Parascha ‚waJakhel‘וַיַּקְהֵל = „und er versammelte“
das Logo der Bezal’el Academy of Arts and Design, Jerusalem (1906 gegründet).
Verwendet als kulturelle Illustration zur Bedeutung von Bezal’el als Urbild des biblischen Kunsthandwerkers.
Parascha ‚waJakhel‘ וַיַּקְהֵל = „und er versammelte“ – 2. Mo. 35, 1 – 38, 20;
V1) Und Mosche versammelte וַיַּקְהֵל waJikhal die ganze Gemeinde der Kinder Israel und sprach zu ihnen: „Dies sind die Worte, die der Ewige zu tun geboten hat:
Es folgt wieder ein zusammenfassender Überblick:
Kp. 35
- Mosche versammelte die ganze Gemeinde Israels, V1;
- Erinnerung an das Schabbatgebot: sechs Tage Arbeit, der siebte Tag ist heilig, V2–3;
- Aufruf zu freiwilligen Gaben für das Heiligtum, V4–9;
- Auflistung der benötigten Materialien und Geräte, V10–19;
- das Volk brachte reichlich freiwillige Spenden von Männern und Frauen, V20–29;
- Berufung von Bezal‘El und Oholiav, welche mit Weisheit und Kunstfertigkeit erfüllt waren, V30–35;
Kp. 36
- Bezal‘El, Oholiav und die kunstfertigen Männer begannen die Arbeiten, V1–2;
- das Volk brachte weiter Spenden, bis Mosche Einhalt gebot, V3–7;
- Herstellung der Teppiche, Decken und Bretter des Heiligtums, V8–30;
- Anfertigung der Querbalken, Verbindungen und Vorhänge, V31–38;
Kp. 37
- Bezal‘El fertigte die Lade mit Deckel und Cherubim, V1–9;
- Herstellung des Tisches für die Schaubrote, V10–16;
- Anfertigung des Leuchters, V17–24;
- Herstellung des Räucheraltars, V25–28;
- Zubereitung des heiligen Salböls und des Räucherwerks, V29;
Kp. 38
- Bau des Emporopfer-Altars aus Kupfer, V1–7;
- Herstellung des Beckens aus den Spiegeln der Frauen, V8;
- Anfertigung des Vorhofs mit Säulen und Vorhängen, V9–20;
- Auflistung der verwendeten Materialien: Gold, Silber, Kupfer, V21–3;
Diesmal wollen wir einen näheren Blick auf die ausgewählten Erbauer der Stiftshütte werfen, welche Aussagen die Tora uns dazu gibt.
Kp. 35
V30) Darauf sagte Mosche zu den Kindern Israel: „Seht, der Ewige hat Bezal’El בְּצַלְאֵל, den Sohn Uris אוּרִי, des Sohnes Churs חוּר, vom Stamm Jehuda יְהוּדָה, mit Namen berufen
V31) [so dass] er ihn mit dem Geist Gottes erfüllt hat, [dazu] mit Weisheit חָכְמָה chochma, Einsicht תְבוּנָה tvuna und Wissen/Können דַעַת da’at sowie mit aller Fertigkeit [in der Kunstarbeit] בְכָל-מְלָאכָה bechol-malacha
V32) und zwar Pläne zu entwerfen, um in Gold, Silber und Bronze zu arbeiten.
V33) Auch im Schneiden von Steinen zum Einsetzen und mit der Holzschnitzerei [hat er ihn begabt], damit er in jedem künstlerischen Werk arbeiten kann.
V34) Dazu hat er ihm [die Gabe] zu unterweisen ins Herz gelegt, ihm und Oholiav אָהֳלִיאָב dem Sohn des Achi’ssamach אֲחִיסָמָךְ, vom Stamm Dan דָן.
V35) Er hat sie mit Weisheit des Herzens חָכְמַת-לֵב chochmat-lev (= Begabungen) erfüllt, um jeden Plan eines Schneidekünstlers מְלֶאכֶת חָרָשׁ malachat-charasch oder Wirkers חֹשֵׁב choschev oder Stickers רֹקֵם in himmelsblauem, (und) rotem Purpur, Karmesinstoff und in Byssus, sowie eines Webers auszuführen, die allerlei Arbeit ausführen und sinnreiche [Pläne] entwerfen.
„Bezal’El בְּצַלְאֵל, dessen Name ‚im Schatten Els‘ bedeutet, arbeitete als jemand, der unter dem Schutz und der Nähe des Ewigen steht – ein Mensch, der die Stiftshütte nicht nur baute, sondern sie aus der göttlichen Inspiration heraus formte, die ihn umhüllte.
Oholi‘av אָהֳלִיאָב, dessen Name ‚Zelt des Vaters‘ bedeutet, ist wie jemand, der im Haus Gottes zuhause war. Sein Name spiegelt seine Aufgabe wider: Er gestaltete das ‚Zelt der Begegnung‘ mit einer Vertrautheit, die aus der Nähe zum Vater selbst erwuchs.
Bezal’El und Oholi‘av – Berufung, Zerbruch und Neubeginn im Licht des erneuerten Bundes
Die Tora beschreibt die Berufung Bezal’Els und Oholi‘avs in 2. Mo. 31,1–6 als einen Akt direkter göttlicher Erwählung. Noch während Mosche auf dem Berg Ssinaj war und die ersten Tafeln empfing, nannte der Ewige ihm bereits die beiden Männer, die den Mischkan bauen sollten: Bezal’El, Sohn Uris, Enkel Churs, aus dem Stamm Jehuda, und Oholi‘av, Sohn Achi-ssamachs, aus dem Stamm Dan. Bezal’El wurde vom Ewigen „mit dem Geist Gottes erfüllt“ – mit Weisheit, Einsicht, Erkenntnis und außergewöhnlicher Kunstfertigkeit. Er sollte die Bundeslade, die Menora, die Altäre, die Geräte und alle kunsthandwerklichen Arbeiten gestalten. Oholi‘av wurde ihm „zur Seite gestellt“ und erielt besondere Begabung für die Textilkunst: für das Efod, das Brustschild, die Vorhänge und die Gewänder des Priestertums. Beide besaßen nicht nur handwerkliche Meisterschaft, sondern auch die Gabe, andere anzuleiten und zu lehren.
Doch diese erste Berufung stand noch unter dem Zeichen des ursprünglichen Bundes, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht an das Volk übergeben worden war. Während Mosche auf dem Berg war, fiel Israel in den Götzendienst mit dem Goldenen Kalb. Als Mosche vom Berg herabstieg und den Abfall sah, zerbrach er die Tafeln – ein dramatisches Zeichen dafür, dass der Bund bereits gebrochen worden war, bevor er überhaupt begonnen hatte. Israel stand nun unter Gericht, und der Bau des Heiligtums rückte in weite Ferne.
Erst nach Fürbitte, Reinigung und erneuter Hinwendung stieg Mosche ein zweites Mal auf den Berg. Dort offenbarte Elohim ihm seine Herrlichkeit in Form seiner „ganzen Güte“ und gab ihm die zweiten Tafeln. Die rabbinische Tradition datiert diesen Tag auf Jom Kippur, den Tag der Versöhnung. Mit diesen zweiten Tafeln wurde der Bund erneuert – nicht als Fortsetzung des ersten, sondern als Neuanfang aus Gnade.
Erst jetzt, Monate nach dem Abfall, rief Mosche das Volk zusammen. In 2. Mo. 35, 30–35 wiederholte er die Berufung Bezal’Els und Oholi‘avs. Diese Wiederholung war keine bloße Erinnerung, sondern eine Bestätigung: Elohims ursprünglicher Plan galt weiterhin. Der Mischkan wurde nicht als Projekt eines „unschuldigen“ Volkes gebaut, sondern als Werk eines versöhnten Volkes, das neu begonnen hat. Die Berufung der beiden Männer wurde bewusst in den erneuerten Bund hineingestellt.
Zwischen der ersten und der zweiten Erwähnung liegen etwa sechs Monate:
- der Abfall Israels,
- Mosches Fürbitte,
- der zweite Aufstieg,
- die Gabe der zweiten Tafeln an Jom Kippur,
- die Sammlung der Materialien als Hebe truma,
- und schließlich die Fertigstellung des Mischkan, der am 1. Aviv/Nisan des folgenden Jahres eingeweiht wurde.
Israel blieb insgesamt etwa ein Jahr am Ssinaj – vom ersten Erscheinen Gottes bis zur Einweihung des Heiligtums.
Die Zusammensetzung des Teams beinhaltet eine tiefe geistliche Botschaft: Bezal’El aus Jehuda, dem Stamm königlicher Führung, und Oholi‘av aus Dan, der in der rabbinischen Tradition als der „schwächste“ Stamm gilt, arbeiteten gemeinsam am Ort der göttlichen Gegenwart. Das Heiligtum entstand nicht aus der Kraft eines einzelnen Stammes, sondern aus der von Gott gewollten Zusammenarbeit der Verschiedenen. Der Höchste und der Niedrigste, der Starke und der Schwache – gemeinsam bauten sie den Ort, an dem der Ewige in Israels Mitte wohnen will. Die Gegenwart Elohims ist sommit nicht elitär, sondern gemeinschaftlich.
Messianische Deutungen:
- Bezal’El, dessen Name „im Schatten Gottes“ bedeutet, kann man Hinweise auf den Messias selbst erkennen, der unter dem ‚Schatten des Höchsten‘ wirkte und den Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch erschuf.
- Oholi‘av, „Zelt des Vaters“, kann man ein Bild für das Wirken des Geistes im Leib des Messias erkennen, der die Schönheit und Würde des Heiligtums gestaltete.
- die Verbindung von Jehuda und Dan ist ein Bild für die Einheit Israels unter dem Messias, in dem alle Stämme ihren Platz finden.
So wird die doppelte Berufung Bezal’Els und Oholi‘avs zu einem geistlichen Schlüssel:
Der Mischkan ist nicht nur ein Ort der Gegenwart Elohims, sondern ein Zeichen der Versöhnung, der Treue Gottes und des Neuanfangs. Er entsteht aus Gnade – und wird von Menschen gebaut, die selbst Gnade erfahren haben.
Wenn wir auf Bezal’El und Oholi‘av schauen, erkennen wir ein Muster, das sich durch die ganze Schrift zieht: Gott beruft Menschen nicht erst dann, wenn alles in ihrem Leben geordnet ist, sondern gerade mitten durch Zerbruch hindurch. Israel erlebte am Ssinaj Schuld, Scham und Neuanfang – und genau dort setzte Gott wieder an. Er bestätigte dieselben Männer, dieselben Gaben, denselben Auftrag. Sein Plan blieb bestehen, auch wenn wir zwischendurch scheitern.
Das Neue Testament greift diesen Gedanken auf und führt ihn weiter. Es sagt, dass Elohim in Jeschua „unter uns wohnt“ – wörtlich: sein Zelt unter uns aufschlägt, Jh. 1, 14. Und es beschreibt, dass wir selbst zu einem lebendigen Tempel werden sollen, in dem Gottes Geist wohnt: 1. Kor. 3, 16; Eph. 2, 21–22. Der Mischkan wurde damit zu einem Spiegel unseres eigenen Weges: Auch in uns gibt es Momente des Zerbruchs – und doch geht Gott nicht auf Distanz, sondern nähert sich uns. Er erneuert, erfüllt und schenkt einen neuen Anfang.
Vielleicht ist das die stille Einladung dieser Parascha:
dass wir uns wie Bezal’El und Oholi‘av neu an unseren Platz stellen lassen – mit dem, was wir können, und mit dem, was wir nicht können. Gott baut sein Heiligtum nicht mit perfekten Menschen, sondern mit erneuerten Herzen. Und jeder von uns trägt etwas bei zu dem Ort, an dem Er heute wohnen will.
Habt einen gesegneten Schabbat !
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