Parascha ‚bo‘ – בֹּא = „komm“
Parascha ‚bo‘ – בֹּא = „komm“ – 2. Mo. 10, 1 – 13, 16;
1 Danach sprach der Ewige zu Mosche: „Komm/geh – בא bo zum Phar‘o hinein: Ich habe sowohl sein Herz als auch das Herz seiner Bediensteten verstockt – הִכְבַּדְתִּי hichbadeti (wörtl. „schwer gemacht“), damit ich diese meine Wunderzeichen – אֹתֹתַי ototaj mitten unter ihnen verrichte.
Zunächst wieder eine kurze Übersicht der Themen unserer Tora-Lesung:
Kp. 10 – 8. und 9. maka / Plage
8. maka (Plage) – Heuschrecken אַרְבֶּה arbe
- Mosche warnte; Pharao bot eine Teil‑Freilassung an;
- Heuschrecken verwüsteten das Land; Pharao bat um Aufhebung;
9. maka (Plage) – Finsternis חֹשֶׁךְ choschech
- drei Tage totale Dunkelheit, doch Israel hatte Licht;
- Pharao bot erneut eine Teil‑Freilassung an; der Konflikt eskalierte weiter;
Kp. 11 – Ankündigung der 10. maka (Plage): Tod der Erstgeborenen מַכַּת בְּכוֹרוֹת makat-bechorim
- Elohim kündigte das letzte Strafgericht an;
- Israel sollte sich auf den Auszug vorbereiten;
- die Ägypter gaben Israel Silber und Gold;
- Mosche kündigte Pharao das kommende Strafgericht an;
Kp. 12 – Pessach & Auszug
- der Monat Nissan wurde zum ersten Monat erklärt;
- Pessach‑Lamm: Auswahl am 10., Schlachtung am 14., Blut an die Türpfosten gestrichen;
- Nacht des Gerichts: Erstgeborene Ägyptens starben, Israel wurde verschont;
- endlich liess Pharao das Volk Israel ziehen; Auszug in Eile: deswegen ungesäuerte Brot = mazzot;
- ein zahlreiches Volk zog aus Ägypten in die Wüste hinaus, begleitet von einem Mischvolk;
Kp. 13, 1-16 – Heiligung der Erstgeborenen und Erinnerung an den Auszug
- die Heiligung der Erstgeborenen: Jeder Erstgeborene gehört Elohim; spätere Auslösungspflicht;
- das ‚Fest der Mazzot‘: Sieben Tage ungesäuertes Brot essen als Erinnerung an den Auszug;
- Zeichen an Hand und Stirn: Die Ereignisse des Auszugs sollen Israel dauerhaft prägen (frühe Tefillin‑Symbolik);
- Elohim führte Israel stark heraus: Erinnerung an die Macht des Almächtigen als Grundlage der Gebote: Wolke am Tag; Feuer in der Nacht;
Wir wollen diesmal einige bedeutende hebräische Worte betrachten, die in unserer Lesung vorkommen.
Pessach ist eines der zentralen Ereignisse der Hebräischen Bibel. Es markiert nicht nur den Auszug aus Ägypten, sondern definiert Israels Identität und beschreibt auch den Charakter Elohims und gibt die Struktur für den gesamten biblischen Kalender. Der Schlüssel zum Verständnis liegt im hebräischen Verb פָּסַח – passach, das mehr bedeutet als „vorübergehen“.
פָּסַח – passach beinhaltet Schutz und nicht nur ein Überspringen oder Vorbeigehen des Engels Elohims;
In 2. Mose 12 wurde das Blut des Lammes zum „ot“ (=„Zeichen“) an die Türpfosten gestrichen. Dann wurde im Vers 13 von Elohim ausgesagt:
„Ich werde über euch passachti – “, V13
uFassachti alechem וּפָסַחְתִּי עֲלֵכֶם
= “ich werde über euch schützend sein, oder schützend vorübergehen”
Traditionell wird das als „überspringen, übergehen“ übersetzt. Doch das hebräische Verb hat eine tiefere Bedeutung:
- passach bedeutetnicht nur „vorübergehen“, sondern „schützend darüberstehen“, behüten, bewachen oder man kann es auch mit „sich schützend positionieren“ übersetzen.
Diese Bedeutung wird besonders klar in Jesaja 31, 5. Diese Stelle werden wir ganz genau miteinander beleuchten.
V5) Gleich fliegenden (Eltern-)Vögeln [über ihren Nestern] so wird der Ewige der Heeresmächte Jeruschalajim beschirmen/verteidigen/beschützen: beschirmen zur Errettung, und geschützt umschirmend פָּסֹחַ passach zum Entfliehen;
ה כְּצִפֳּרִים עָפוֹת כֵּן יָגֵן יְהוָה צְבָאוֹת עַל-יְרוּשָׁלִָם גָּנוֹן וְהִצִּיל פָּסֹחַ וְהִמְלִיט:
Buber: aber wie flatternde Muttervögel, so will ER der Umscharte Jerusalem überschirmen: Überschirmend will er entreißen, überspringend will er erretten.
Tur Sinaj: Wie Vögelchen, flatternd so schirmt der Ewige der Scharen Jeruschalaim umschirmend, rettend abkreisend, bergend.
Delitzsch: „Wie Vögel, die über ihrem Nest schweben, so wird der HERR Zebaot Jerusalem beschirmen: beschirmend rettet er, verschonend befreit er.“
Die meisten deutschen Übersetzungen erkennen die vier hebräischen Verben, aber nicht alle, dass es zwei Paarverben sind, die einen typischen poetischen Doppelreim bilden: ein Gedanke, der durch den zweiten Vers mit anderen Worten sich wiederholt.
A) גָּנוֹן – הִצִּיל ganon hizil
→ Schutz + Rettung als eine Bewegung
B) פָּסֹחַ – הִמְלִיט passoach himlit
→ „überspringend – erretten“
→ zweiter Gedanke
→ Verschonen + Befreien als eine Bewegung
Das ist typisch für hebräischen Parallelismus: ein Gedanke A) wird in der zweiten Vers-Halbsatz durch Gedanken B) wiederholt.
Man könnte diesen Satz dann auch noch weiteren Inhalt geben:
„Wie schwebende Wächtervögel über [ihrem Nest],
so wird der Ewige der Heeresmächte Jerusalem behüten.
Er umschirmt es [mit seiner Gegenwart], damit er es [mit starker Hand] errettet,
er geht verschonend vorüber [wie am Tag von Pessach], um es hinaus in die Befreiung zu führen.
Somit erweitert der Vers aus Jes. 31, 5 den Gedanken vom Wort pessach: Damit können wir Pessach nicht als „Gott geht vorbei“ verstehen , sondern als „Elohim stellt sich zwischen Israel und das Gericht“.
Noch einen weiteren Gedanken möchte ich mit euch teilen:
Die Plage der Heuschrecken verbirgt ein Wortspiel im Hebräischen. Das Wort für „Heuschrecke“ lautet in hebräisch: אַרְבֶּה arbe; doch im Klang liegt eine bewusste Nähe zur Wurzel רַב rav bzw. רָבָה raba, was „viel“, „zahlreich“, „groß werden“, „sich vermehren“ bedeutet. Die Heuschrecke arbe trägt in ihrem hebräischen Namen die Vielheit. Die Plage sind die„Heuschrecken“ in ihrem Übermaß und der Überfülle.
Das war diesmal eine etwas kürzere Parascha-Auslegung, aber ich hoffe, dass diese Auslegung sich uns einprägt.
Allen Geschwistern ein Schabbat Schalom!
- Parascha ‚beMidbar‘ (= „in der Wüste“) – 4. Mo. 1 – 4; - 14. Mai 2026
- Parascha ‚beHar-ssinaj‘ בְּהַר סִינַי (=“auf dem Berg Ssinaj”) - 7. Mai 2026
- Teil 6 vom Pessach – vom 15. bis 17. Aviv - 30. April 2026

