Parascha ‘waEtchanan’

wunderschöne ‘Mesusa‘
an jedem jüdischen Hauseingang und an jedem Eingang einer Synagoge ist am Türpfosten bzw. -rahmen eine ‘Mesusa‘ befestigt, die in ihrem Innern eine kleine Papierrolle enthält, auf der bestimmte Verse der Tora geschrieben stehen.
die Parascha ‚waEtchanan‘ – וָאֶתְחַנַּן = “und (Mosche) flehte (den Ewigen) an”:
– 5. Mo. 3, 23-7, 1;
Mit diesem Tora-Abschnitt beginnt Mosches zweite (Abschieds-)Rede (von insgesamt drei Reden), die er in der Ebene Moavs gegenüber Jericho an die neue Generation Israels richtete. Diese Rede erstreckt sich jetzt über den Großteil der kommenden Tora-Abschnitte:
- ‚waEtchanan‘ – 5. Mo. 3, 23 – 7, 11;
- ‚ekew‘ – 5. Mo. 7, 12 – 11, 25;
- ‘re’eh’ – 5. Mo. 11, 26 – 16, 17;
- ‚schoftim‘ – 5. Mo. 16, 18 – 21, 9;
- ‚ki-teze‘ – 5. Mo. 21, 10 – 25, 19;
- ‚ki-tavo‘ – 5. Mo. 26, 1- 29, 8;
Diese Parascha beginnt mit Mosche‘s damaligem Flehgebet hebr. ‚hitchanan‘, ihn doch ins Gelobte Land jenseits des Jordans einwandern lassen zu dürfen, um die sieben Völkerschaften (Stämme) Kanaans zu beenden, trotz seiner Sünde bei Meriva. Nach der jüdischen Überlieferung flehte Mosche den Ewigen auf 515 verschiedene Arten an, um für seine Sünde einen Freibrief zu erhalten. Diese Zahl ergibt sich aus der Gematria des Wortes „waEtchanan“. Diese Bitte wurde aber von JaH abgewiesen (5. Mo. 3, 24 – 29;). Nein, Mosche sollte den Tod erlangen und mit den Männern seiner Generation in der Wüste sterben. Doch ihm wurde die Gelegenheit gewährt, wenigstens das Land der Verheißung von der Anhöhe der moabitischen Berge, vom Gipfel des Berges Nevo (auch ‚Pisga‘ genannt, von ‚pasag‘ = „dazwischen gehen“ sehen zu dürfen. Es folgt die Einsetzung Je’hoschuas‘ (Josuas) zum nachfolgenden Führer Israels: 5. Mo. 3, 28;
Aufforderung zum Gehorsam
Da die Israeliten im Begriff waren, das Land ohne ihn in Besitz zu nehmen, forderte Mosche das Volk auf, die Gebote des Ewigen ernsthaft einzuhalten: 5. Mo. 4,
V1) „Und nun, Israel, höre – schma auf die Satzungen – חֻקִּים chukim und die Rechtsbestimmungen – מִּשְׁפָּטִים mischpatim, die ich euch heute lehre, damit ihr sie tut. Somit werdet ihr leben und hineinkommen, um das Land in Besitz zu nehmen, das der Ewige, der Elohim eurer Väter, euch geben wird!“
Daran schließt Mosche an, den Geboten der Tora weder etwas hinzuzufügen noch etwas hinwegzulassen. Denn das Hinzufügen und Hinweglassen zu den Tora-Geboten führt unweigerlich zu einer Verzerrung ihrer ursprünglichen Absicht, was dann letztlich zum Ungehorsam gegenüber Elohims klaren Anweisungen führt. Das Halten und Tun der Gebote wird dem Volk aber Weisheit (chochma) und Verständnis/Einsicht (bina) vermitteln (V6) – und dies wird den Ewigen vor allen Völkern verherrlichen: V7-8.
V11) Der Berg aber brannte im Feuer bis ins Herz des Himmels – עַד-לֵב הַשָּׁמַיִם ad lev-haSchamajim: [es war] Finsternis, Gewölk und Dunkel.
ט רַק הִשָּׁמֶר לְךָ וּשְׁמֹר נַפְשְׁךָ מְאֹד פֶּן-תִּשְׁכַּח אֶת-הַדְּבָרִים אֲשֶׁר-רָאוּ עֵינֶיךָ וּפֶן-יָסוּרוּ מִלְּבָבְךָ כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ וְהוֹדַעְתָּם לְבָנֶיךָ וְלִבְנֵי בָנֶיךָ:
rak hischamer lecha u’schemor nafschecha me’od pen-tischkach et-haDvarim ascher-ra’u….
V9) „Nehmt euch [ja nur] in Acht und achtet peinlich genau auf euch, damit ihr nicht vergesst, was ihr gesehen habt...“
= Mosche ermahnt Israel dazu, die Matan Tora, die Offenbarung der Tora, niemals zu vergessen. Deswegen muss Israel überall daran denken und es seinen Kindern einschärfen.
כד כִּי יְהוָה אֱלֹהֶיךָ אֵשׁ אֹכְלָה הוּא אֵל קַנָּא: פ
5. Mo.4, 24: Denn der Ewige, dein Elohim, ist ein verzehrendes Feuer. Darum ist er el-kana – אֵל קַנָּא.
Weil der Ewige – יְהוָה ein el-kana, eifersüchtiger oder eifernder El ist, darum ist er wie ein verzehrendes Feuer.
Diese Bezeichnung als ‘El-kana’ wird an anderen Stellen in der Schrift wiederholt, z. B. in 2. Mo. 34, 14; 5. Mo. 5, 9 u. 6, 15; 1. Kön. 19, 10; Dies wird in Erinnerung an die „Hochzeitszeremonie“ zwischen Israel und seinem Elohim ausgesagt. Ein Israelit, der sich dem Götzendienst hingibt, ist wie ein Ehepartner, der vorsätzlich Ehebruch begeht: in der Tat ist der Götzendienst eine Form des geistlichen Ehebruchs. Der Ewige wacht liebevoll und aufmerksam über Israel, wie ein treuer und leidenschaftlicher Ehemann über seine geliebte Frau wacht.
Mit erstaunlicher Präzision sagt Mosche die Galut (Exil) des jüdischen Volkes schon damals voraus und die letztendliche Erlösung des jüdischen Volkes in den letzten Tagen b’acharit-haJamim.
Die Folgen der „Avodah sara“, des Götzendienstes, prophezeite Mosche in den folgenden Versen voraus: V25-28) Wenn sie später ihren Herrn vergessen und den Nicht-Göttern dienen würden, dann wird dies zu den Konsequenzen führen, dass die Israeliten aus dem verheißenen Land vertrieben und ins Exil (galut) geführt würden. Doch wenn sie sich dann dem Ewigen zurückwenden, ihm von ganzem Herzen und mit ganzer Seele tschuva (Rückkehr/Buße) tun würden, dann wird Adonai mit ihnen gnädig sein: V29.
Mosche bezieht sich auf die Bundesverheißung, die der Ewige mit Avraham geschlossen hat. Darauf stützend ist das die Grundlage des Allmächtigen für seine endgültige Barmherzigkeit: die Wiederherstellung seines Volkes in den „letzten Tagen“ (b‘acharit-haJamim). Zu beachten ist, dass diese Wiederherstellung Israels aus seinem langen Exil nur b’Zar lecha – בַּצַּר לְךָ wenn sie in Bedrängnis sind geschehen wird: V30;
In den VersenV41-43: werden von Mosche drei Zufluchtstädte auf der östlichen Seite des Jordan benannt: 1.) Bezer in der Wüste; 2.) Ramot im Gebiet von Gil’ad; 3.) Golan im Territorium von Baschan.
5. Mo. 5, 1-5:
V1) Mosche rief nun ganz Israel zusammen, um zu ihnen zu reden: „Höre, Israel, die Satzungen und die Rechtsbestimmungen, die ich euch heute zu Ohren rede! Lernt sie und achtet darauf, sie zu tun!
V2) Der Ewige, unser Elohim, hat am Chorev (= Berg Sinaj) einen Bund mit uns geschlossen.
V3) Nicht mit unsern Vätern (allein) hat der Ewige diesen Bund geschlossen, sondern (auch) mit uns, die wir heute hier alle am Leben sind:
V4) Von Angesicht zu Angesicht hat der Ewige auf dem Berg mitten aus dem Feuer mit euch geredet,
V5) während ich zwischen dem Ewigen und euch stand zu jener Zeit, damit ich euch das Wort des Ewigen verkünden würde. Ihr fürchtetet euch vor dem Feuer, weshalb ihr nicht auf den Berg gestiegen seid, als er sprach.
= Jeder von uns soll sich auch heute so betrachten, als habe er persönlich an den dramatischen Ereignissen am Sinai teilgenommen. Auch wir Gläubige in Jeschua, den Messias, müssen uns das vergegenwärtigen, dass wir damals mit dem Volk Israel am Berg Sinaj gestanden haben.
V11) Da tratet ihr hinzu und standet unten am Berg. „Du hörtest seine Stimme aus dem Feuer und dem Rauch. Die Stimme des Ewigen verkündete seinen Bund, den er euch zu erfüllen befahl, nämlich die Zehn Gebote, und er schrieb sie auf zwei Tafeln aus Stein:
Hier an dieser Stelle wird der Dekalog, die zehn Worte – עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים asseret–haDvarim‘ (5. Mo. 4, 13) aus 2. Mo. 20 mit leichten Abänderungen wiederholt: 5. Mo. 5, 6 – 21;
Zusätzlich zu den Zehn Geboten wurde Mosche befohlen, dem Volk verschiedene chukim u’mishpatim – „Satzungen und Gesetzesurteile“ – beizubringen, die in dem Land, das der Ewige Israel geben wird, zu beachten sind:
Vor allem ist dem Volk jeglicher Götzendienst, ‚avoda sara‘ – עֲבוֹדָה זָרָה (= wörtlich: „fremder Dienst“ untersagt. Der Ewige ist absolut einzigartig und ohne Gleichen im Universum. Er kann nicht mit irgendeinem Bildnis oder Kunstwerk dargestellt werden. Er ist nicht mit dem physischen Universum zu identifizieren, sondern steht in Beziehung zu ihm als Schöpfer und Ewiger.
Es folgt in kp. 6 das „schma Israel“ – שְׁמַע יִשְׂרָאֵל = „Höre Israel“ (5. Mo. 6, 4ff) mit der Pflicht, Elohim zu lieben und seine Tora zu studieren; angeschlossen das Gebot der Tfilin – תְּפִלִּין (5. Mo. 6, 7-8;) und der Mesusot – מְזוּזוֹת (5. Mo. 6, 9).
An dieser Stelle beende ich die Betrachtung dieser Parascha.
Schabbat Schalom euch allen!
- Parascha ‚beMidbar‘ (= „in der Wüste“) – 4. Mo. 1 – 4; - 14. Mai 2026
- Parascha ‚beHar-ssinaj‘ בְּהַר סִינַי (=“auf dem Berg Ssinaj”) - 7. Mai 2026
- Teil 6 vom Pessach – vom 15. bis 17. Aviv - 30. April 2026
