Parascha ‚waEtchanan‘ וָאֶתְחַנַּן (= „dann flehte ich“) – 5. Mo. 3, 23 – 7, 11;
hier das Schma IssraEl-Gebet , links hebräisch und rechts die deutsche Übersetzung und die hebr. Aussprache in lateinischer Schrift.
V23) Dann flehte ich וָאֶתְחַנַּן waEtchanan zu jener Zeit zum Ewigen (um Erbarmen):
Es folgt hier wieder eine Zusammenfassung unserer Wochenlesung:
Kp. 3, V23–29:
- Mosche flehte inständig zum Ewigen, dass er doch ins Land Israel einziehen dürfe, V. 23–25;
- doch Elohim lehnte dies ab, erlaubte ihm aber, das Land vom Berg Pissga aus sehen zu dürfen, V. 26–27;
- nun wurde Mosche dazu beauftragt, Jehoschua (Josua) als seinen Nachfolger zu bestärken, V. 28–29;
Kp. 4
- es wird die Mahnung gegeben, die Gebote des Ewigen zu bewahren – und im Ausüben ihnen nichts hinzufügen oder hinweg zunehmen,V. 1–8;
- Rückblick auf die Offenbarung am Ssinaj (Chorev): dieser Bund darf nicht vergessen werden,V. 9–14;
- Warnung vor Götzendienst; Elohim ist unsichtbar und eifersüchtig,V. 15–24;
- Prophezeiung über ein zukünftiges Exil und die Rückkehr, wenn eine Umkehr erfolgt, V. 25–31;
- Betonung der Einzigartigkeit Elohims und der Erwählung Israels,V. 32–40;
- Einrichtung von drei Zufluchtsstädten im Ostjordanland,V. 41–43;
- Einleitung zur Wiederholung der Tora und geografische Einordnung, V. 44–49;
Kp. 5
- Erinnerung an den Bund am Ssinaj,V. 1–5;
- Wiederholung der Zehn Worte (Gebote) mit leichten Abweichungen zu 2. Mo. 20,V. 6–18;
- Volk bat Mosche, als Vermittler zu sprechen; Gott lobt ihre Ehrfurcht, V. 19–28;
- Aufruf zur Einhaltung der Gebote für ein gutes Leben im Land, V. 29–33;
Kp. 6
- Einleitung zur Liebe und Ehrfurcht vor dem Ewigen, V.1–3;
- Schma IssraEl und das Gebot den Ewigen zu lieben; Einführung der T‘fillin und Mesusa,V.4–9;
- Warnung vor dem Vergessen des Ewigen in Zeiten des Wohlstands,V.10–15;
- Mahnung, JaH nicht zu prüfen (wie in Massa geschehen),V.16–19;
- Erziehung zur Gottesliebe: die Gebote sollen an die nächste Generation weitergegeben werden,V.20-25;
Kp. 7
- radikale Abgrenzung von den kanaanitischen Völkern dadurch, dass: V1-5;
- sieben Völker vollständig vernichtet werden sollen;
- es keine Bündnisse und keine Heiraten mit ihnen gibt;
- Götzen und Kultstätten zerstört werden müssen – damit es keine Kompromisse mit fremden Kulten gibt;
- Israels Erwählung und Gottes Treue, V6-9;
- Israel ist das heilige Volk des Ewigen, aus Liebe und wegen des Eides mit den Vorvätern erwählt;
- Elohim ist treu denen gegenüber, die ihn lieben und seine Gebote halten – über tausend Generationen;
- Konsequenzen und Gebotstreue, V10-11;
- Wer Gott hasst, wird direkt bestraft;
- Israel soll alle Gebote gewissenhaft befolgen;
Weiter möchte ich heute mit euch den Fokus auf die Passage des Schma Israel setzen und die Bedeutung dieses Textes tiefer betrachten.
5. Mo. 6, 1-9:
V1) Dies ist das Gebot מִּצְוָה mizwa: [Haltet alle] Ordnungen חֻקִּים chukim und [all] die Rechtsbestimmungen מִּשְׁפָּטִים mischpatim, die der Ewige, euer Elohim, geboten hat, um euch zu lehren: führt sie aus in dem Land, in das ihr [davor steht] hineinzuziehen, um es in Besitz zu nehmen, [und]
V2) (damit)du den Ewigen, deinen Elohim, fürchtest/Ehrfurcht zollst תִּירָא tir’a alle Tage deines Lebens, [nämlich] dadurch, dass du alle seine Satzungen und (alle] seine Gebote bewahrst/hütest, die ich dir gebiete – du, dein Sohn und dein Enkel (der Sohn deines Sohns), so dass deine Tage (Leben) lange währen.
V3) Höre nun, IssraEl, und achte darauf, [sie] zu tun, damit es dir gutgeht und ihr sehr zahlreich werdet – wie der Ewige, der Elohim deiner Väter, zu dir geredet hat – in einem Land, das von Milch und Honig überfließt!
V4) Höre, IssraEl: Der Ewige ist unser Elohim, der Ewige ist echad – אֶחָד = einer/einzig!
ד שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהוָה אֱלֹהֵינוּ יְהוָה אֶחָד:
Schma IssraEl: Adonaj, Elohejnu, Adonaj echad!
V5) Darum sollst du den Ewigen, deinen Elohim, lieben von deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft/mit deinem ganzen Können. – Mk. 12, 29-30;
ה וְאָהַבְתָּ אֵת יְהוָה אֱלֹהֶיךָ בְּכָל-לְבָבְךָ וּבְכָל-נַפְשְׁךָ וּבְכָל-מְאֹדֶךָ:
= Dieser Verse 4 – ist das berühmte Schma IssraEl: es ist nicht nur ein zentraler Text aus der Tora, sondern das Herzstück des jüdischen Glaubens.
Die Aufforderung an das Volk Israel mit „schma“ = „höre“ hat noch eine tiefere Bedeutung. Denn das Wort schma שְׁמַע impliziert zugleich die Bedeutung „gehorchen“, also den Gehorsam des Einzelnen wie des ganzen Volkes.
Das Schma Israel ist letztlich mehr als ein Gebet, es ist das Glaubensbekenntnis zum Gott Israels, was praktisch jeder Jude kennt.
Traditionell wird es täglich 2 mal, morgens und abends, auf Hebräisch gebetet: Dabei handelt es sich um eine Passage, also einer Abfolge von Versen aus 5. Mo. 6, 4-9. Zusätzlich ist zwischen die Verse 4 und 5 noch ein Satz aus der Mischna, eingeschoben. Von Männern wird das Schma in Kombination mit angelegten Gebetsriemen (Tfillin) gebetet, die während des Gebetes getragen werden.
Hier sind einige Audio und youtube-Beiträge, die es euch leichter machen sollen dieses wichtige Gebet zu lernen und in euer Leben zu integrieren, falls dies noch nicht geschehen ist.
hier eine langsame Anleitung für absolute Beginner wie dieses Gebet in hebräisch gelesen wird!
Ich nehme an, dass die meisten Leser dieses Rundbriefes gläubige Christen mit nicht-jüdischem Hintergrund sind.
Leider ist das Denken unter christlichen Gläubigen sehr oft damit verbunden, dass man schnell abtut: „Ich bin doch kein Jude, also warum soll ich mich mit der Tora, mit dem Judentum und der hebräischen Sprache auseinandersetzen?“ Diese Denkweise aber verhindert für die meisten Gläubigen in ein tieferes Glaubensverständnis zu gelangen, dass jedem Juden damals wie heute grundlegend ist, genauso wie auch unserem Messias Jeschua.
Deswegen möchte ich hier an dieser Stelle jeden Leser dazu aufrufen und an euch appellieren, egal aus welchem religiösen Hintergrund er kommt: Bitte gebt euch Mühe. Lernt hebräisch, setzt euch mit der Tora und dem Tanach auseinander und lasst uns von Juden lernen, die immer schon die Hüter der Schrift waren.
Hier haben wir mit dieser Passage 2 Verse, die sollten wir unbedingt auswendig lernen, und zwar nicht nur in Deutsch, sondern auch in Hebräisch. In der Synagoge stellen diese Verse ein Kerngebet dar, die an jedem Tag zweimal – morgens und abends – aus dem Siddur (Gebetsbuch) rezitiert werden.
V6) Darum sollen diese Worte [der Tora und der Ehrfurchtsliebe zu Elohim], die ich dir heute gebiete, in deinem Herzen sein:
V7) [Auch] musst/sollst du sie deinen Kindern einschärfen שִׁנַּנְתָּם schinantem! Du sollst davon reden, [sowohl] wenn du in deinem Hause sitzt, [als auch] wenn du [Dich] auf dem Weg gehst [befindest], [auch] wenn du dich hinlegst [sowie] wenn du aufstehst.
V8) [Weiter] sollst du sie als Wunderzeichen – אוֹת ot auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen – טֹטָפֹת totafot (Buber: Gebind; Tur Sinaj: Wahrzeichen) zwischen deinen Augen sein, (= Gebot der Tfilin);
V9) und du sollst sie auf die Türpfosten – מְזֻזוֹת mesusot deines Hauses und an deine Tore schreiben. (= Gebot der Mesusot)
= Weil das Schma Israel so wichtig und zentral ist – nicht nur für Juden – sondern auch für uns als Nachfolger Jeschuas, des Messias – sollte dieses Gebet eben auch für uns eine zentrale Bedeutung in unserem Glaubensleben spielen:
Hier füge ich noch einige eindrückliche Zeilen ein, entnommen aus der Jüdischen Allgemeinen vom 5. 08.’25, aus denen die Bedeutung des Schma Israel noch einmal ganz anders deutlich wird:
Wenige Minuten, bevor die Kinder in einem Kloster einschliefen, betrat ein seltsam aussehender Mann den großen Schlafsaal. Außergewöhnlich wirkte er in der düsteren Atmosphäre des Klosters. Die erstaunten Blicke der Kinder verfolgten die Bewegungen des Fremden, der auf einen Stuhl stieg. „Schma Jisrael Haschem Elohejnu Haschem echad“, durchschnitt seine Stimme die gespannte Stille im Saal, in sanftem Tonfall und in der Melodie, wie jüdische Eltern sie ihren Kindern vor dem Schlafengehen vorsingen.
Die Kinder richteten sich langsam auf. Ein Murmeln ging durch den Saal. Nicht alle Kinder kannten die Worte, doch rollten Tränen über manche Wange. Die Äbtissin verstand nicht, wieso manche Kinder aus ihren Betten sprangen, zu dem fremden Mann liefen und an seinem schwarzen Rock zerrten. „Papa! Mama!“, „Tate! Mame!“, weinten sie.
Klöster Es war in der Zeit kurz nach der Schoa. Rabbi Josef Shlomo Kahneman (1886–1969)› der Leiter der Ponevezh-Jeschiwa in Litauen, besuchte viele Klöster in Europa, um jüdische Kinder aufzuspüren, die während des Krieges dort versteckt worden waren. Seine Absicht war es, diese Kinder in die jüdische Gemeinschaft zurückzuholen.
Die Klosterleitungen waren von diesem Vorhaben nicht begeistert und suchten nach Gründen, die Kinder in der eigenen Obhut zu behalten. „Fünf Minuten“, hatte die Äbtissin zu Rabbi Kahneman gesagt. „Fünf Minuten haben Sie, um hier jüdische Kinder zu finden.“
Doch die fünf Minuten reichten: Obwohl einige Jahre vergangen waren, seit die Kinder ihre Elternhäuser hatten verlassen müssen, erkannten die meisten das „Schma Jisrael“, das sie jeden Abend mit ihren Eltern gemeinsam vor dem Schlafengehen gebetet hatten. Auch die Schrecken der Schoa vermochten die Worte dieses Gebets nicht zu löschen, die in ihr Gedächtnis eingebrannt waren.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808–1888) meint: Dieses Gebet ist bis heute tief im jüdischen Unterbewussten verankert. Es ist wie ein im Herzen aufgerichteter Fahnenmast, der für die Überzeugung steht: Gott wird in Zukunft die Menschheit einen und versammeln. Das Schma ist der Rahmen, in dem sich das Leben eines Juden abspielt. Es wird bei seiner Geburt und bei seinem Tod gesprochen.
Egal, wo sich ein Jude auf dieser Erde befindet, er kennt den Segen des Schma und wird es seine Kinder lehren. Es soll in Fleisch und Blut übergehen und bedarf der täglichen Wiederholung. Es prägt die jüdische Bildung und Heiligung des Lebens für den Gott Israels. Selbst derjenige, der sein Judentum nicht praktiziert, bewahrt das Schma im Herzen. Und umgekehrt gilt: Dieses Bekenntnis zur Einheit und Einzigkeit des Ewigen bildet das pulsierende Herz des Judentums.
Schma Jisrael (Höre, Israel!) – welche tiefere Bedeutung hat dieses „Hören“? Rabbiner Hirsch erklärt: Das Hören schließt auch ein Sehen mit ein, wie es Mosche den Israeliten in Erinnerung ruft: „Du hast’s gesehen, auf dass du wissest, dass der Ewige allein Gott ist und keiner mehr“ (5. Buch Mose 4, 35).
Euch alles wünsche ich ein Schabbat Schalom!
- Parascha ‚beMidbar‘ (= „in der Wüste“) – 4. Mo. 1 – 4; - 14. Mai 2026
- Parascha ‚beHar-ssinaj‘ בְּהַר סִינַי (=“auf dem Berg Ssinaj”) - 7. Mai 2026
- Teil 6 vom Pessach – vom 15. bis 17. Aviv - 30. April 2026


