Parascha ‚waJeze‘ וַיֵּצֵא = „dann zog er aus“
Parascha ‚waJeze‘ וַיֵּצֵא = „dann zog er aus“ – 1. Mose 28, 10 – 32, 3;
V10) Dann zog Ja‘akov von Be’er-Scheva aus, um nach Haran zu gehen.
1. Mose 28, 10–22: Ja‘akovs Traum in Bejt-El
Während einer Übernachtung auf dem Weg nach Haran träumte Ja’akovvon einer Himmelsleiter mit Engeln; dort bestätigte Elohim den Bund mit Avraham und Jizchak; daraufhin benannte Ja’akovdiesen Ort als Bejt-El (= „Haus Gottes“) und gelobte, Elohim zu dienen, wenn er sicher zurückkehren würde ;
1. Mose 29, 1–30: Ja‘akovs Ankunft und Heirat
Ja’akovtraf auf Rachel an einem Brunnen und kam dann zu Lavan, dem er nach einem Vertrag sieben Jahre für seine Tochter Rachel diente; doch er wurde ehrnach mit Lea verheiratet; danach diente er weitere sieben Jahre für Rachel; beide Frauen wurden ihm zur Frau gegeben;
1. Mose 29, 31 – 30, 24: Ja’akovs Kinder und Rivalität der Frauen
Lea gebar mehrere Söhne: Re‘uven, Schim‘on, Lewi, Jehuda; Rachel aber blieb unfruchtbar, weshalb sie Ja’akovihre Magd Bilha gab, um mit ihr dann die Söhne Dan und Naftali zu zeugen; Lea gab auch ihre Magd Silpa, durch die Gad und Ascher geboren wurden; Lea gebar weiter die Söhne Issasch‘char und Svulun; schließlich bekam auch Rachel den Sohn Jossef;
1. Mose 30, 25–43: Ja’akovsWohlstand durch Herden
Ja’akovbat um Entlassung, doch Lavan wollte ihn halten; darum vereinbarte Ja’akov einen Lohn in Form gefleckter und gestreifter Tiere; durch geschickte Zucht vermehrte Ja’akovseine eigenen Herden, wodurch er reich wurde;
1. Mose 31, 1–55: Flucht vor Lavan und Bundesschluss
Ja’akovbemerkt Lavans Missgunst, weshalb er mit seiner Familie und seinem Besitz floh; Rachel nam Lavans Hausgötter mit; Lavan verfolgt sie, doch Elohim warnte ihn im Traum; nach einer Konfrontation schlossen sie einen Bund bei Gal-Ed und Mizpa;
1. Mose 32, 1–3: Begegnung mit Engeln
Ja’akovbegegnete Engeln Elohims: er benennt den Ort zu Machanajim („Doppel-Lager“);
Liebe Geschwister im Herrn,
in unserer heutigen Tora-Lesung begegnen wir den Anfängen der zwölf Stämme Israels. Die Namensgebung der Kinder Ja’akovs ist mehr als nur eine Familiengeschichte – sie ist ein prophetischer Grundstein, der sich später in den Segenssprüchen von Kapitel 49 und im letzten Segen Mosches, 5. Mo. 33 entfaltet.
Wir werfen zunächst einen kurzen Blick zurück:
Ja’akov floh zu den Verwandten seines Großvaters Avraham und seines Vaters Jizchak nach Haran. Dort begegnete er seiner Cousine Rachel – und verliebte sich sofort in sie.
Bei seinem Onkel Lavan schloss er einen Dienstvertrag: Sieben Jahre sollte er als Schaf- und Ziegen-Hirte für ihn arbeiten, um Rachel zur Frau zu gewinnen.
Nach den sieben Jahren kam die ersehnte Hochzeit. Doch nach der ersten Nacht fand Ja’akov nicht Rachel, sondern ihre ältere Schwester Lea an seiner Seite. Lavan verpflichtete ihn zu weiteren sieben Jahren Dienst, und dennoch erhielt Ja’akov auch Rachel in derselben Hochzeitswoche zur Frau.
In den folgenden Jahren – zunächst sieben, später um weitere sechs verlängert, so dass es insgesamt 13 Jahre wurden – erlebten Lea und Rachel innere Kämpfe. Jede von ihnen erhoffte, durch die Geburt von Kindern die Liebe ihres Mannes zu gewinnen. Dieses Ringen wird uns in 1. Mo. 29, 31–35 und 30, 1–24 eindrücklich geschildert.
Beim genauen Lesen dieses biblischen Berichtes wollen wir uns tiefer in die innere Verfassung der beiden Frauen hineinversetzen. Diese Analyse werden wir im Verlauf unserer Parascha immer wieder aufgreifen und vertiefen, um die geistliche Bedeutung der Namensgebungen klarer zu erkennen.
V31) Weil der Ewige sah, daß Lea zurückgesetzt war, öffnete er ihren Mutterleib (, d. h.: er machte sie empfänglich). Rachel aber war unfruchtbar.
V32) So wurde Lea schwanger und gebar einen Sohn. Ihm gab sie den Namen Re’u-ven – רְאוּבֵן, (= „seht her! Ein Sohn!“). Denn sie sprach [zu sich]: „Ja, der Ewige hat mein Elend [an-]gesehen – רָאָה ra’a. Jetzt sollte/wird mein Mann mich lieben.“
לב וַתַּהַר לֵאָה וַתֵּלֶד בֵּן וַתִּקְרָא שְׁמוֹ רְאוּבֵן כִּי אָמְרָה כִּי-רָאָה יְהוָה בְּעָנְיִי כִּי עַתָּה יֶאֱהָבַנִי אִישִׁי:
= Ja’akov hatte sich gleich bei seiner Ankunft in Haran in Rachel verliebt. Sie war die Tochter seines Onkels Lavan, und für ihre Hand arbeitete er sieben Jahre als Hirte – voller Sehnsucht und Liebesglut. Doch als der ersehnte Hochzeitstag endlich kam, wurde er von Lavan getäuscht: Nach der ersten Hochzeitsnacht fand er nicht Rachel, sondern ihre ältere Schwester Lea an seiner Seite.
Mit einem Betrug hatte Lavan ihm Lea als „Mitgift“ untergeschoben und dies mit den Worten begründet: „Es ist bei uns nicht üblich, dass man die Jüngere vor der Älteren verheiratet.“ Ja’akov musste sich fügen – und arbeitete weitere sieben Jahre, um auch Rachel zur Frau zu bekommen.
Dieser Zwiespalt prägte fortan die Ehe mit beiden Schwestern. Rachel blieb Ja’akovs geliebte Frau, von der er sich nichts sehnlicher wünschte als Kinder. Lea hingegen lebte im Schatten ihrer jüngeren Schwester. Und doch trug sie einen tiefen Wunsch in ihrem Herzen: Sie hoffte, durch die Geburt vieler Kinder die Liebe ihres Mannes zu gewinnen.
Lea verband den Namen ihres ersten Sohns mit ihrer inneren Schmach und dem Elend, nämlich von ihrem Mann abgelehnt zu sein. Das Verb רָאָה – ra’a (= „sehen“) taucht hier doppelt auf:
- Elohim sah – רָאָה ra’a ihre innere Not. In dieser göttliche Fürsorge fand sie Trost;
- darum sollen auch Menschen sehen – רְאוּ re’u = „seht (doch)!“ Mit diesem Ausruf verband sie die Hoffnung auf Anerkennung und Zuneigung ihres Mannes;
Der Name ist daher nicht nur eine schlichte Benennung, sondern ein Ruf nach Liebe – ein Ausdruck ihrer Sehnsucht nach Anerkennung.
V33) [Danach] wurde sie wieder schwanger und gebar einen [weiteren] Sohn. Sie äußerte: „Ja, der Ewige hat mich gehört [bzw. erhört] – שָׁמַע schama, weil ich die Zurückgesetzte (wörtlich sogar die „Gehaßte“) bin. Darum hat er mir auch diesen Sohn gegeben.“ Deshalb nannte sie ihn Schim‘on – שִׁמְעוֹן, was „Erhörung“ bedeutet.
לג וַתַּהַר עוֹד וַתֵּלֶד בֵּן וַתֹּאמֶר כִּי-שָׁמַע יְהוָה כִּי-שְׂנוּאָה אָנֹכִי וַיִּתֶּן-לִי גַּם-אֶת-זֶה וַתִּקְרָא שְׁמוֹ שִׁמְעוֹן:
= Immer noch blieb Lea die „Verstoßene“ gegenüber ihrer Schwester Rachel. Doch mit der Geburt ihres zweiten Sohnes hegte sie die Hoffnung, nun die Liebe und Zuneigung ihres Mannes zu gewinnen – denn sie war vom Ewigen erhört worden.
Auch hier begegnet uns das Verb שָׁמַע schama (= „hören“, „erhören“) in doppelter Weise:
- Elohim hat sie gehört, und zugleich auch erhört – שָׁמַע schama;
- darum proklamierte sie dies in der Namengebung: שִׁמְעוֹן Schim’on = „Erhörung“;
Lea erkannte damit, dass Elohim ihr inneres Leiden des Abgewiesenseins nicht nur sieht (= „Reʾuven“), sondern auch hört (= „Schimʿon“). Diese beiden Namen bilden zusammen ein starkes theologisches Paar: Gott sieht – und Gott hört – das individuelle Leid;
V34) [Wiederum] wurde Lea schwanger und gebar einen [weiteren] Sohn. Da sprach sie: „Diesmal sollte/wird sich mein Mann mir endlich anschließen – יִלָּוֶה jilawe, weil ich ihm [schon] drei Söhne geboren habe. Daher gab sie ihm den Namen Lewi – לֵוִי, was „Anschließung“, „Anbindung”, „Verbundenheit“ bedeutet.
לד וַתַּהַר עוֹד וַתֵּלֶד בֵּן וַתֹּאמֶר עַתָּה הַפַּעַם יִלָּוֶה אִישִׁי אֵלַי כִּי-יָלַדְתִּי לוֹ שְׁלֹשָׁה בָנִים עַל-כֵּן קָרָא-שְׁמוֹ לֵוִי:
= Noch immer hatte Lea die Zuneigung ihres Mannes nicht gewinnen können. Doch mit dem dritten Sohn, den sie ihm schenkte, keimte erneut die Hoffnung, dass Jaʿakov sich ihr nun in Liebe und Zuneigung anschließen – יִלָּוֶה jilawe würde. Der Name Lewi drückt Leas Sehnsucht nach Nähe und Bindung aus. Nach dem Sehen (Re’u-ven) und Hören (Schim’on) folgt nun der Wunsch nach echter Verbindung. Die drei ersten Namen bilden eine geistliche Steigerung:
Gott sieht – Gott er-hört – Gott verbindet.
Die Namensgebung Lewi לֵוִי ist auch hier Ausdruck einer prophetischen Hoffnung:
- die Wortwurzel לָוָה lawa bedeutet „sich anschließen“, „begleiten“, „verbunden sein“;
- daraus ergibt sich die Verbform im Futur/Imperfekt: יִלָּוֶה jilawe (= „er wird sich mir anschließen“)
- לֵוִי lewi ist ein Nomen, das die Idee von „Verbundenheit“, und „Zugehörigkeit“ in sich trägt;
- der Name ist somit Ausdruck eines tiefenBeziehungswunsches: Möge Jaʿakov sich endlich mit Lea verbinden – sich ihr in Liebe und Zuneigung anschließen, sich an sie binden;
Später wird der Stamm der Lewiten diese Bedeutung auf geistlicher Ebene erfüllen: Als die „Verbundenen“ sind sie dem Heiligtum zugeordnet und dienendem Allmächtigen im Tempel. Ihre Aufgabe symbolisiert die Nähe zum himmlischen Vater.
V35) Dann wurde Lea noch einmal schwanger und gebar einen [weiteren] Sohn. Sie sprach: „Diesmal will ich den Ewigen preisen / danken – אוֹדֶה ode!“ Darum gab sie ihm den Namen Jehuda – יְהוּדָה, was „Dank“, oder „Lob“ bedeutet. Danach hörte sie auf zu gebären.
לה וַתַּהַר עוֹד וַתֵּלֶד בֵּן וַתֹּאמֶר הַפַּעַם אוֹדֶה אֶת-יְהוָה עַל-כֵּן קָרְאָה שְׁמוֹ יְהוּדָה וַתַּעֲמֹד מִלֶּדֶת:
= Mit der Geburt des vierten Sohnes wird keine Aussage mehr über Leas innere Verfassung gemacht – insbesondere nicht über ihre inneren Kämpfe um die fehlende Zuneigung ihres Mannes. Es scheint, als habe sie sich inzwischen damit abgefunden, dass sie nicht die große Liebe Ja’akovs erhalten würde. Doch gerade darin hat sie eine innere Befriedung gefunden: Sie konnte ihrem Mann bereits vier Kinder schenken. Dies wurde für sie zur Genugtuung, die jetzt in Dank und Lob (= Jehuda יְהוּדָה ) gegenüber dem himmlischen Vater mündete.
Damit schließen die ersten vier Namensgebungen eine innere Entwicklung Leas ab: vom Schrei nach Liebe hin zur Befriedung im Dank an Elohim. Diese Einheit bildet das Fundament für das weitere Werden der Stämme Israels und eröffnet die heilsgeschichtliche Linie, die von Lob und Dank getragen ist:
Mit Reʾuven hoffte sie, gesehen zu werden; mit Schimʿon vertraute sie darauf, erhört zu werden; mit Lewi sehnte sie sich nach Verbundenheit. Doch nun, mit der Geburt ihres vierten Sohnes, vollzog sich ein Wendepunkt: Lea richtete ihren Blick nicht mehr auf Jaʿakov, sondern direkt auf den Ewigen – und so entstand in einer Steigerung die geistliche Vollendung:
Gott sieht – Gott hört – Gott verbindet – Gott wird gepriesen.
- der Name Jehuda יְהוּדָה leitet sich von der Wortwurzel יָדָה jada / ode ab, was „danken“, „loben“ und „preisen“ bedeutet;
Lea erkannte in diesem Kind nicht mehr nur den Versuch, die Liebe Ja‘akovs zu gewinnen, sondern richtete ihren Blick direkt auf den Ewigen. Mit Jehuda vollzog sich in ihr ein Wendepunkt: Dank und Lob wurden jetzt zum zentralen Ausdruck ihres Glaubens. Prophetisch ist Jehuda der Stamm, aus dem später David und schließlich der Messias hervorgehen sollte.
Damit trägt der Name eine doppelte Bedeutung – ein persönliches Dankgebet Leas und zugleich die große heilsgeschichtliche Linie: vom Lob zum Heil und von der Dankbarkeit zur Erlösung.
Kp. 30;
V1) Als Rachel sah, daß sie dem Ja‘akov nicht gebären konnte, wurde sie auf ihre Schwester eifersüchtig. Deswegen redete sie auf Ja’akov ein: „Vermache mir [doch] Kinder! Und wenn nicht, dann möchte ich [lieber] sterben.“
V2) Da kochte die Wut in Ja’akov gegen Rachel hoch. Er antwortete ihr: „Bin ich wohl an Gottes Statt, dass ich dir die Frucht deines Leibes vorenthalte bzw. vorenthalten würde?“
V3) Sie erwiderte ihm: „Siehe, [da ist] oder: [dann nimm doch] meine Magd Bilha – בִלְהָה. Geh zu ihr ein, so daß sie für mich / an meiner Stelle gebäre, damit auch ich durch sie Kinder haben werde!“
V4) Da gab sie ihm ihre Magd Bilha zur Frau. Dann ging Ja‘akov zu ihr ein.
V5) Bilha wurde schwanger und gebar Ja‘akov einen Sohn.
V6) Jetzt verlautbarte Rachel: „Elohim hat mir [endlich] Recht verschafft – דָּנַנִּי danani, meine Stimme erhört und mir einen Sohn gegeben.“ Darum nannte sie seinen Namen Dan – דָּן, was als ein Zeichen der göttlichen „Rechtsprechung“ zu verstehen ist.
וַתֹּאמֶר רָחֵל דָּנַנִּי אֱלֹהִים וְגַם שָׁמַע בְּקֹלִי וַיִּתֶּן־לִי בֵּן עַל־כֵּן קָרְאָה שְׁמוֹ דָּן׃
= Der Wettstreit zwischen den beiden Frauen Ja‘akovs ist mehr als ein familiäres Drama – er spiegelt den Plan des Höchsten wider. Beide rangen um die Liebe ihres Mannes. Dieser innere Kampf wurde zum Bild für Gottes Heilsgeschichte.
Rachel war von Anfang an die Geliebte, blieb jedoch unfruchtbar, während Lea als die „Gehasste“ Kinder gebar. Rachel sah, wie ihre Schwester Ja‘akov bereits mehrere Söhne geschenkt hatte. Obwohl sie die volle Liebe und Zuneigung ihres Mannes besaß, blieb ihr eigener Kinderwunsch unerfüllt. Dies weckte Neid und Eifersucht gegenüber Lea und führte zu Vorwürfen an Ja’akov – der selbst den tiefen Wunsch trug, mit Rachel Kinder zu haben, es aber nicht ändern konnte.
Getrieben von ihrem immer stärker werdenden Verlangen nach Mutterschaft entschloss sich Rachel zu einem einzigen Ausweg: Sie gab Ja‘akov ihre Magd Bilha zur Frau.
Als Bilha ihr darauf einen Sohn schenkte, erkannte Rachel darin das Eingreifen Elohims, weshalb sie ausrief: „דָּנַנִּי daneni – der Allmächtige hat mir Recht verschafft.
- דָּנַנִּי danani = „er hat mich gerichtet“, „es wurde mir Recht verschafft“;
- das hebräische Verb לָדוּן ladun bedeutet nicht nur „richten“ im Sinne von verurteilen, sondern auch „Recht geben“ und „Recht zusprechen“;
- דָּן Dan = „Gericht“, „Recht“; dieser Name wird von Rachel nicht im strafenden Sinne erteilt, sondern als Rechtsentscheid zugunsten der Geliebten – das stellt eine Verdichtung der Erfahrung dar: Elohim hat eingegriffen und ihr Recht zugesprochen;
Damit erhielt Rachel Anteil an der Fruchtbarkeit – ein erster Schritt zur Gleichstellung mit Lea. Symbolisch steht Dan für die göttliche Rechtsprechung und das Hören auf die Stimme der Geliebten.
V7) Rachels Magd Bilha wurde erneut schwanger und gebar Ja‘akov einen zweiten Sohn.
V8) Darauf erklärte Rachel: Mit meiner Schwester habe ich „Ringstreitigkeiten – נַפְתּוּלֵי naftulej Elohims ausgefochten/ausgerungen – נִפְתַּלְתִּי niftalti und habe auch gesiegt.“ Daher gab sie ihm den Namen Naftali – נַפְתָּלִי (= „gewunden“, „gerungen“).
ח וַתֹּאמֶר רָחֵל נַפְתּוּלֵי אֱלֹהִים נִפְתַּלְתִּי עִם-אֲחֹתִי גַּם-יָכֹלְתִּי וַתִּקְרָא שְׁמוֹ נַפְתָּלִי:
= Was zuvor nur angedeutet war, spricht Rachel jetzt ausdrücklich aus: Die gesamte Episode der Geburten von Ja‘akovs Kindern zwischen den beiden Schwestern ist ein Wettkampf, ein Ringen – und zugleich Ausdruck einer geistlichen Dimension in der Beziehung zum Allmächtigen.
Der Name Naftali geht auf die Wurzel פָּתַל patal zurück, was „winden“, „ringen“ und „sich verflechten“ bedeutet. In diesem Kontext beschreibt es ein emotionales und psychologisches Ringen, ein inneres Hin und Her, das mit einem physischen Kampf nur metaphorisch vergleichbar ist. Daher übersetzte TurSinaj es so: Da sprach Rahel: «Ein Schnurringen vor Gott hab ich mit meiner Schwester gerungen und auch gesiegt!» Und sie nannte ihn Naftali.
Das Wortspiel entfaltet sich wieder doppelt:
- נַפְתּוּלֵי Elohim naftulej Elohim = „Ringstreitigkeiten Gottes“. Rachel verstand ihr Ringen als Teil eines göttlichen Kampfes, der eine Mischung aus Wettbewerb und einem inneren Kräftemessen ausdrückte, und der spirituell und zugleich persönlich war;
- נִפְתַּלְתִּי niftalti = „ich habe gerungen“, „ich habe mich durchgewunden“ – das persönliche Zeugnis ihres Sieges;
Fazit: Während „Kampf“ den Text technisch korrekt übersetzt, greift das aber zu kurz und kann sogar missverständlich wirken. Eine Übersetzung, die Begriffe wie „Ringen“ oder „Zwiespalt“ verwendet, fängt die tiefere Bedeutung des hebräischen Originals besser ein und bewahrt die Nuance des innerlichen und spirituellen Kräftemessens.
V9) Als Lea sah, daß sie nicht mehr gebar, nahm [auch] sie ihre Magd Silpa – זִלְפָּה, um sie Ja‘akov zur Frau zu geben.
V10) [So] gebar Silpa, die Magd Leas, dem Ja‘akov einen Sohn.
V11) Da rief Lea mit freudigem Jubel aus: „[Welch] ein Glücksfall ! בָּגָד baGad!“
(man kann auch übersetzen: Glückauf! oder: ein Glücksfall ist mir zugekommen1!)
[Deswegen] gab sie ihm den Namen Gad – גָּד, was „Glücksfall“ oder „günstiges Los-Geschick“ bedeutet.
יא וַתֹּאמֶר לֵאָה בגד (בָּא גָד) וַתִּקְרָא אֶת-שְׁמוֹ גָּד:
= Wie wir gesehen haben, hatte Lea sich mit ihrem Schicksal als nicht-geliebten Ehefrau abgefunden, da sie sich vom Allerhöchsten bestätigt wußte, der ihr den Segen von vier Söhnen schenkte. Darin fand sie ihre volle Genugtuung. Dass sie nun durch ihre Magd Silpa sogar noch einen weiteren Sohn erhielt, deutete sie als besonders hinzugefügtes Previleg – ein „Glücksfall“, über den sie jubelte. Es war ihr ein unerwartetes Geschenk.
Der Name Gad ist mit der Wurzel גד gad verbunden, was „Glück“, „gutes Geschick“ oder „günstiger Zufall“ bedeutet. Lea verstand die Geburt als ein Zeichen eines Glückfalls, der ihr widerfahren war. Der Ausruf בָּגָד ba-gad im ketiv כתיב, von den Rabbinern im massoretischen Text daneben als kri קרי gelesen (= lies es als) – בָּא גָד ba-gad – ist ein Jubelruf, der das plötzliche, unerwartete Glück betont.
Im Familienkontext ist Gad Ausdruck von Leas Freude darüber, dass selbst durch ihre Magd Silpa die Familie weiterwuchst. Es ist ein Moment des Aufatmens im Wettstreit mit Rachel: Lea empfand, dass ihr Glück widerfahren war. Symbolisch steht Gad für ein Glücksgeschenk, das ihr Elohim verlieh – nicht durch Zufall, sondern als göttliche Fügung.
V12) Und Silpa, die Magd Leas, gebar Ja‘akov einen zweiten Sohn.
V13) [Da] riefLea: „Über-glücklich bin ich – בְּאָשְׁרִי bAschri! Denn [von nun an] werden mich die Töchter glücklich preisen – אִשְּׁרוּנִי ischruni. (Eine andere Übersetzung: mich beglückwünschen😉
Darum gab sie ihm den Namen Ascher – אָשֵׁר, was „Glück“ oder „Seligkeit“ bedeutet, hier aber im Kontext als „Über–Glück“ interpretiert werden kann.
יג וַתֹּאמֶר לֵאָה בְּאָשְׁרִי כִּי אִשְּׁרוּנִי בָּנוֹת וַתִּקְרָא אֶת-שְׁמוֹ אָשֵׁר:
= Schon der erste Sohn ihrer Magd Silpa ließ Lea vor Jubel kaum ihr Glück fassen. Dass sie darüber hinaus noch einen Sohn erhielt, steigerte ihre Freude ins Übermaß.
Der Name Ascher אָשֵׁר geht auf die Wurzel אָשַׁר aschar zurück: was „glücklich sein“, „beglückt werden“, „gesegnet sein“ bedeutet. Lea deutete die Geburt ihres sechsten Sohnes als ein zusätzlich hinzugefügtes Glück, das ihr widerfahren war. Zugleich sah sie darin eine soziale Bestätigung: „Die Töchter“ – das sind die Frauen ihres Umfelds – „werden mich beglückwünschen“.
Im Familienkontext ist Ascher Ausdruck von Leas Freude und Stolz. Sie empfand, dass ihr Glück jetzt auch öffentlich anerkannt werden sollte.
So setzt sich die Steigerung fort:
Gott sieht – Gott hört – Gott verbindet – Gott wird gepriesen – Gott schenkt Glück im Übermass – Gott lässt Glück öffentlich anerkannt werden.
V14) Re’u-ven lief in den Tagen der Weizenernte hinaus und fand Duda‘im – דוּדָאִים auf dem Feld. Er brachte sie seiner Mutter Lea. Als Rachel davon erfuhr, sprach sie zu ihrer Schwester: „Gib mir doch von den Duda‘im deines Sohnes!“
V15) Lea erwiderte: „Genügt es Dir [denn] nicht, dass du [mir] meinen Mann genommen hast? Jetzt willst du auch noch die Duda‘im meines Sohnes wegnehmen?“ Da antwortete Rachel ihr: „Darum soll er diese Nacht bei dir liegen – als Entgelt für die Duda‘im deines Sohnes.“
= Die Duda‘im דּוּדָאִים ist die Mandragora-Pflanze, ein Nachtschattengewächs des Mittelmeerraums. siehe die Fotos am Anfang der Parascha!
Schon im Altertum galten sie als „Liebespflanzen“, denen man aphrodisische und fruchtbarkeitsfördernde Kräfte zuschrieb.
In der Bibel erscheinen sie zweimal:
- 1. Mo. 30, 14–16: Re’uven fand sie, Rachel begehrte sie, Lea nutzte sie, um Ja‘akov für eine Nacht zu gewinnen;
- Hohelied 7, 13: Ihr Duft wird zum Bild für Liebe und Sehnsucht;
Merkmale der Pflanze:
- große, dunkelgrüne Blätter in Rosettenform
- purpurfarbene oder weißliche Blüten
- gelb-orange, süßlich duftende Beeren
- eine dicke, verzweigte Wurzel, oft menschenähnlich geformt
So wurden die Duda‘im zum Symbol für den Wettstreit um Liebe und Fruchtbarkeit – Rachel hoffte auf Kindersegen, Lea auf Anerkennung und Nähe.
V16) Als Ja‘akov am Abend vom Feld zurückkehrte, kam ihm Lea entgegen und rief: „Heute sollst du zu mir kommen, denn ich habe dich erkauft – mit den Duda‘im meines Sohnes. So lag er in jener Nacht bei ihr.“
V17) Elohim erhörte Lea: sie wurde schwanger und gebar Ja‘akov einen fünften Sohn.
V18) Da sprach Lea: „Elohim hat mir meinen Lohn – שְׂכָרִי ss’chari gegeben, weil ich meinem Mann meine Magd gegeben habe.“ Darum gab sie ihm den Namen Jissa-ss’char – יִשָּׂשכָר, was mit „Lohn“ übersetzt werden kann.
(Dem Kontext nach bedeutet es „durch Belohnung Erworbener“; unklar ist, wie der ganze hebräische Name zu deuten ist: ob „den Lohn tragend“ יִשָּׂא־שָׂכָר oder „es gibt Lohn“ zu übersetzen ist;).
יח וַתֹּאמֶר לֵאָה נָתַן אֱלֹהִים שְׂכָרִי אֲשֶׁר-נָתַתִּי שִׁפְחָתִי לְאִישִׁי וַתִּקְרָא שְׁמוֹ יִשָּׂשכָר:
= Im Wettstreit der Schwestern gab Lea die Liebeskräuter (Duda’im) an Rachel – als Preis für eine Nacht mit Ja’akov. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, den sie Issass-ss‘char יִשָּׂשכָר nannte, was im Kontext etwa mit „durch Lohn Erworbener“ bzw. „mit Belohnung Erworberner“ zu verstehen ist. Bemerkenswert ist, dass Lea die Geburt nicht auf den Handel mit den Duda‘im zurückführt, sondern auf ihre frühere Hingabe: sie hatte Jaʿakov ihre Magd Silpa gegeben. Dies rechnete sie sich als göttlichen Lohn an.
- Lea „erkaufte“ Jaʿakov mit den Dudaʿim – ein Tauschgeschäft um eheliche Nähe;
- Elohim „erhörte“ שָׁמַע schama Lea: das Ergebnis war die Geburt des fünften Sohnes;
- Lea deutete die Geburt als שָׂכָר ssachar = „Lohn“, „Belohnung“ – göttliche Anerkennung für ihre Hingabe;
Gott sieht – Gott hört – Gott verbindet – Gott wird gepriesen.
Mit Gad und Ascher kam hinzu: Gott schenkt Über-Glück – Gott lässt Glück öffentlich anerkannt werden.
Mit Jissa-ss‘char als fünften Sohn: Gott belohnt – Gott rechnet Hingabe als Lohn an.
V19) Wieder wurde Lea schwanger und gebar Ja‘akov einen sechsten Sohn.
V20) Da sprach Lea: „Elohim hat mich mit einem guten Geschenk זֵבֶד seved beschenkt זְבָדַנִי svadani. [Von nun an] wird mein Mann mich erheben יִזְבְּלֵנִי jisbeleni, weil ich ihm [doch] sechs Söhne geboren habe.“ Darum gab sie ihm den Namen S‘vulun – זְבֻלוּן, was „Anerkennung“, aber auch „Wohnung“ bedeutet, (als Zeichen der Hoffnung auf Nähe und Wertschätzung.)
כ וַתֹּאמֶר לֵאָה זְבָדַנִי אֱלֹהִים אֹתִי זֵבֶד טוֹב הַפַּעַם יִזְבְּלֵנִי אִישִׁי כִּי-יָלַדְתִּי לוֹ שִׁשָּׁה בָנִים וַתִּקְרָא אֶת-שְׁמוֹ זְבֻלוּן:
Als zwei zusätzliche Übersetzungsvarianten des Verses 20 füge ich hier zuerst Martin Buber und dann Tur Sinaj an, um aufzuzeigen, dass der hebräische Text sehr knifflige Wortspiele enthält, die wie in diesem Fall sehr schwer sind in die deutsche Sprache zu übersezten.
- Lea sprach: „Zugerichtet hat mir Gott ein gutes Gericht, diesmal wird mein Mann mich aufrichten, denn sechs Söhne habe ich ihm geboren. Sie rief seinen Namen: Sbulun, Aufrecht.“ (Buber)
- Da sprach Lea: „Beschenkt hat mich Gott mit schönem Geschenk! Jetzt wird mein Mann bei mir wohnen, denn ich habe ihm sechs Söhne geboren.“ Und sie nannte ihn Sebulun. (Tur Sinaj)
= Lea lebte in der Spannung zwischen Dankbarkeit und Sehnsucht: Jeder Sohn, den sie gebar, war für sie ein Zeichen göttlicher Nähe und zugleich ein Ruf nach Anerkennung durch Ja‘akov. Mit Svulun verdichtete sich diese innere Bewegung – sie hoffte auf eine bleibende „Wohnung“ und einen festen Platz in der Familie und vor Elohim.
- Sie hatte bereits viele Söhne geboren, doch ihr Herz rang weiterhin um Nähe und Anerkennung;
- mit jedem Kind spürte sie Dankbarkeit und zugleich die Sehnsucht nach Bestätigung;
- bei Svulun sah sie ihre Mutterschaft als göttliches Geschenk und zugleich als „Wohnung“ oder „Heimstätte“ זְבוּל svul für die göttliche Gegenwart;
- ihre Hoffnung: „Mein Mann wird mich erheben“ יִזְבְּלֵנִי jisbeleni – „anerkennen“, „ehren“ und „hochstellen“;
- so wurde Svulun zum Ausdruck von Stabilität und Würde, sowohl äußerlich als auch im Herzen;
- s’vulun זְבֻלוּן hat als Grundbedeutung: „Wohnung“, „Heimstätte“, „Erhebung“, „Ehre“ und „Geschenk“ – von der Wortwurzel זָבַל saval = „wohnen“, „erheben“, „ehren“ ab;
- die Theologische Dimension: der Name verweist auf die Idee, dass Elohim selbst eine „Wohnung“ unter den Menschen schafft;
- spätere Verwendung: svul זְבוּל bezeichnete auch den himmlischen Tempel oder Palast, vgl. 1. Kön. 8, 13: „Haus der Wohnung“ – בֵּית זְבוּל bejt-svul;
An dieser Stelle füge ich noch eine weitere Auflistung zur Wortbedeutung von Svulun ein:
Der Name זְבֻלוּן Svulun erscheint im Tanach sowohl als Personenname (sechster Sohn Leas, 1. Mo. 30, 20;) als auch als Stammesname mit eigenem Gebiet und Geschichte. Sein Bedeutungsfeld umfasst „Wohnung, Anerkennung, Ehre“.
- 1. Buch Mose: Geburt und Namensgebung durch Lea; im väterlichen Segen, 1. Mo. 49,13; – wird Svulun mit Meeresküste und Handel verbunden;
- 2. Buch und 4. Buch Mose: Svulun zählt zu den zwölf Stämmen, geordnet im Lager und erwähnt bei der Landverteilung;
- 5. Mose 33: Moses Segen betonte Handel und Partnerschaft mit Issa-ss‘char – Svulun unterstützte materiell, Issa-ss‘char widmete sich dem Torastudium;
- Josua u. Richter: Beschreibung des Stammesgebiets; Svulun kämpfte mit Naftali gegen Ssisera, folget Gid‘on, und stellte den Richter Elon;
- Chronik- und Königsbücher: Erwähnung von Kriegern, Städten und schließlich Exil unter Tiglat-Pileser III.;
- Psalmen & Jesaja: Svulun erscheint unter den Fürsten Israels; in Jes. 9,1 wird sein Land zum Ort messianischen Lichtes;
Mit Svulun erreichte Lea eine neue Stufe: Aus der Sehnsucht nach Anerkennung wurde die Hoffnung auf eine bleibende Wohnung – in der Familie und vor Elohim. Ihre acht Söhne bis hierher bilden eine innere Steigerung: Gott sieht – hört – verbindet – wird gepriesen – schenkt Glück – lässt Glück anerkannt werden – belohnt Hingabe – und schließlich schenkt er Würde und Anerkennung. So wird Leas Mutterschaft selbst zur Wohnung Gottes und zum Fundament Israels.
- Re’uven = Gott sieht ראֹה ra‘a
- Schime’on = Gott hört שָׁמַע schama
- Lewi = Gott verbindet לָוָה lawa
- Jehuda = Gott wird gepriesen יָדָה jada
- Gad = Gott schenkt Glück גָּד gad
- Ascher = Gott lässt Glück öffentlich anerkannt werden אָשֵׁר ascher
- Jissa-ss‘char = Gott belohnt Hingabe שָׂכָר ss’char
- Svulun = Gott schenkt Würde und Anerkennung זָבַל saval
V21) Danach gebar sie eine Tochter, der sie den Namen Dina – דִּינָה gab.
V22) Da gedachte Elohim [endlich] auch der Rachel – und öffnete ihren Mutterleib.
V23) Als sie[dann]schwanger wurde und einen Sohn gebar, sprach sie:
„Elohim hat meine Schmach [von mir] genommen.“
V24) Sie nannteihn Jossef – יוֹסֵף, was „er fügt hinzu“ oder „Hinzufüger“ bedeutet.
Und sie sprach [dazu als Bitte]: „Der Ewige möge mir [noch] einen anderen Sohn hinzufügen – יֹסֵף jossef!“
כד וַתִּקְרָא אֶת-שְׁמוֹ יוֹסֵף לֵאמֹר יֹסֵף יְהוָה לִי בֵּן אַחֵר:
= mit Jossef sprach Rachel etwas aus, das zuvor nur als Sehnsucht spürbar war: Die Hoffnung auf göttliche Ergänzung, auf eine Fortsetzung, auf das „Mehr“ – sowohl im persönlichen als auch im geistlichen Sinn.
Die Wurzel יָסַף – jasaf bedeutet „hinzufügen“, „fortführen“ und „vermehren“. Rachel deutete die Geburt nicht nur als Befreiung von Schmach, sondern als Anfang einer neuen Bewegung:
„Der Ewige möge mir noch einen anderen Sohn hinzufügen“
יֹסֵף יְהוָה לִי בֵּן אַחֵר
Das Wortspiel entfaltet sich doppelt:
- Jossef יוֹסֵף = „er fügt hinzu“ oder „Hinzufüger“ – so wird der Name selbst zu einem Ausdruck der Hoffnung auf göttliche Hinzufügung;
- jossef Adonaj יֹסֵף יְהוָה = „Der Ewige möge hinzufügen“ – ein Wunsch, der über das Jetzt hinausweist;
Rachel sprach hier nicht nur über ein weiteres Kind, sondern sie äußerte eine Fortsetzung in der Zukunft. Jossef ist nicht nur ein Sohn, sondern ein Zeichen dafür, dass Gottes Wirken nicht abgeschlossen ist.
- während Naftali Ausdruck eines Ringens war, ist Jossef Ausdruck einer Erweiterung;
- Rachel erfuhr mit Jossef nicht nur Trost, sondern eine neue Perspektive: Ihre Geschichte war nicht beendet – sie wurde weitergeschrieben;
- Jossef steht für das Mehr, das Noch-nicht, das Zukünftige – und wird später selbst zum Träger von Vision und Versorgung für ganz Israel;
Jossef – die doppelte Erfüllung
Bei der Geburt ihres ersten Sohnes sprach Rachel eine Bitte aus, die zugleich eine Prophetie war:
„Der Ewige möge mir noch einen Sohn hinzufügen.“
יוֹסֵף יְהוָה לִי בֵּן אַחֵר
Diese Bitte und der tiefe Wunsch Rachels wurde von ihr bekräftigt, indem sie ihrem Sohn den Namen Jossef יוֹסֵף verlieh, was zunächst „er fügt hinzu“, oder „Hinzufüger“ bedeutet. Das Wort bildet sich aus der Wurzel יָסַף – jassaf; und אָסַף assaf
Zu bemerken ist, dass dieses Wortwurzel eine doppelte Bedeutung in sich trägt:
- – „hinzufügen“, „vermehren“, „fortführen
- – „sammeln“, „einholen“ und „einsammeln“.
Nur ein Jahr später wurde ihr Wunsch wörtlich erfüllt: Rachel gebar Benjamin, der einzige Sohn, der im heiligen Land geboren wurde. Damit wurde ihr Gebet sichtbar erhört – Elohim fügte ihr tatsächlich „noch einen Sohn“ hinzu.
Doch es gibt dazu noch eine zweite Erfüllung: Efra‘im und Manasche:
Jossef selbst, in Ägypten, wurde Vater von Efra‘im und Manasche. Diese beiden Söhne wurden von Jaʿakov als vollwertige Stämme Israels angenommen – so „fügte“ Jossef dem Volk nicht nur einen, sondern gleich zwei Stämme hinzu.
In dieser doppelten Erfüllung liegt ein tiefer Hinweis: Jossef ist nicht nur ein Sohn, sondern ein Typus des Messias ben Jossef.
- Parascha ‚schemot‘ = „Namen“ - 8. Januar 2026
- Parascha ‚waJigasch‘ וַיִּגַּשׁ = „(da) trat er (ihm) entgegen“ - 31. Dezember 2025
- Parascha ‚miKez‘ מִקֵּץ = „zum Ende (hin)“ - 17. Dezember 2025

