neubeginn des achten Tages als Sabbat
Während mit der Acht normalerweise ein Neubeginn unserer Arbeitswoche stattfindet, wird im o. g. Textzusammenhang von 3 Mos 23.34-43 von einem achten Tag als Sabbat gesprochen, an dem nicht Arbeit sondern Ruhen im Vordergrund stehen soll. Wenn es also nicht um den Neubeginn unserer Arbeit geht, der sonst im Gegensatz zu Sabbatruhe steht, was will Gott dann mit diesem Tag als Neubeginn zum Ausdruck bringen?
Um dem Herrn wohlzugefallen, ist es entscheidend, umfassend die verschiedenen Wege des Herrn zu kennen, die ER zur Erreichung Seiner Ziele geht, damit wir eventuell auch einen anderen Weg, den ER speziell für Sein Volk ersehen hat, erfassen und dann auch gehen können (Heb 3.10,11).
In Hebräer 4.9,10 wird von einem solchen anderen Weg gesprochen, einer verheißenen Sabbatruhe, die mit einem Zurruhekommen von eigenen Gewirkten (Werken) verbunden ist. Aus Hebr. 3.12 und 4.2ff geht hervor, dass dieser andere Weg ein Weg der Vertrauenstreue, d. h. des treuen Festhaltens an Seinen Zusagen ist.
- Die Notwendigkeit einer Sabbatruhe ganz anderer Art
Israel hatte beim Durchzug durch die Wildnis vielfach die Rettungen ihres Gottes erfahren. Aber diese vielfältigen, außerordentlich großen Erfahrungen konnten sie nicht in eine so tiefe Vertrauensebene hineinführen, in der sie Ihrem Gott vertrauen konnten, auch wenn die Erfahrungen ganz dagegen zu sprechen scheinen. Deshalb verhärteten sie immer wieder ihre Herzen und brachten damit (mehr oder weniger bewusst) zum Ausdruck, dass ihr Gott doch nicht eines tieferen Vertrauens würdig ist, sonst würde er sie nicht so „schlechte“ Wege durch viel Drängnisse und Nöte führen (Hebr 3.7-10).
Ihr Vertrauensmaßstab war von ihren natürlichen, menschlichen Erfahrungen geprägt, den sie auch an ihren Gott anlegten: Wenn ich alles getan habe, was ER von mir will, dann „muss“ ER sich dementsprechend mir gegenüber verhalten, d. h. mir das Gewünschte, dessen Erfüllung ER ja zugesagt hat, auch geben.
Dieser Vertrauensmaßstab ist nicht grundsätzlich falsch, aber zu kurzsichtig. Er geht davon aus, dass ich beurteilen kann, ob ich alles, was ER von mir will, getan habe und dass ich voll verstanden habe, was ER mir versprochen hat, zu geben. Und weil ER aber nicht gemäß diesem von mir erkannten Maßstab handelt, meine ich, mehr oder weniger bewusst, berechtigt zu sein, IHM deshalb ein tieferes Vertrauen vorzuenthalten.
Dieses mangelnde Vertrauen bringt in eine innere Unruhe bzw. Auflehnung hinein, weil dieser Gott, dem ich doch vertraut habe, scheinbar nicht das tut, was ER zugesagt hat. Innere Unruhe steht aber im Gegensatz zu der von Gott angestrebten Sabbatruhe, in welche ich, infolge von Dankbarkeit über das gegebene Gelingen, beruhigt eingehen kann. In dieser Unruhehaltung kann ich zwar äußerlich treu die Sabbatruhe einhalten, bin aber, in innerer Auflehnung und Unruhe, trotzdem weit von den eigentlichen Zielen Gottes entfernt.
Ein tieferes Vertrauen aufzubringen, das bestehen bleibt, auch wenn Gott uns nicht die gewünschten Wege führt, ist dem natürlichen, seelisch geprägten Menschen, nicht möglich, weil es ihm nicht möglich ist, die Wege Gottes bzw. Seines Geistes tiefer zu erfassen (1Kor 2.14). Dies wird deutlich an den Pharisäern erkennbar, die in der Befolgung des Gesetzes Gottes sehr bemüht waren, für die es aber, trotz der vielen durch Jesus geschehenen Zeichen, nicht möglich war, dadurch in eine tiefere Vertrauensebene zu Ihm hineinzukommen. Sie meinten, dass ihr mangelndes Vertrauen zu Jesus daran läge, dass die von ihm gewirkten Zeichen noch nicht überzeugend genug seien und erbaten deshalb ein Zeichen vom Himmel (Mark 8.11,12). Diese Bitte wurde ihnen aber nicht von Jesus erfüllt, weil dadurch ihr Grundproblem nicht gelöst worden wäre.
Weil Gottes Wege immer höher sind, als unsere Wege (Jes 55.8f), ist das Kommen in eine tiefere Vertrauensbeziehung zu IHM, das Eingehen in eine Sabbatruhe höherer Art erforderlich, damit wir über Seinen höheren Wegen nicht in Unruhe und Auflehnung geraten, wie es Seinem Volk immer wieder geschah.
- Das Grundproblem des bösen Herzens des Untreuns (Unglaubens)
Das Grundproblem in Bezug auf unsere Beziehung zu einem nicht sichtbaren Gott wird in Hebräer 3.12 genannt: ein böses Herz des Untreuns. Gegenüber den so anziehenden Angeboten der Sichtbarkeit ist es dem natürlichen Menschen unmöglich, die Anforderungen eines unsichtbaren Gottes vorzuziehen, weil diese ihm zu hoch erscheinen.
Aber auch Gläubige unterliegen sehr leicht der Täuschung, zu meinen, dass sie durch positive Erfahrungen mit Gott „automatisch“ in eine tiefere Vertrauensbeziehung zu IHM kommen. Deshalb muss Paulos sie in Hebräer 3.12 direkt auffordern, darauf zu achten, dass sie die große Gefahr der Grundbeschaffenheit ihres „bösen“ Herzens, das so leicht von den verlockenden Angebote der Welt angezogen wird, nicht außer Acht lassen, sondern sich bewusst davor hüten, in eine von Gott abgewandte Stellung des Untreuns hineinzugeraten.
- Die Bedeutung des biblischen Wortes für Böse
Trotzdem erscheint die Beurteilung, ein böses Herz des Untreuns zu haben, vielen Gläubigen zu hart, weil sie doch dem Herr ernsthaft nachfolgen wollen. Auch die Israeliten meinten, dass sie ihrem Gott, dem sie doch die Befreiung aus der Sklaverei verdankten, schon aus Dankbarkeit ernsthaft nachfolgen wollen. Sie hatten „nur“
Probleme damit, dass dieser Gott die Anforderungen des Vertrauens für sie offenbar doch zu hoch ansetzte!
Hier ist es hilfreich zu wissen, dass die biblische Bedeutung des Begriffes für Böse weiter ist, als im Deutschen. Mit Böse wird nicht in erster Linie ein verwerfliches Handeln bezeichnet, sondern sondern ein Abgewendetsein von Gott. Das ist besonders aus Jer 2.19,20 erkennbar, aber auch aus 5 Mos 13.3,6. Im weiteren Sinn ist Böse aber auch alles, was vom Leben wegführt (Am 5.14): Hunger (Hes 5.16), Gebrechen (5M15.21) und alles Geteiltsein, i. S. v. unlauter sein, das vom Licht des Lebens wegführt (Luk 11.34).
Nur die schon unter Punkt 7 angesprochene Notwendigkeit einer tieferen Vertrauensbeziehung zu Gott kann davor bewahren, dass Gläubige angesichts verlockender Angebote oder bedrängender Gefahren der Sichtbarkeit, nicht doch in eine beginnende, von Gott abgewendete Herzensstellung hineingeraten. Deshalb wird in Heb 3.12 selbst Gläubigen nahegelegt, auf diese, durch das böse Herz des Untreuns gegebene Gefahr, zu achten.
- Die Lösung des Grundproblems des bösen Herzens des Untreuns (Unglaubens)
Dieses Grundproblem unseres Herzens ist letztlich nur unter zwei Voraussetzungen lösbar:
- wenn der Vater unser Herz zu Jesus zieht (Joh 6.44)
- wenn unser Herz in dieses Gezogenwerden einwilligt und es bewusst mitvollzieht (Phil 2.12,13)
Das Untreun unseres Herzens kann nur überwunden werden, indem wir so von den Aussagen Seines Wortes angezogen werden, dass wir sie uns nicht nur stets vor Augen halten, sondern sie auch als Tatsache übernehmen und von daher Schritte des Glaubens vollziehen. Konkret bedeutet das bzgl. Punkt a), dass wir uns z. B. an die Zusage Jesu halten: Bittet, und es wird euch gegeben werden (Math 7.7). Wenn wir also unser Grundproblem, dem Vater nicht vertrauen zu können, erkannt haben, dürfen wir den Vater bitten: ziehe mein Herz zu Jesus. Wenn wir uns dann an Seine Zusage halten, dass diese Bitte uns gegeben wird, dürfen wir wissen, dass ER diese Bitte schon erhört hat. Ich darf also bereits davon ausgehen, dass Er unser Herz zu Jesus, als dem lebenden Wort, zieht. Daraus folgt die Konsequenz des Punktes b), dass ich von diesem In-Sein-Wort-Gezogensein dankend ausgehe und dieses Wort bewusst und hörend aufnehme und tue.
- Die praktischen Glaubensschritte, das Untreun unseres Herzens zu überwinden
So wie Petrus im Vertrauen auf den Zuruf Jesu hin auf das Wasser trat und darauf gehen konnte (Math 14.28f), so dürfen auch wir als nächsten Glaubensschritt jedes Seiner Worte, das ER uns vor Augen stellt, konkret in jeder Lebenssituation als Zusage und Zielanweisung nehmen und dann diesen daraus erkannten Willen tun.
Wenn ich dazu in mir zunächst kein Vertrauen spüre, darf ich trotzdem davon ausgehen, dass ER es mir schon ins Herz gegeben hat, weil die Bitte um ein IHM zugeneigtes Herz gemäß Seinem Wille war (1Joh 5.14f). Diese Überzeugung ermutigt mich, bewusst alle weiteren, erkannten Glaubensschritte im Vertrauen zu vollziehen.
- Die Vorschattung dieser Glaubensschritte im Alten Bund
Der Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer und durch den Jordan ist hierzu ein anschauliches Vorbild. Beim Durchzug durch das Rote Meer sahen sie zuvor, wie ein starker Ostwind das Meer spaltete und den Meeresboden trocknete, sodass sie trockenen Fußes durchziehen konnten (2Mos 14.21,29).
Beim Durchzug durch den Jordan tauchten die Füße der Priester noch ins Wasser. Das Volk hatte also einen sichtbaren „Beweis“, dass ein Durchzug nicht möglich war (Jos 3.15)! Aber die Füße der Priester trugen die Lade mit den zehn Worten des Bundes (2Mos 34.28), als Darstellung Seines ganzen Wortes. Auch wenn ihre Füße also zunächst doch noch im Wasser standen, erwies sich das Wort, das sie trugen, als die größere Wahrheit, denn die Wasser des Jordan wurden daraufhin weit oberhalb des Volkes abgeschnitten und das Volk merkte nach und nach, dass die Wasser weniger wurden und so also trotzdem der Durchzug ermöglicht wurde. Zur Beruhigung des Volkes standen die Priester schliesslich inmitten des Flußbettes mit den zehn Worten der Lade als Garantie, dass auch das ganze Volk jetzt durchziehen kann, selbst wenn die Füße des Volkes vielleicht noch in kleinere Pfützen als Wasserüberreste zu treten hatten (Jos 3.16f), ihre Füße also vielleicht nicht ganz so trocken blieben, wie beim vorhergenden Durchzug durch das Rote Meer.
Diese Vorschattung zeigt auf: Die Priester zogen als Glaubende voran, ihre Füße wurden zunächst noch nass, aber sie trugen die Worte Seines Bundes mit sich, und im Vertrauen darauf blieben sie im Wasser stehen, bis ER den Weg für den Durchzug weiter bahnte und die Wasser zurückweichen mussten.
- Der achte Tag nach dem Laubhüttenfest als Sabbat
Streng genommen gehört dieser achte Tag nicht mehr zum Laubhüttenfest, weil dieses ja nur sieben Tage dauert. Trotzdem ist er mit diesem Dankesfest engstens verbunden. Als achter Tag weist er nicht mehr auf den Neubeginn der normalen Arbeit hin, in der ich meine aufgetragenen Aufgaben zu erfüllen habe, sondern auf einen Neubeginn höherer Art (Hebr 4.9f), bei dem nicht mehr ich und die Bewältigung meiner Aufgaben im Vordergrund stehe, sondern ein Zur-Ruhe-Kommen auf höherer Ebene. Ich darf ganz vom eigenen Wirken zu Ruhe kommen, um tiefer zu erfassen, dass ER für mich die Befähigung erwirkt hat, Seine Aufgaben, die ER mir gegeben hat, zu erfüllen, was letztlich bedeutet, in Neuheit des Lebens zu wandeln (Röm 6.2-4).
- Der achte Tag des Laubhüttenfestes als Enthaltsamkeitstag
Als Mose dem Volk die Worte des Bundes Gottes vorlas, war ihre, auf menschlicher Ebene ganz normale, richtige Antwort: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun und hören (2Mos 24.7). Aber schon bald mussten sie erkennen, dass sie dazu überhaupt nicht fähig sind. Um diese Erkenntnis aber noch tiefer zu erfassen, musste ihnen ihr Gott den verheißenen Einzug in das verheißene Land zunächst vorenthalten (4Mos 14.22f). Aber auch der 40 Jahre spätere Einzug brachte noch nicht die eigentliche Wende, die in Ps.95.7-11 schon angedeutet wird, aber erst in Heb 4.9f in seiner tieferen Konsequenz klar zum Ausdruck kommt.
Auch heute ist die richtige Antwort aller Gläubigen auf das Hören Seines Wortes, dass auch wir, wie damals das Volk Israel, von Herzen sagen: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun und hören. Was fehlt uns dabei aber trotzdem noch? Warum hat Gott auch für uns noch eine Sabbatruhe höherer Art verheißen?
Hier kommt voll zum Tragen, dass dieser achte Tag auch als Enthaltsamkeitstag eingestuft wird, weil er mit einem Sich-Enthalten i. S. v. Zur-Ruhe-Kommen von eigenen Werken verbunden ist. Wie hängt unser Tun des Willens Gottes mit dieser Enthaltsamkeit zusammen?
Die Beschaffenheit unseres Herzens wird anschaulich durch die Zustände in den Zeiten der DDR dargestellt: Berlin war durch eine Mauer in das vom Westen geprägte Westberlin und in das vom gott-losen, kommunistischen System geprägte Ostberlin geteilt. Nach dem Fall der Mauer und des kommunistischen Systems mussten die Menschen dort lernen, zu erfassen, was das nun für sie bedeutet. Die Gefahr war groß, das Gepräge ihres alten Systems automatisch in die neue Freiheit zu übertragen. Um dieser Gefahr zu widerstehen, war erforderlich, sich ihrer bewusst zu sein und sich dieser alten Prägung bewusst zu enthalten. Dazu mussten sie im Denken immer wieder bewusst einhalten i. S. v. sich-abhalten, nach dem alten Schema zu denken, um neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten zu erfassen, die ihrem eigentlichen Wesen viel eher entsprechen.
- Der Enthaltsamkeitstag als Zur-Ruhe-Kommen von eigenen Werken
Gläubige, die es besonders ernst mit der Nachfolge meinen, stehen auch besonders in der Gefahr, wie die Israeliten voll Überzeugung zu sagen: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun, ohne sich der Notwendigkeit genügend bewusst zu sein, sich von ihrem alten Gepräge des Denkens und Handelns zu enthalten, um das neue Denken und Handeln Christi, der doch in ihnen lebt, anzuziehen.
Dieses alte Gepräge zeigt sich z. B. in Formulierungen wie: „Ich habe es noch nicht genug geschafft, das Denken des Herrn mehr zu übernehmen … Ich muss noch konsequenter sein im …“
Der neue Mensch beginnt aber langsam zu erfassen, was es bedeutet, aus Gott erworden (geboren) zu sein (1Joh 5.1) und dass dieser neue Mensch nicht mehr zu verfehlen (sündigen) vermag (1Joh 3.9)! Für den neuen Menschen geht es also nicht mehr darum, etwas im o. g. Sinn, d. h. in eigener Kraft, zu schaffen. Beim neuen Menschen geht es jetzt „nur“ noch darum, die von Gott in Gnade gewirkte Realität von Gal 2.20, dass nicht
mehr ich lebe, sondern Christus in mir lebt, tiefer zu erfassen und sie dann nach und nach auch anzuwenden.
Wenn ich also vor einer mir unlösbar ercheinenden Aufgabe stehe, z. B. einem bösen Menschen Liebe zu erweisen, und mir bewusst wird, dass ich das nicht vermag, dann darf sofort das Wissen einsetzen: aber der Christus in mir, der vermag es! Und im Vertrauen auf diese Tatsache darf ich Liebe erzeigen, auch wenn ich sie nicht in mir verspüre. Das ist dann keine eigene Leistung mehr, sondern ein treundes (glaubendes) Übernehmen der von Gott in Seinem Sohn in Gnade gewirkten Tatsache, dass nicht mehr ich, sondern Christus in mir lebt.
Dieses Übernehmen der von Gott gewirkten Gnade fällt aber dem noch mehr von seinem alten Menschen her geprägten Treunden (Gläubigen) schwer, weil es ein bewusstes Sich-Enthalten vom Schema des alten Menschen bedeutet (Röm 12.2) und ein neues, von Seinem Wort her tiefer geprägtes Denken erfordert, um die neue, von Gott in Christo geschaffene Realität zu übernehmen und dankend anzuwenden.
- Das Kommen in Seine Sabbatruhe
Je mehr ich eingeübt bin, diese neue Tatsache zu erfassen und anzuwenden, dass Christus in mir lebt, und nicht mehr ich, umso mehr bin ich in Seiner Sabbatruhe angekommen. Dann können mich Gedanken nicht mehr beunruhigen, die mir einreden wollen, dass ich mich nicht ernst genug bemüht habe, oder dass ich das nicht schaffe. Für das Tun des Willens Gottes gibt ER Seinem Christus, der in mir lebt, immer genügend Vermögen. Wenn für etwas kein Vermögen da ist, dann ist es auch nicht Sein Wille, das jetzt zu tun! So erfüllt sich in noch umfassenderem Sinne die Aussage in Epheser 2.14: ER ist unser Friede.
Wenn wir wirklich mit dem Christus in uns eins geworden sind, bringt uns diese Haltung in keine falsche Bequemlichkeit, sondern dann ist unser einziges Verlangen und Bestreben, weiter Seinen Willen noch besser zu erkennen und zu tun.
So wird unser Leben und Wandel immer tiefer geprägt von Seinem Frieden, Seiner Gnade, Freude und Ruhe. In 5Mos 16.14f wird für das Fest der Hütten als Dankfest besonders die Freude hervorgehoben. Im Hellenischen
(Griechischen) hängt die Wortwurzel von Gnade und Freude eng zusammen, Gnade ist eine Befreudung. Für die Treunden ist von daher die Freude über das Eingehen in Seine Sabbatruhe engstens mit der Gnade verbunden, die uns diese Be-
freudung durch das unauserzählbare Gnaden-Geschenk des Vaters in Seinem Sohn gewirkt hat (2 Kor 9.15).
Das Geheimnis des achten Tages ist Hinweis auf das Geheimnis Christi, als dem entscheidenden, alles bisherige weit überragenden Neuanfang gemäß Eph 3.(2-)6. Mit IHM dürfen wir Einsgemachte sein, sowohl in Seiner Sabbatruhe als auch in Seinen Berufungen und Aufgaben. Dieses Einsgemachtsein mit IHM ist krönender Freuden-Abschluss des Dankfestes, weil wir in alle durch Christus erwirkten Fruchterträge Seines Opfertodes mit eingehen dürfen, weil wir selbst ein Gleid an Seinem Leib geworden sind.
Hans-Jürgen Grieser 26.12.2025 (19149)
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