#03 Lech Lecha – „Geh für dich!“

Lech Lecha
1. Mose 12,1-17,27
Jesaja 40,27-41,16; Johannes 8,51-58
Mit der Torahportion Lech Lecha lernen wir Abraham, den Vater unseres Glaubens (Vgl. Römer 4,16), kennen. Tatsächlich zeigen uns die Erzählungen um Abraham, wie Gott mit einem gebrochenen und ängstlichen Menschen umgeht, denn auch Abraham war ein Mensch mit vielfältigen Schwächen.
Das Problem mit der Angst
Eine bedeutende Eigenschaft Abrahams wird uns in Lech Lecha besonders gezeigt. Es ist die Angst des Patriarchen. Zwei Begebenheiten aus Abrahams Leben wollen wir uns an dieser Stelle genauer ansehen.
Die Angst vor den Ägyptern
Als Abraham auf Grund einer Hungersnot mit samt seiner Familie nach Ägypten zog, gab er seiner Frau folgende Anweisungen:
Und es geschah, als er sich Ägypten näherte, da sprach er zu seiner Frau Sarai: Sieh doch, ich weiß, dass du eine Frau von schöner Gestalt bist. Wenn dich nun die Ägypter sehen, so werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und sie werden mich töten und dich leben lassen. So sage doch, du seist meine Schwester, damit es mir um deinetwillen gut geht und meine Seele am Leben bleibt um deinetwillen! (1. Mose 12,11-13)
Offensichtlich waren Abrahams Bedenken bezüglich Sarah und seinem Leben begründet. Er muss tatsächlich Angst um sein Leben gehabt haben. Und genau diese Angst veranlasste ihn, seine Frau zu verraten und sie schutzlos den Ägyptern auszuliefern.
Was auch immer Sarah dazu bewog, dabei mitzumachen, es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Abraham seine Rolle als Oberhaupt der Familie nicht erfüllte. Seine Angst machte es ihm unmöglich, seiner göttlichen Berufung nachzukommen.
Und wie reagierte YHWH darauf?
Aber YHWH schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen um Sarais, der Frau Abrams, willen. (1. Mose 12,17)
YHWH befreite Sarah und führte das Ehepaar wieder zusammen. Auch wenn es in der Folge sicher viel Klärungsbedarf zwischen Abraham und Sarah gab, so sehen wir, dass YHWH letztlich die Schwächen seines Auserwählten kompensierte und ihn wieder auf den rechten Weg führte. Tatsächlich lesen wir nicht, dass Gott Abraham gerügt hätte. Wahrscheinlich waren die Verwerfungen innerhalb der Ehe schon erzieherische Konsequenz genug für ihn.
Die Angst vor den Kanaanitern
In einer weiteren Geschichte innerhalb der Lesung Lech Lecha erfahren wir, dass Abraham sich mutig anschickte, seinen Neffen Lot aus der Hand heidnischer Könige zu befreien (Vgl. 1. Mose 14,8-16). Doch nachdem ihm dies gelang, plagten ihn nächtliche Ängste.
YHWH reagierte auf diese, indem er ihm erschien:
Nach diesen Begebenheiten geschah es, dass das Wort YHWH’s an Abram in einer Offenbarung erging: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! (1. Mose 15,1)
Allein die Aussage Gottes „Fürchte dich nicht…“ zeigt uns, dass Abraham offensichtlich Angst hatte. Doch wovor?
Im weitere Dialog wird dies deutlich:
Abram aber sprach: O Herr, YHWH, was willst du mir geben, da ich doch kinderlos dahingehe? Und Erbe meines Hauses ist Elieser von Damaskus! Und Abram sprach weiter: Siehe, du hast mir keinen Samen[1] gegeben, und siehe, ein Knecht, der in meinem Haus geboren ist, soll mein Erbe sein! (1. Mose 15,2-3)
Dass Abraham sich ernsthaft um seinen Erben Gedanken machte und seinem himmlischen Bündnispartner vorwarf, dass er immer noch keinen eigenen Sohn hatte, wo er doch bald dahingehen würde, zeigt, dass Abraham seinen baldigen Heimgang sah.
Es sollte nicht verwundern, dass Abraham sich innerhalb seiner Nachbarschaft, bestehend aus Kanaanitern, nicht sonderlich sicher fühlte. Noch dazu hatte er sich durch seinen Feldzug zur Befreiung Lots zusätzliche Feinde gemacht. Er war nur ein Nomade, der friedlich im Land leben und kein Krieger, der es mit ganzen Königreichen aufnehmen wollte.
Seine Angst vor den stärkeren Völkern um ihn herum machte es dem Vater unseres Glaubens unmöglich, den starken Bündnispartner an seiner Seite zu erkennen. Er sah nur mit den natürlichen Augen und konnte die geistliche Dimension nicht erkennen, andernfalls wäre ihm klar gewesen, dass YHWH ihn nicht würde sterben lassen, bevor er einen Erben gezeugt haben würde.
Doch auch an diesem Punkt nahm YHWH Abraham auf und half ihm sanftmütig, seine Ängste zu überwinden.
Doch siehe, das Wort YHWH’s erging an ihn: Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der aus deinem Leib hervorgehen wird, der soll dein Erbe sein! Und er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein! (1. Mose 15,4-5)
Angst treibt die Liebe aus – Liebe treibt die Angst aus
Angst und Liebe sind die beiden Kräfte, die sich immer gegenüber stehen. Die eine kann in der Gegenwart der anderen nicht bestehen.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. (1. Johannes 4,18)
Die Kraft der Liebe hilft uns, zu glauben, zu hoffen, zu erdulden oder zu vergeben (Vgl. 1. Korinther 13,4-7). Wenn wir in Angst leben, fehlen uns hingegen all diese Eigenschaften. Sind wir ängstlich, haben wir unsere Verbindung zum Himmel verloren.
Doch Lech Lecha lehrt uns, dass YHWH darum bemüht ist, diese Verbindung wiederherzustellen. Und das bedeutet für uns, dass wir jederzeit mit all unseren Ängsten an ihn herantreten und uns auf seine Hilfe verlassen dürfen.
Gerade in Zeiten der Drangsal sollten wir uns daran erinnern und diese Wahrheit in unserem Leben anwenden. YHWH ist immer für uns und wird uns auch dann helfen, wenn wir uns besonders weit von ihm und seinen Verheißungen entfernt fühlen.
Danke Jeschua für deine Liebe und Geduld mit uns!
Bildquelle: Sweet Publishing / FreeBibleimages.org
(Creative-Commons-Lizenz)
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