Parascha ‚truma‘ תְּרוּמָה(= “Erhebung, freiwillige Gabe”)
Parascha ‚truma‘ תְּרוּמָה(= “Erhebung, freiwillige Gabe”) -2. Mo. 25, 1 – 27, 19;
V2) „Rede zu den Kindern Israel, dass sie mir eine Hebegabe – תְּרוּמָה truma geben! [Nämlich] von [all] jedem, dessen Herz willig ist, nehmt mir eine Hebegabe.
Hier wieder eine Übersichtliche Zusammenfassung unserer Tora-Lesung:
Kp. 25 – Auftrag zur Errichtung des Mischkan und Liste der freiwilligen Gaben
- Israel soll freiwillige Gaben bringen: Gold, Silber, Bronze, Stoffe, Felle, Holz, Öl, Edelsteine, V1-9;
- Ziel: ein Heiligtum, damit Elohim inmitten Israels wohnt, V8-9;
- Beschreibung der Bundeslade: Akazienholz, Überzug aus Gold, Tragestäbe, Deckplatte mit zwei Cherubim, V10-22;
- die Lade soll im Allerheiligsten stehen, V21-22;
- Beschreibung des Schaubrottisches: Akazienholz, Goldüberzug, Ringe und Tragestäbe, Brote sollen immer darauf liegen, V23-30;
- Beschreibung des Leuchters Menora: reines Gold, ein Stamm, sechs Arme, Kelche, Knospen, Blueten, sieben Lampen, V31-40;
Kp. 26 – Das Zelt selbst: Stoffe, Bretter und Verbindungen
- Beschreibung der Zeltdecken: feines Leinen, Blau, Purpur, Karmesin, kunstvoll gewebte Cherubim; V1-6;
- zusätzliche Decken aus Ziegenhaar, Widderfellen und Tachaschfellen, V7-14;
- Konstruktion der Bretter aus Akazienholz für die Wände, V15-25;
- Goldüberzug der Bretter, Silberfüsse als Sockel, V19-25;
- Querriegel zur Stabilisierung, V26-30;
- Trennung durch den Vorhang Parochet zwischen Heiligtum und Allerheiligstem, V31-33;
- der Eingangsvorhang mit kunstvollen Mustern, V36-37;
Kp. 27 – Der Brandopferaltar und der Vorhof
- Beschreibung des Altars: Akazienholz, Bronzeüberzug, vier Hörner, Geräte aus Bronze, V1-8;
- Gitterwerk aus Bronze, Ringe fuer Tragestäbe, V4-7;
- Standort: im Vorhof vor dem Eingang des Zeltes, V8;
- Beschreibung des Vorhofs: Umzäunung aus Leinen, Säulen und Sockel aus Bronze und Silber, V9-15;
- Eingangsvorhang des Vorhofs in Blau, Purpurund Karmesin, V16;
- Gesamtabmessungen des Vorhofs: Länge, Breite, Höhe, V18-19;
- Öl für den Leuchter soll von Israel gebracht werden, damit das Licht ständig brennt, V20;
(Hinweis: Dieser Vers gehoert textlich bereits zum Beginn des naechsten Abschnitts, wird aber traditionell noch truma zugeordnet.)
Wir wollen uns heute mit einigen Worten aus dieser Lesung beschäftigen, die mit ihrem hebräischen Denken uns mehr Tiefe vermitteln:
1. truma תְּרוּמָה – ist nicht einfach nur Spende
truma תְּרוּמָה bedeutet nicht einfach Gabe oder Spende. Das Wort leitet sich vom Verb תָּרַם taram = „erheben, emporheben, absondern“ ab. Die Grundidee ist:
Etwas wird aus dem Gewöhnlichen herausgehoben und Gott zugeordnet.
Der Kern ist: etwas emporheben, absondern, heraustrennen. Es ist eine heilige Abhebung, nicht eine materielle Spende.
Damit wird klar: Der mischkan entsteht nicht aus Pflicht, sondern aus freiwilliger Erhebung des Herzens.
Der Mischkan wird nicht gebaut, weil Israel muss, sondern weil Israel sich erhebt.
Nicht „Spende“, sondern ein Teil, der aus dem Eigenen herausgehoben wird, um etwas Heiliges zu ermöglichen.
Es ist ein Akt der inneren Erhebung: Der Mensch hebt etwas – und wird selbst erhoben.
2. Mo. 25, 2:
„… וְיִקְחוּ־לִי תְּרוּמָה …“
„… und sie sollen für mich eine truma תְּרוּמָה nehmen …“
2. mikdasch מִקְדָּשׁ – das Heiligtum als Ort der abgesonderten Nähe
Das deutsche Wort Heiligtum klingt statisch.
mikdasch kommt von kadosch קָדוֹשׁ und dem Verbkadasch קָדַשׁ, was „absondern und dadurch heiligen“ bedeutet.
Somit meint mikdasch einen Raum, der abgesondert ist, um Nähe zu ermöglichen.
Es ist kein Tempel im griechischen Sinn, sondern ein Wohnraum der Gegenwart Elohims.
Der mikdasch ist nicht primär ein Gebäude, sondern ein Zustand von Abgesondertheit, der durch die truma ermöglicht wird.
2. Mo. 25, 8:
„וְעָשׂוּ לִי מִקְדָּשׁ וְשָׁכַנְתִּי בְּתוֹכָם“
„Sie sollen mir einen mikdasch מִקְדָּשׁ = „abgesondertes Heiligtum“ errichten, damit ich in ihrer Mitte wohne.“
3. mischkan מִשְׁכָּן – nicht Tempel, sondern Wohnzelt
mischkan leitet sich vom Verb שָׁכַן schachan = „wohnen“ ab.
Somit bedeutet der Ausdruck „Ort des Wohnens, Ort der Einwohnung“. Das meist übliche deutsche Wort „Stiftshütte“ trifft diese Übersetzung nicht.
Der mischkan ist ein beweglicher Wohnraum, der die Gegenwart Elohims mit Israel mitwandern lässt.
Gottes Gegenwart ist mobil, nicht an einen Ort gebunden.
2. Mo. 26,1:
„וְאֶת־הַמִּשְׁכָּן תַּעֲשֶׂה …“
„Und den mischkan מִּשְׁכָּן sollst du machen …“
4. edut עֵדוּת – die Bundeslade als Zeugnis, nicht als Kultobjekt
Die Lade wird im Text aron-haEdut אֲרוֹן הָעֵדוּת genannt.
- 4. Mo. 4, 5:
וְהוֹרִדוּ אֶת־פָּרֹכֶת הַמָּסָךְ וְכִסּוּ בָהּ אֵת אֲרוֹן הָעֵדוּת
„… und sie sollen die Trennvorhangdecke herablassen und damit die Lade des Zeugnisses bedecken.“
- 2. Josua 4,16:
צַו אֶת־הַכֹּהֲנִים נֹשְׂאֵי אֲרוֹן הָעֵדוּת לַעֲלוֹת מִן־הַיַּרְדֵּן
„Befiehl den Priestern, die die Lade des Zeugnisses tragen, aus dem Jordan heraufzusteigen.“
edut bedeutet: Zeugnis, Bezeugung.
Die Lade ist kein magisches Objekt, sondern Träger des Zeugnisses der Beziehung zwischen Elohim und Israel. Der Mittelpunkt des Heiligtums ist nicht Macht, sondern Beziehung. Die edut sind die Bundestafeln, die im aron liegen. Sie sind das Zentrum des mischkan – der Ort, an dem Gottes Wille bezeugt wird.
2. Mo. 25, 16:
„וְנָתַתָּ אֶל־הָאָרֹן אֵת הָעֵדוּת“
„Und du sollst in die Lade die edut עֵדוּת = Zeugnis legen.“
5. parochet פָּרֹכֶת – der Vorhang als Grenze der Nähe
Der parochet ist nicht einfach ein Vorhang. Er ist eine Grenze zwischen zwei Ebenen der Heiligkeit. Er trennt nicht, um fernzuhalten, sondern um Zugang zu ordnen.
Heiligkeit ist nicht Distanz, sondern geordnete Nähe.
Hebräisch leitet sich פָּרֹכֶת parochet vom Verb פָּרַךְ parach ab, was „trennen, absondern, abgrenzen“ bedeutet.
– Bedeutung: Vorhang, der das Allerheiligste abtrennt.
Der parochet ist die Grenze zwischen Heilig und Heiligstem. Damit wird die Unverfügbarkeit Elohims markiert und schützt den Menschen.
2. Mo. 26, 33:
„וְהִבְדִּילָה הַפָּרֹכֶת לָכֶם בֵּין הַקֹּדֶשׁ וּבֵין קֹדֶשׁ הַקֳּדָשִׁים“
„Und der parochet פָּרֹכֶת soll euch trennen zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten.“
6. korban קָרְבָּן – das Opfer als Näherung
Auch wenn in der Parascha truma selbst keine Opfer beschrieben werden, ist der Altar doch der zentrale Ort.
korban bedeutet nicht Opfer im deutschen Sinn, sondern leitet sich vom Verb קָרַב karav ab, was „sich nähern, herankommen“ bedeutet.
Somit ist der Altar ein Ort der Annäherung, und nicht der Bestrafung, also ein Ort der Beziehung und nicht der Sühne allein.
Obwohl die korbanim erst später detailliert werden, ist der Begriff hier grundlegend:
Der mischkan ist der Ort, an dem der Mensch Nähe קְרִיבָה zu Elohim sucht, weil der korban ist kein „Opfer“ an sich ist, sondern Nahung, Herannähern bedeutet.
2. Mo. 29, 18:
„רֵיחַ נִיחוֹחַ קָרְבָּן לַיהוָה“
„Ein angenehmer Duft, ein korban קָרְבָּן = Nahung für JHWH.“
Euch allen ein herzliches Schabbat Schalom!
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