Parascha ‚chukat‘ = „Satzung“ – 4. Mo. 19, 1-22,1;

die in der Wüste von giftigen Schlangen Gebissenen, weil sie im Unglauben gegen Mosche klagte, sollen auf ein Wunderbanner mit dem Bildnis einer kupfernen Schlange schauen, um Genesung zu erlangen
V1) Da redete der Ewige zu Mosche und zu Aharon sprechend:
V2) Dies ist eine Satzung der Tora – הַתּוֹרָה חֻקַּת חֻקַּת chukat-haTora, die der Ewige aufgetragen hat, als er sprach: Sage den Kindern Israel, dass sie dir eine rote Kuh bringen, die (gänzlich) ohne Fehler – תְּמִימָה tmima ist, an der es kein Gebrechen – מוּם mum gibt und auf die kein Joch gekommen ist.
kurzer Überblick zur Tora-Lesung:
Kp. 19:
- Einführung in das Ritual der roten Kuh פָּרָה אֲדֻמָּה para aduma; ihre Asche wurde zur Entreinigung von ritueller Unreinheit verwendet;
- es wird eine detaillierte Anweisung für die Herstellung und Verwendung der Asche der roten Kuh beschrieben;
Kp. 20:
- der Tod Mirjams – מִרְיָם mit einer darauffolgenden Wasserkrise;
- Mosche – מֹשֶׁה (Moses) und Aharon אַהֲרֹן (Aaron) schlugen den Felsen, um Wasser zu erhalten. Weil sie jedoch in Eigenmächtigkeit gehandelt haben, führte dies für beide zur Bestrafung: sie durften nicht ins verheißene Land einziehen;
- der Tod Aharons und die Übergabe seines Amtes an seinen Sohn El‘asar אֶלְעָזָר;
Kp. 21:
- es folgten verschiedene Kriege und Siege der Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste;
- die Episode mit den feurigen/giftigen Schlangen und das Bildnis einer bronzenen Schlange נְחֹשֶׁת נְחַשׁ nechasch nechoschet zur Heilung der Gebissenen;
- es folgt die Beschreibung weiterer Kämpfe und Eroberungen, einschließlich der Siege über die Könige Sichon und Og;
Wir werden uns in dieser Parascha auf den Vorfall mit den feurigen Schlangen in der Wüste näher beschäftigen, der uns in 4. Mo. 21, 4-9 beschrieben wird:
V4) Sie marschierten jetzt vom Berg Hor הָר los, der am Weg zum Schilfmeer gelegen ist. Sie wollten [auf diese Weise] das Land Edom umgehen. [Unterdessen] wurde das Volk aber auf dem Wege ungeduldig.
V5) [Deswegen] redete das Volk gegen Elohim und gegen Mosche, [denn sie fragten]: „Warum habt ihr uns [nur] aus Ägypten herausgeführt, [etwa] damit wir in der Wüste umkommen? Denn wir haben weder Brot noch Wasser, und uns ekelt es vor dieser elenden Speise [des Man/Manna].
V6) Deswegen schickte der Ewige feurige/giftige Schlangen נְּחָשִׁים הַשְּׂרָפִים nechaschim-haSsrofim (Schlangen, deren Gift feurig brennt, wahrscheinlich die Sandviper) unter das Volk. Diese bissen das Volk, wobei viele vom Volk aus Israel hinweggerafft wurden.
V7) [Als sie diese Strafe bemerkten], kam das Volk zu Mosche und sie sprachen zu ihm: „Wir haben gesündigt, weil wir gegen den Ewigen und gegen dich geredet haben. Bitte [doch nun] den Ewigen, dass er die Schlangen von uns wegnehme!“ Da bat Mosche für das Volk.
V8) Jetzt redete der Ewige zu Mosche: „Mache dir eine bronzene/kupferne Schlange נְחֹשֶׁת נְחַשׁ nechasch nechoschet, die du zum Wunderbildnis/Banner נֵס ness aufrichten sollst. Dann soll es geschehen, dass jeder, der gebissen worden ist und sie (das Bildnis der bronzenen Schlange) anschaut, der soll am Leben bleiben.
V9) Nun fertigte Mosche eine bronzene/kupferne Schlange an, die er zum Wunder (Bildnis) נֵס ness erhob, [indem er sie auf eine Stange setzte]. Dann ereignete es sich, dass wenn jemand von einer Schlange gebissen worden war, er [aber] die bronzene Schlange anschaute וְהִבִּיט, waHibit, er so am Leben blieb.
= Während die Israeliten durch die Wüste zogen, wurden sie ungeduldig und redeten gegen Elohim und Mosche, dadurch, dass sie sich über das Manna und das Fehlen von Wasser beklagten. Zur Strafe über dieses Beklagen oder Jammern schickte Elohim giftige Schlangen unter das Volk, die viele der Israeliten bissen und töteten. Das Volk erkannte nun seine Sünde, weshalb es Mosche bat, für sie zu beten. Dann wies Elohim dem Mosche an, eine bronzene/kupferne Schlange anzufertigen und diese auf eine Stange als ein Wunderbildnis ness zu setzen. Jeder, der von einer Schlange gebissen worden war und zur bronzenen Schlange aufblickte, blieb so am Leben.
ness נֵס = Wunderbanner
Das hebräische Wort „נֵס“ ness bedeutet „Banner“ oder „Wunderzeichen“, weshalb es oft als „Wunderbanner“ bezeichnet wird. In diesem Vorfall der kupfernen Schlange wird es als Banner und damit als ein Symbol des Glaubens und der Heilung gesehen. Viele Rabbiner deuten es dahingehend als ein Zeichen, dass die Heilung nicht durch das Bildnis der Schlange selbst, sondern durch den Glauben und das Vertrauen in Elohim kommt. Das Aufblicken zur bronzenen Schlange auf dem Banner oder Bild symbolisiert das Erheben des Blicks zum Heiligen selbst und das Vertrauen auf seine Macht und Barmherzigkeit.
nechaschim ssrafim נְחָשִׁים שְׂרָפִים = „feurige Schlangen“
Der Ausdruck נְחָשִׁים שְׂרָפִים nechaschim ssrafim wird oft als „feurige Schlangen“ übersetzt. Das Wort שְׂרָפִים ssrafim kann „brennend“ oder „feurig“ bedeuten und wird manchmal mit den Seraphim, den brennend-leuchtenden Engeln, in Verbindung gebracht.
Ssrafim bedeutet hier giftig, aber ihr Gift ist dabei feurig-brennend. Das würde tatsächlich am ehesten auf die nach der Wissenschaft benannten palästinensische Sandviper schließen lassen.
1. Palästinensische Sandviper (Vipera palaestinae):
Diese Art ist in Israel, Jordanien und den umliegenden Gebieten verbreitet. Sie ist bekannt für ihr starkes Gift.
Fotos entnommen aus dem freien Archiv von Alamy
2. Hornviper (Cerastes cerastes):
Diese Schlange ist in den Wüstenregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens verbreitet. Sie hat charakteristische hornartige Schuppen über den Augen.
Einige Kommentatoren sehen in den feurigen Schlangen eine Strafe, die die Sünden des Volkes Israel widerspiegelt.
Geistliche Verbindungen
- Glaube und Heilung:
Die bronzene oder kupferne Schlange wird oft als Symbol für den Glauben und die Heilung durch Elohim angesehen. Das Aufblicken zur Schlange auf dem Banner symbolisiert das Vertrauen auf die Macht des Allmächtigen und seine Barmherzigkeit.
- Sünde und Reue:
Die feurigen Schlangen werden als Strafe für die Sünden des Volkes Israel interpretiert. Die Reue des Volkes und das Gebet zu Elohim führen zur Heilung, was die Bedeutung der Umkehr und des Gebets unterstreicht.
- Typologie:
In der christlichen Deutung wird die eherne Schlange oft als Typusbild auf den Messias gesehen, der am Kreuzigungspfahl erhöht wurde, um die Menschheit zu retten. Das Aufblicken zur bronzenen Schlange wird als Bild für den Glauben an den Messias interpretiert.
Im NT (= erneuerter Bund) Brit chadascha gibt es einen direkten Bezug zur Geschichte der bronzenen Schlange, die uns im Evangelium des Jochanan in Kp. 3, 14-15 selbst von Jeschua gegeben wird. Dort sprach Jeschua mit Nikodemus (eigentlich Nakdimon mit Namen), einem der obersten Gelehrten Israels und Mitglied des Sanhedrin. Das Gespräch unter 4 Augen trug sich während der Pessachwoche zu. Dabei zog Jeschua eine Parallele zwischen der bronzenen Schlange, die zum Wunderbanner erhöht worden war, und seiner eigenen Erhöhung, die ein Jahr später sich mit seiner Kreuzigung ereignen würde. Hier sind die Verse:
In Jochanan 3, 14-15:
V14) Gleich so wie Mosche in der Wüste die (bronzene) Schlange = nechasch nechoschet [zum Wunderbanner נֵס ness] erhöht hat, also muss auch der Menschensohn ben-haAdam [zum Wunderbanner ness] erhöht werden,
V15) damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben habe.
In diesem Zusammenhang wird die bronzene oder kupferne Schlange hier zum Vorbild des Kreuzigungstodes Jeschuas genommen. Wie damals die Israeliten zur bronzenen Schlange aufblickten, um dadurch Heilung vom Tod zu erfahren, so dient dieses Beispiel für alle Menschen, die auf den gekreuzigten Jeschua blicken: Jeder Mensch, der im Glauben auf dieses Wunderbanner – נֵּס ness des gekreuzigten Messias schaut, d. h. sich seiner Errettungskraft vom ewigen Tod im Glauben vergegenwärtigt, der wird das ewiges Leben erhalten.
Neben dieser Passage gibt es noch andere Stellen im NT, die indirekt auf das Thema der Erhöhung und Heilung durch den Glauben hinweisen, obwohl sie nicht explizit die Geschichte der kupfernen Schlange aufgreifen.
Hier sind diese indirekten Bezüge:
1. – Jochanan 12, 32:
· Jeschua sprach hier über seine (künftige) Erhöhung, das ist seine Auffahrt in den Himmel. Dabei zog er auch eine Parallele zur bronzenen Schlange, dem Ereignis während der Wüstenwanderung Israels wie es uns in unserer Toralesung vermittelt wird.
„Ich, ja wenn ich erhöht sein werde [von der Erde in den Himmel], dann werde ich alle zu mir ziehen.“
2. – 2. Korinther 5, 21:
· Paulus spricht hier in diesem Vers über die Sünde und die Erlösung durch den Messias: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit/auf dass wir in ihm die Rechtfertigung – zdaka צְדָקָה beim Ewigen erzielen können.“
3. – Hebräer 12, 2:
- Der Autor des Hebräerbriefs spricht über das Aufblicken zu Jeschua:
„Dadurch dass wir zu Jeschua aufschauen, [sollen wir uns dabei vergegenwärtigen], dass er der Anfänger und Vollender des Glaubens/Vertrauens אֱמוּנָה emuna geworden ist:
Er vermochte die Kreuzigung am Pfahl zu erdulden, weil er die vor ihm liegenden Freuden [im Glauben ergriffen hat]. Deswegen erachtete er den Kreuzigungspfahl, welcher mit einer Schande (siehe unterhalb 5. Mo. 21, 22-23) [verbunden ist] als gering an. Nun hat er sich zur Rechten des Thrones Elohims gesetzt.“
· In der Tora wird das Thema des Tötungspfahls (als Aufhängung) und der damit verbundenen Schande in 5. Mo. 21, 22-23 behandelt.
V22) Wenn jemand eine Sünde begangen hat, die des Todes würdig ist, und er wird (dann] getötet, indem du ihn an ein Holz-/Baum-(pfahl) hängst,
V23) so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz(espfahl) bleiben, sondern du musst ihn unbedingt (noch] am selben Tag begraben. Weil ein Gehängter ein Fluch Elohims darstellt. Verunreinige nicht dein Land, das der Ewige, dein Elohim, dir zum Erbe gibt.
Habt alle einen gesegneten Schabbat!
- Parascha ‚beMidbar‘ (= „in der Wüste“) – 4. Mo. 1 – 4; - 14. Mai 2026
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- Teil 6 vom Pessach – vom 15. bis 17. Aviv - 30. April 2026
