Parascha ‚waJera‘ – וַיֵּרָא „dann erschien (der Ewige)“
Parascha ‚waJera‘ – וַיֵּרָא „dann erschien (der Ewige)“ – 1. Mo. 18, 1 – 22, 24;
V1) Dann erschien וַיֵּרָא waJera der Ewige ihm bei den Terebinthen Mamres, während er in der Hitze des Tages am Eingang des Zeltes saß.
Hier folgt ein Überblick dieser wöchentlichen Tora-Lesung
1.Mose 18, 1–33: Besuch der drei Männer und Fürbitte für Ss‘dom
Drei Männer erschienen Avraham, der sie gastfreundlich bewirtete; einer kündigte die Geburt Jizchaks an; Ssara lacht; Elohim offenbarte Avraham das bevorstehende Gericht über Ss‘dom; Avraham bat für die Gerechten in der Stadt und verhandelte mit Elohim über die Zahl der Gerechten;
1. Mose 19, 1–38: Zerstörung Ss‘doms und Rettung Lots
Zwei Engel kamen nach Ss‘dom; Lot nahm sie auf; die Männer der Stadt wollten sie missbrauchen; Lot bot seine Töchter an; die Engel retteten Lot und seine Familie; Ss‘dom und Gomorra wurden zerstört; Lots Frau schaute zurück und wurde zur Salzsäule; Lots Töchter zeugten mit ihm Nachkommen – Mo‘av und Ammon;
1. Mose 20, 1–18: Avraham und Ssara in Gerar
Avraham gab Ssara erneut als seine Schwester aus; König Avi-melech nahm sie, wurde aber im Traum gewarnt; Elohim schützte Ssara und öffnete die Mutterschöße der Frauen in Avi-melechs Haus nach ihrer Rückgabe;
1. Mose 21, 1–34: Geburt Jizchaks und Vertreibung Hagars
Ssara gebar Jizchak; Hagar und JischmaEl wurden auf Ssaras Wunsch hin fortgeschickt; Elohim sorgte für Hagar und JischmaEl in der Wüste; Avraham schloß einen Bund mit Avi-melech in Be’er Scheva;
1. Mose 22, 1–24: Bindung Jizchaks (akeda)
Elohim prüfte Avraham und forderte die Opferung Jizchaks; Avraham gehorchte, doch ein Engelsbote hielt ihn zurück; ein Widder wurde anstelle Jizchaks geopfert; Elohim segnete Avraham wegen seines Gehorsams; die Nachkommen von Avrahams Bruder Nachor wurden genannt;
In dieser Tora-Lesung möchte ich mit euch die Verwandschaften des israelischen Volkes mit seinen Nachbarn betrachten.
Wir lesen zusammen 1. Mo. 19, 3-38:
V30) Lot aber zog von Zoar[1] hinauf und wohnte im Gebirge, [er] und seine beiden Töchter mit ihm; denn er fürchtete sich in Zoar zu wohnen. [Darum] wohnte er in einer Höhle, er und seine beiden Töchter.
V31) Da sprach die Erstgeborene zu der Jüngeren: „Unser Vater ist alt, und es gibt keinen Mann im Land, der zu uns eingehen könnte nach der Weise aller Welt.
V32) Komm, lass uns unserem Vater Wein zu trinken geben und bei ihm liegen, damit wir von unserem Vater Nachkommenschaft am Leben erhalten!“
V33) Dann gaben sie ihrem Vater in jener Nacht Wein zu trinken, und die Erstgeborene ging hinein und legte sich zu ihrem Vater; er aber merkte weder [etwas] von ihrem Niederlegen noch von ihrem Aufstehen.
V34) Und es geschah am Morgen, da sprach die Erstgeborene zu der Jüngeren: „Siehe, ich habe mich gestern nachmittag – אֶמֶשׁ emesch zu meinem Vater gelegt. Lass uns ihm auch diese Nacht Wein zu trinken geben, dann geh hinein, liege bei ihm, damit wir von unserem Vater Nachkommenschaft am Leben erhalten!“
V35) Da gaben sie auch in dieser Nacht ihrem Vater Wein zu trinken, und die Jüngere stand auf und lag bei ihm. Wieder merkte er weder [etwas] von ihrem Niederlegen noch von ihrem Aufstehen.
V36) [So] wurden die beiden Töchter Lots von ihrem Vater schwanger.
V37) Dann gebar die Erstgeborene einen Sohn, dem sie ihm den Namen Mo‘av מוֹאָב gab. Der ist der Vater von Mo’av bzw. den Mo‘avitern אֲבִי-מוֹאָב bis auf diesen Tag.
V38) Auch die Jüngere gebar einen Sohn, und sie gab ihm den Namen ben-ami – בֶּן–עַמִּי. [Denn] er ist der Vater der Kinder von Amon אֲבִי בְנֵי– עַמּוֹן bis auf diesen Tag.
= „Mo‘av“ bedeutet sichtlich „von (meinem) Vater“, und „ben-Ammi“ lässt sich als „Sohn meines Volkes“ bzw. „Sohn meines Verwandten“ verstehen.
Grammatisch leitet sich mo’av מוֹאָב aus me-av מֵאָב oder min מִן,das vor einem Wort mit Aleph (א) in der Regel zu „מֵ-“ me- verkürzt wird, nicht zu „mi-“; daher ist die korrekte grammatische Form מֵאָב = me-av = „von [meinem] Vater“; somit ist die Form „Moav“ מוֹאָב eine verschmolzene Form, die aus me-av wohl entstanden ist, dabei blieb das Aleph erhalten und die Vokalstruktur hat sich angepasst.
Wie oben schon erwähnt, heißt ben-ami בֶּן־עַמִּי wortwörtlich„Sohn meines Volkes“ oder „Sohn meiner Sippe“; das hebräische Wort am עַם kann auch „Verwandter“ oder „Großvater“ bedeuten, was eine alternative Deutung als „Sohn meines Verwandten“ erlaubt; ben-Ami ist der Stammvater der Amoniter.
- Lot war somit zugleich Vater und Großvater dieser beiden Kinder;
- die Geschichte erklärte die Herkunft zweier Völker, die später in Konflikt mit Israel stehen;
- trotz der negativen Konnotation blieb die Verwandtschaft mit Israel durch Lot als Neffe Abrahams bestehen. Anders ausgedrückt, für Lot war Abraham sein Onkel;
bnej-Amon בְּנֵי עַמּוֹן – „Söhne Amons“
- Amon (עַמּוֹן) ist hier ein Eigenname, der zum Stammesnamen wurde: die Amoniter;
- grammatisch ist Amon eine Ableitung von am (Volk), aber mit dem Suffix -on, das im Hebräischen meist ein Diminutiv = Verniedlichung gebraucht wird, hier bedeutet es → Völkchen;
- die jüngere Tochter wählte also eine verhüllende Formulierung, die den Inzest nicht direkt benennt, sondern auf die familiäre Zugehörigkeit verweist;
- die Form Amon kann also als „kleines Volk“ verstanden werden;
- die Wahl des Namens durch die Tochter und die spätere Bezeichnung des Volkes als „Amoniter“ zeigt eine bewusste sprachliche Milderung im Vergleich zu „Mo‘av“ („von meinem Vater“).
- Moabiter: mit offener Inzestbezeichnung → moralisch negativ;
- Amoniter: mit verhüllter Bezeichnung → etwas milder;
- die Namensgebung ist also nicht nur grammatisch, sondern auch ethisch-literarisch motiviert;
[1] 1. Mo. 19, 30: Zoʿar צֹעַר lässt sich vom hebräischen mizʿar מִצְעָר = „etwas Kleines“, „geringfügig“ ableiten; Zoar lag am südöstlichen Rand des Toten Meeres, nahe Sodom und Gomorra; Lot bat darum, dorthin fliehen zu dürfen, da es „klein“ sei und er den Weg dorthin schaffen könne, 1. Mo. 19, 20–22; die Entfernung zu Sodom wird auf etwa 5–8 km geschätzt – also ein realistisches Ziel für einen älteren Mann in Panik;
Euch allen ein herzliches SChabbat Schalom !
wer möchte kann sich auch den Stammbaum der Verwandschaft Abrahams des Volkes Israel mit den umliegenden Völkern und ebenso die Landkarte einzeln runterladen:

- Parascha ‚waJeschev‘ וַיֵּשֶׁב = „(Dann) wohnte/siedelte er“ - 11. Dezember 2025
- Parascha ‚waJeze‘ וַיֵּצֵא = „dann zog er aus“ - 27. November 2025
- Parascha ‚toldot‘ תּוֹלְדוֹת = „Geschlechterfolge/Nachkommenschaft“ – Teil 2 - 20. November 2025


Eliakim
9. November 2025 @ 12:35
Shalom. Elifas und Amalek sind keine Ischmaeliter sondern Edomiter.
Man sollte das Bild löschen oder verändern, denn es ist falsch. MfG
matti
9. November 2025 @ 13:53
oh ja Emil,
besten Dank, da ist mir leider ein Fehler unterlaufen. Das wird heute noch berichtigt! Gut aufgepasst. Kann man mal sehen wie schnell mal ein Fehler sich einbaut. Werde versuchen, es heute noch zu berichtigen!
Gruß Matti