Parascha ‚Pinchas‘ פִּינְחָס – 4 Mo. 25, 10 – 30, 1;
Brustschild des Hohepriesters = choschen-haMischpat mit ‘Urim und Tumim‘-Steinen
V10) Es redete der Ewige zu Mosche, indem er sprach:
V11) „Der Priester Pinchas פִּינְחָס, der Sohn El‘asars, des Sohnes Aharons, des Priesters, hat meinen Zorn von den Kindern Israel abgewendet, weil er in meinem Eifer mitten unter ihnen geeifert hat. Deswegen habe auch ich nicht die Kinder Israel in meinem Eifer vernichtet.“
Es folgt wieder ein kurzer zusammenfassender Überblick zu unserer Tora-Lesung:
Kp. 25, 10–18:
- Pinchas wurde für seinen entschlossenen Einsatz gegen das unmoralische Verhalten gelobt;
- der Ewige schenkte ihm den „Bund des Friedens“ und das Priesteramt;
- Elohim befahl Mosche, Rache an den Midianitern zu nehmen, weil sie eine Rolle bei der Verführung Israels spielten;
Kp. 26:
- dann wurde eine neue Volkszählung durchgeführt: insgesamt 601.730 Männer über 20 Jahre wurden gezählt; die Zählung diente als Vorbereitung auf die Landverteilung;
- auch der Stamm Lewi wurde gezählt: – 23.000 männlichen Lewiten;
- Rückblick auf die Generation, die aus Ägypten auszog: fast alle sind inzwischen verstorben;
Kp. 27, 1–11:
- die Töchter Zelofchads forderten ihr Erbrecht, da ihr Vater ohne Söhne verstarb;
- Mosche brachte die Frage vor Elohim, der ihnen das Recht auf Erbe zusprach – ein Meilenstein für Frauenrechte im TaNa’Ch;
Kp. 27, 12–23:
- Mosche wurde vom Ewigen angekündigt, dass er das Land nicht betreten wird, aber es vom Berg Avarim aus sehen darf;
- Mosche bat um einen Nachfolger für das Volk;
- Elohim bestimmte Jehoschua (Josua) als neuen Anführer; Mosche übertrug ihm öffentlich die Führung;
Kp. 28–29:
- Elohim befahl Mosche, die Opfergesetze für das ganze Jahr aufzuschreiben;
- es folgen detaillierte Angaben zu unterschiedlichen Opfern:
- tägliche Opfer (Tamid);
- Schabbat-Opfer;
- Rosch-Chodesch-Opfer;
- Festtagsopfer: Pessach, Schavu‘ot, Rosch-haSchana, Jom-Kippur, Sukkot und Schmini-Azeret;
Kp. 30, 1:
- kurzer Abschnitt zu Gelübden und Versprechen: Regeln zur Bindung durch Worte – vor allem bei Frauen in verschiedenen Lebenssituationen;
Heute beschäftigen wir uns hier mit der Übergabe zur Nachfolge Mosches, die auf Josua (Jehoschua) dann öffentlich in einer Zeremonie übergeben wurde.
4. Mo. 27, 12 – 23:
V12) Der Ewige sprach zu Mosche: „Steige dort auf das Gebirge Avarim, damit du das Land beschauen [kannst], das ich den Kindern Israel gegeben [bzw. versprochen] habe!
V13) Nachdem du es geschaut hast, wirst du auch zu deinen Völkern versammelt werden, gleich wie dein Bruder Aharon versammelt wurde.
V14) [Das geschieht aus dem Grund,] weil ihr euch in der Wüste Zin צִן im Streit der Gemeinde/Zeugenschaft (merivat-haEda) meinem Befehl widersetzt hattet, [nämlich] mich durch das Wasser vor ihren Augen als heilig zu erweisen – das ist das Wasser des Streits mej-haMeriva bei Kadesch in der Wüste Zin צִן.
V15) Dann redete Mosche zum Ewigen sprechend:
V16) „Der Ewige, [der] ein Elohim der [Lebens-]Geister allen Fleisches אֱלֹהֵי הָרוּחֹת לְכָל-בָּשָׂר Elohhej haRuchot leChol bassar [ist], möge einen Mann über die Gemeinde עֵדָה eda (wörtlich: „Zeugenschaft“, abgeleitet von עֵד ed = „Zeuge“) bestimmen/ins Amt setzen:
V17) [Jemand], der vor ihnen her [zum Kampf] auszieht, der vor ihnen her [ins Lager] einzieht, [also jemand,] der sie ausführt und sie einführt, damit die Gemeinde des Ewigen עֲדַת יְהוָה edat-Adonaj nicht wie eine Kleinviehherde (aus Schafen und Ziegen bestehend) ist/sei, die [etwa] keinen Hirten haben!“
V18) Der Ewige antwortete dem Mosche: „Nimm dir Je’hoschua יְהוֹשֻׁע, den Sohn des Nun, einen Mann, in dem der Geist [Elohims] רוּחַ ruach ist. Auf ihn stütze סָמַכְתָּ ssamachta deine Hand!“
V19) [Daraufhin] stellte er ihn vor den Priester El‘asar אֶלְעָזָר und vor die ganze Gemeinschaft/Zeugenschaft עֵדָה eda, und beauftrage ihn vor ihren Augen:
V20) (Nun] legte er [einen Teil von] seiner (deiner) Würde/Authorität הוֹד hod auf ihn, damit die ganze Gemeinde/Zeugenschaft der Kinder Israel ihm gehorchen würde!
V21) [Weiter] sollte er vor den Priester El‘asar treten, der für ihn die Urteilsfällung durch [die Losbefragung] der Urim [und Tumim] vor dem Ewigen durchführen soll: Auf seinen (Jehoschuas) Befehl (hin] sollen sie ausziehen, und auf seinen Befehl sollen sie einziehen, er und alle Kinder Israel mit ihm, ja, die ganze Gemeinde/Zeugenschaft.
V22) Also tat Mosche so, wie der Ewige ihn angewiesen hatte: er nahm Jehoschua, den er vor den Priester El‘asar und vor die ganze Gemeinde/Zeugenschaft stellte.
V23) Er (Mosche) stützte/stemmte יִּסְמֹךְ jissmoch seine Hände auf ihn, um ihn [für sein Amt/Dienst] zu beauftragen (bzw. Anweisungen zu erteilen), gemäß dem wie der Ewige durch Mosche geredet hatte.
= nähere Erklärung zur Amtsübergabe: der Leiterschaft durch Mosche an Jehoschua (Josua):
Die hier dargestellte Amtseinführung als Übergabe Mosches an Jehoschua ist auch eine Bevollmächtigung zu seinem Amt, die öffentlich vor den Augen des Volkes Israel stattfand.
1) Zunächst befragte Mosche den Ewigen, wer sein Nachfolger werden sollte. Die Antwort: Josua/Jehoschua, der bereits sein (einziger) Schüler gewesen war.
2) Weiter erhielt Mosche nun Anweisungen wie diese „Staffelübergabe“ als Amtsnachfolge und Ordination stattfinden sollte: Mosche habe ihn vor den Hohepriester El’asar und ebenso vor die Augen des Volkes zu bringen und zu stellen. Dann in aller Öffentlichkeit sollte Mosche ihn bevollmächtigen und teilhaftig auf ihn seine Authorität übertragen. Das geschah durch die Handauflegung Mosches auf das Haupt Jeschoschuas:
Die hebräische Bezeichnung dafür ist Ssmicha סְמִיכָה. Die Wurzel ergibt sich aus dem Verb dieses Wort ssamach סָמַךְ und bedeutet: „stützen“, „lehnen“ oder „auflegen“.
Smicha hat zwei zentrale Bedeutungen im Judentum:
1. rabbinische Ordination
- die formelle Einsetzung eines Rabbiners;
- symbolisiert die Übertragung von religiöser Autorität;
- geht historisch auf Mosche zurück, der seine Hände auf die Ältesten legte – 4. Mo. 11, 16 – 30;
2. das Auflegen der Hände im Tempeldienst
- vor dem Opfer im Tempel stützte/stemmte der Opfernde seine Hände auf das Tier;
- dies symbolisierte die Übertragung der eigenen Sünden auf das Tier;
- es war ein Akt der Reue und spirituellen Reinigung;
Das Ritual der Ssmicha סְמִיכָה am Jom Kippur war eines der tiefgründigsten und symbolträchtigsten Elemente im jüdischen Tempeldienst. Es verband die physische Handlung mit der spiritueller Bedeutung – und spielte sich in einem dramatischen Moment ab. Dabei brachte der Hohepriester zwei identische Ziegenböcke vor den Ewigen, und durch das Los wurde entschieden:
- der eine Ziegenbock wurde für JHWH geopfert;
- der andere wurde nach „Asasel“ in die Wüste geschickt – beladen mit den Sünden des Volkes Israel;
- doch bevor dieser in die Wüste nach „Asasel“ geschickt oder entlassen wurde (östlich von Jerusalem, wurde die Ssmicha mit dem Aufstützen der Hände und Arme des Hohepriesters auf den Kopf des Tieres vollzogen. Dazu wurden:
- alle Sünden, Vergehen und Fehler des Volkes Israel gebeichtet;
- diese wurden symbolisch auf den Bock übertragen;
- erst danach wurde der Bock in die Wüste geschickt, zu einem Ort namens „Asasel“ עֲזָאזֵל – oft als Dämon, Schlucht oder „Hölle“ gedeutet;
Somit ist die Ssmicha mehr als ein Ritual – sie ist ein Akt der kollektiven Umkehr, und weil sie auch eine Bereinigung darstellt ist sie auch quasi ein Neubeginn.
Hier in unserem Text jedoch ist die Ssmicha des Mosche auf Jehoschua das Symbol der Authoritätsübertragung.
3) Diese Amtübertragung sollte künftig mit der stetigen Befragung durch den Hohepriester mittels eines Losverfahrens der „Urim und Tumim“ אוּרִים וְתֻמִּים urim weTumim geschehen.
Es folgt die Erklärung dieser Lose:
Urim אוּרִים = „Lichter“, „Erleuchtung göttlicher Offenbarung“; von Sg. אוֹר or = „Licht“;
Tumim תֻמִּים = „Vollkommenheiten“, von Sg. תֻּם tum bzw. תָּם tam = „vollständig“, „rein“, „unschuldig“. In der Pluralform hier steht dieser Begriff für Wahrhaftigkeit, Integrität und Rechtschaffenheit.
Buber und Rosenzweig übersetzten „die Lichtenden und die Schlichtenden“ – dabei versuchten sie den Klang des Hebräischen als Reim auch in die deutsche Sprache zu übertragen.
Das betont die spirituelle Dimension: Licht als Erkenntnis, die Schlichtung durch das göttliche Urteil.
Sie wurden auf dem Brustschild חוֹשֶׁן הַמִּשְׁפָּט choschen-haMischpat des Hohepriesters getragen – 2. Mo. 28, 30; bei wichtigen Entscheidungen befragte der Hohepriester so Elohim.
Was diese Lose jedoch genau waren, dazu gibt es unterschiedliche Theorien:
- 2 unterschiedlich gefärbte Steine für „Ja“ und „Nein“ als Antwort;
- aufleuchtende Buchstaben auf dem Brustschild;
- spirituelle/geistliche Visionen, die der Kohen erhielt
- hier sind einige Beispiele, wo diese Losbefragung Erwähnung in der Schrift findet:
2. Mo. 28, 30; 3. Mo. 8, 8; 4. Mo. 27, 21; 4./5. Mo. 33, 8; Esra 2, 63;
Nech. 7, 65; 1.Sam. 28, 6;
Die Urim und Tumim verschwanden aus dem religiösen Gebrauch. Im Zweiten Tempels trug der Hohepriester zwar noch den Brustschild, doch die Befragung durch Urim und Tumim wurden nicht mehr praktiziert und gehandhabt.
Schabbat Schalom!
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