Über die Verwendung und Bedeutung des Verbs Yatsahervorbringen/herauskommen/hervorgehen/ausziehen

In diesem Beitrag stelle ich euch ein hebräisches Verb vor, das in sehr vielen Bereichen
sowie in verschiedenen Nuancen in der Schrift erscheint. Es ist äußerst relevant,
angefangen vom ersten Erscheinen in 1. Mose 1,12. Dort geht es um das Prinzip von
„Samen hervorbringen nach seiner Art“, was sich in der ganzen Schrift weiter fortsetzt.
Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt/yatsa nach seiner Art, und
Bäume, die Frucht tragen, in welcher ihr Same ist nach ihrer Art. Und Elohim sah, dass es gut war.
Weiterhin erscheint das Verb in Zusammenhang mit der Heilsgeschichte, dem Exodus, der
Bundesbeziehung, der Befreiung, dem Lobpreis, dem Leben, dem Opfer und dem
Kalender.
Es kommt mir vor, als hätte uns der Vater hier ein Konzept für unsere Zeit gegeben.
Dieses Wort zeigt, wie wichtig es ist, sich auch mit der Bedeutung der Worte im
Hebräischen und ursprünglichen Paleo-Hebräischem-Level auseinanderzusetzen und
dazu diverse Quellen/Lexika (die natürlich geprüft werden sollten) heranzuziehen. Denn
jeder Übersetzer kann nur entsprechend seiner persönlichen Kenntnisse und Offenbarung
übersetzen. Oftmals gibt es so viele Variationsmöglichkeiten bei dem Übersetzen eines
Begriffs, dass es den Kontext total verdrehen bzw. in eine falsche Richtung lenken könnte.
Überblick über die Verwendung des Verbs Yatsa
Yatsa kommt etwa 1.069 Mal vor, vom ersten Kapitel der Genesis bis zu den Propheten
nach dem Exil. Es umfasst jeden Bereich des „Herauskommens“ oder „Hervorgehens“ –
schöpferische Prozesse, menschliche Handlungen, göttliche Eingriffe, Naturphänomene
und verbale Erklärungen.
Die Schrift verwendet das Verb, um den gesamten Bogen der Heilsgeschichte
nachzuzeichnen: Schöpfung, Erlösung, menschliches Leben und Prozesse, inkl.
Missionsauftrag.
Die ursprüngliche Wurzel des Verbs yatsa, יצא, hat die Bedeutung hinausgehen oder
fortgehen.
Die 3-Buchstaben-Wurzel ist Yod – Tsadi – Aleph.
yod י = die geschlossene Hand, also Arbeit, werfen, anbeten
tsadi צ ץ = die Spur, also ein versteckter Mann, Reise, Verfolgung, Jagd
aleph א = der Ochsenkopf, also Stärke, Kraft, Anführer
Bei Jeff Benner findet man Folgendes:
Tsa: Die Wurzel von Yatsa mit den 2 Buchstaben Yod und Zadi : Ausstoß, Exkrement; das
Yod ist ein Bild eines Mannes, der liegt oder hockt und vielleicht etwas ausstößt.
Tse´etsa – Nachkommen: Was aus einer Generation herauskommt.
Tsoah – Schmutzig: Etwas, das mit Exkrementen verschmutzt ist.
Yatsa: Hinausgehen: Gehen, kommen oder herauskommen. Ein allgemeines Verb mit
einer breiten Anwendung, das „gehen” oder „herauskommen” bedeutet, weiterhin hinaus-,
hervor, bringen, fortfahren, aufbrechen.
Motsa – Herausgehen: Etwas, das geht, kommt oder herauskommt, wie z. B. eine Quelle;
gebracht, Osten, Knospe, herausgehend, fortfahren.
Mavatsah – I. Ursprung: Die Geschichte dessen, woher jemand stammt.
II. Exkremente: Was aus dem Menschen herauskommt.
Yatsiy – Ausscheidungen: Was aus dem Menschen herauskommt.
Totsa’ah – Gehen: gehen, hinausgehen, Ausgabe, Grenze
Diese Begriffe zeigen weitere Nuancen des Verbs Yatsa, da sie alle aus der gleichen
Wurzel stammen.
Erstes biblisches Vorkommen – die Schöpfung bringt hervor
„Und die Erde brachte Gras und Gewächs hervor …“ (1. Mose 1,12). Das erste
Hervorbringen erfolgt aus der Erde, die YHWHs Befehl befolgt und damit offenbart, dass
nichts ohne Sein souveränes Wort „hervorkommt“.
Später beschreibt Genesis 2,10 einen Fluss, der aus Eden herausfließt, und begründet
damit die Vorstellung, dass lebensspendende Ressourcen ihren Ursprung in YHWHs
Gegenwart haben.
Menschliche Erfahrungen (praktisch oder geistlich gesehen)
- Alltag: Rebekka „ging hinaus“, um Wasser zu schöpfen (1. Mose 24,15).
Ein Feldarbeiter „geht hinaus“, um zu säen (Prediger 11,4-6). - Familiensystem: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen… “
(1. Mose 2,24), das früheste Bild eines Bundes, bei dem man einen Bereich verlässt,
um in einen anderen einzutreten. - Ortswechsel: „Da ging Abram, wie YHWH zu ihm gesagt hatte, … Abram aber war 75
Jahre alt, als er von Haran auszog“ (1. Mose 12,4). - Kriegsführung: „Und es geschah im folgenden Jahr, zu der Zeit, da die Könige [zum
Kampf] ausziehen“ (2. Samuel 11,1).
Israel erwartete Hirtenführer, die sowohl Feldzüge führen als auch mit der Herde sicher
zurückkehren konnten: „der vor ihnen aus- und einzieht und sie aus- und einführt, damit
die Gemeinde YHWHs nicht sei wie Schafe, die keinen Hirten haben!“ (4. Mose 27,17; 1.
Samuel 18,16).
Göttliche Befreiung – das Muster des Exodus
Der Exodus erhebt das Verb yatsa zu einer herausragenden Bedeutung in Bezug auf
den Bund. „Und ich bin herabgekommen, um sie zu erretten aus der Hand der Ägypter
und sie aus diesem Land zu führen“ (2. Mose 3,8).
Moses erhält den Auftrag: „Denn ich will dich zu dem Pharao senden, damit du mein Volk,
die Kinder Israels, aus Ägypten führst!“ (2. Mose 3,10). Der wiederholte Vers – „Lass mein
Volk ziehen“ (2. Mose 5,1; 7,16) – macht yatsa zum Schlagwort der Erlösung. 2. Mose
12,41 fasst das Wunder zusammen: „da zog das ganze Heer YHWHs aus dem Land
Ägypten.“
Dieses Paradigma beflügelt spätere Befreiungen: Gideon (s. Richter 6,14), David (s. 2.
Samuel 5,24), Hiskia (s. 2. Könige 19,35-36) und schließlich die Rückkehr aus dem Exil (s.
Esra 1,3). Jede davon spiegelt das ursprüngliche „Ausziehen“ unter YHWHs mächtiger
Hand wider.
Segen und Fluch
„Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang, und gesegnet bei deinem Ausgang.“ (5.
Mose 28,6). Umgekehrt bringt Ungehorsam das Gegenteil mit sich (s. 5. Mose 28,19).
Sogar der alltägliche Rhythmus des Hereinkommens und Hinausgehens wird somit unter
göttliche Obhut gestellt.
Opfer, Gericht
Brandopfer: „und es ging Feuer aus von YHWH und verzehrte das Brandopfer“ (Levitikus
9,24).
Als Nadab und Abihu fremdes Feuer darbrachten, „Da ging Feuer aus von YHWH und
verzehrte sie, so dass sie starben vor YHWH“ (Levitikus 10,2).
So steht yatsa auch mit dem Gericht YHWHs in Verbindung.
Priesterlicher Dienst
Die priesterlichen Vorschriften sprechen auch vom „Ausgießen“ von Blut (s. 3. Mose 4,7)
und vom „Verlassen“ des Lagers durch Aussätzige (s. 3. Mose 13,46f), wodurch rituelle
Reinheit mit kontrollierten Aus- und Eingängen in Verbindung gebracht wird.
Die Schöpfung YHWHs
Die Sonne „geht auf wie ein Bräutigam aus seiner Kammer“ (Psalm 19,5). Quellen
„sprudeln hervor“ in den Tälern (s. Psalm 104,10). Frost und Hagel „gehen hinaus“ auf
YHWHs Befehl (s. Hiob 37,9-10).
„Yatsa-Bewegungen“ der Schöpfung zeugen von der fortwährenden Herrschaft des
Schöpfers.
Prophetische Verwendung
Wort YHWHs: „genauso soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: es
wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und
durchführen, wozu ich es gesandt habe!“ (Jesaja 55,11)
Göttliches Ausziehen in den Kampf: „YHWH wird ausziehen, um gegen diese Völker zu
kämpfen.“ (Sacharja 14,3)
Messianische Verheißung: „aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über
Israel werden soll, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her
gewesen ist.“ (Micha 5,2) Das Verb umrahmt die historische Ankunft des Messias und
seinen ewigen Ursprung.
Exodus-Bildsprache: „Geht aber nicht hastig davon, und eilt nicht wie Flüchtlinge
hinweg;“ (Jesaja 52,12). Die Befreiung übertrifft den ersten Exodus und gewährleistet
Sicherheit und Freude.
Weisheitsliteratur und Anbetung
Die Sprüche wenden yatsa auf das Sprechen der Worte an: „Die Lippen der Gerechten
ernähren viele“ (Sprüche 10,21), weil Segen von ihnen „ausgeht“.
Prediger beschreibt das zyklische „Aufgehen und Untergehen“ der Sonne (s. Kohelet 1,5).
Die Psalmen feiern sowohl das „Aufgehen“ der Sonne als auch ihren Niedergang (s.
Psalm 113,3).
Seelsorge und Dienst
Führung bedeutet, mit dem Volk auszuziehen und mit ihm zurückzukehren – 4. Mose
27,17: der vor ihnen aus- und einzieht und sie aus- und einführt.
Persönliche Heiligkeit bedeutet, sich von Verunreinigung zu befreien (s. Jesaja 52,11;
wiederholt in 2. Korinther 6,17).
Evangelisation beruht auf YHWHs Wort, das „ausgeht“ und seinen Zweck sicher erfüllt –
Jesaja 55,11: genauso soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: es
wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und
durchführen, wozu ich es gesandt habe!
Es tritt in Zusammenhang mit der Auferstehung von Toten auf – Matthäus 27,52-53: Und
die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und
gingen aus den Gräbern hervor/ yatsa nach seiner Auferstehung und kamen in die
heilige Stadt und erschienen vielen. (Evan Bohan Übersetzung in Hebräisch)
Das Grab ist zwar eine deutliche Erinnerung an die Sterblichkeit des Menschen, aber auch
ein Zeugnis der Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben durch Yeshua Ha
Mashiach. Die biblische Erzählung weist immer wieder darauf hin, dass das Grab nur ein
vorübergehender Zustand ist. Folgend geht es um die Auferstehung der Heiligen, die aus
den Gräbern yatsa/hervorkommen.
Johannes 11,43-44: Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus,
komm heraus (tsa)! Und der Verstorbene kam heraus/yatsa, an Füßen und Händen mit
Grabtüchern gebunden, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Yeshua
spricht zu ihnen: Löset ihn auf und lasst ihn gehen.
Gläubige vertrauen ihr tägliches Kommen und Gehen der göttlichen Obhut an: „YHWH
behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit“ (Psalm 121,8).
Zusammenfassung
Yatsa verbindet Schöpfung, Bund, Anbetung, Prophezeiung und Alltag miteinander. Jedes
Hervorgehen – von Licht, Leben, Menschen, Worten oder YHWH selbst – offenbart einen
Elohim, der Seine Erlösungspläne initiiert, leitet und erfüllt und dafür sorgt, dass das, was
er hervorbringt, letztlich in den Lobpreis Seiner Herrlichkeit zurückkehrt.
Vielleicht habt ihr beim Lesen der Schrift nun ein größeres Bild / einen größeren
Zusammenhang, wenn ihr nun die Nuancen dieses Verbs kennt.
Shalom
Rivkah
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