Parascha ‚Noach‘ (= „Noah“)
Parascha ‚Noach‘ (= „Noah“) – 1. Mose 6, 9 – 11, 32;
V9) Dies ist die Geschlechterfolge Noachs: Noach war ein gerechter – צַדִּיק Mann, untadelig – תָּמִים tamim war er unter seinen Zeitgenossen. Noach wandelte mit Elohim.
Es folgt wie immer eine Inhaltsübersicht unserer Tora-Lesung:
1. Mo. 6, 9 – 7, 24: Die Sintflut und die Arche
Die Menschheit ist wegen ihrer Bosheit und Gewalt verdorben; Elohim kündigt die Vernichtung durch eine Flut an; Noach wird als Gerechter erwählt und erhält den Auftrag, eine Arche zu bauen; genaue Maße und Anweisungen werden gegeben; je ein Paar aller Tiere sowie sieben Paare der reinen Tiere sollen aufgenommen werden; die Flut beginnt im 600. Lebensjahr Noachs; Wasser bedeckt die Erde 40 Tage lang und alles Leben außerhalb der Arche wird ausgelöscht;
1. Mo. 8, 1 – 9, 17: Ende der Flut und Bund mit Noach
Elohim gedenkt Noach und lässt die Wasser zurückgehen; die Arche landet auf dem Gebirge Ararat; Noach sendet Raben und Tauben aus, um den Wasserstand zu prüfen; nach dem Verlassen der Arche bringt Noach Opfer dar; Elohim segnet Noach und seine Söhne, gibt ihnen den Auftrag zur Vermehrung und setzt den Regenbogen als Zeichen des Bundes, dass keine Flut mehr die Erde vernichten wird;
1. Mo. 9, 18 – 29: Noachs Nachkommen und sein Fehltritt
Noachs Söhne – Schem, Cham und Jafet – werden als Stammväter der Völker genannt; Cham sieht die Blöße seines Vaters und wird verflucht, während Schem und Jafet gesegnet werden; Noach stirbt im Alter von 950 Jahren;
1. Mo. 10, 1 – 32: Völkertafel
Die Nachkommen Noachs werden aufgelistet; aus ihnen entstehen die verschiedenen Völker und Sprachen; die Söhne verteilen sich über die Erde;
1. Mo. 11, 1 – 32: Der Turmbau zu Babel und die Linie zu Avram
- V1 – 9: Der Turmbau zu Babel):
die Menschheit plant in Schinear den Bau einer Stadt mit Turm „bis zum Himmel“, um sich einen Namen zu machen und nicht zerstreut zu werden;
Elohim verwirrt ihre Sprache balal בָּלַל und zerstreut sie über die Erde – die Stadt heißt Babel בָּבֶל; so erfüllt sich Gottes Auftrag, die Erde zu füllen;
- V10 – 26: die Genealogie von Schem bis Avram
die zehn Generationen von Schem bis Terach zeigen Gottes fortbestehenden Plan: aus Schem geht Avram hervor, durch den der Segen alle Völker erreichen soll – trotz der Zerstreuung nach Babel;
- V27 – 32: Terachs Familie und der Aufbruch nach Haran
Terach zieht mit Avram, Ssaraj (die unfruchtbar ist) und Lot aus Ur Richtung K’naan, bleibt jedoch in Haran – ein Übergang, der die kommende Berufung vorbereitet;
In unserer heutigen Lesung möchte ich mit uns die Geschlechterabfolge – toldot vom Sohn Schem bis zu Avram (später Av-raham) betrachten:
1.Mo. 11, 10 – 32:
V10) Dies ist das Geschlechtsregister/der Stammbaum תּוֹלְדֹת toldot von Schems – שֵׁם: Schem war 100 Jahre alt, als er zeugte Arpachschad – אַרְפַּכְשָׁד zeugte, [das war] zwei Jahre nach der Flut.
V11) Nachdem er Arpachschad gezeugt hatte, lebte Schem 500 Jahre: Er zeugte [weitere] Söhne und Töchter.
V12) Arpachschad hatte 35 Jahre gelebt, als er Schelach – שָׁלַח zeugte.
V13) Nachdem er Schelach gezeugt hatte, lebte Arpachschad 403 Jahre: [auch] er zeugte [weitere] Söhne und Töchter.
V14) AlsSchelach 30 Jahre alt war, zeugte er Ever – עֵבֶר.
V15) Nachdem Schelach den Ever gezeugt hatte, lebte er [weitere] 403 Jahre: Er zeugte Söhne und Töchter.
V16) Als Ever 34 Jahre alt war, zeugte er Peleg – פָּלֶג.
V17) Nachdem Ever den Peleg gezeugt hatte, lebte er [noch] 430 Jahre: Er zeugte [andere] Söhne und Töchter.
V18) Als Peleg 30 Jahre alt war, zeugte er Re‘u – רְעוּ.
V19) Nachdem Peleg den Re‘u gezeugt hatte, lebte er [weitere] 209 Jahre: [Andere] Söhne und Töchter zeugte er.
V20) Als Re‘u 32 Jahre alt war, zeugte er Sserug – שְׂרוּג.
V21) Nachdem Re‘u (den) Sserug gezeugt hatte, lebte er [noch] 207 Jahre: Er zeugte [andere] Söhne und Töchter.
V22) Als Sserug 30 Jahre alt war, zeugte er Nachor – נָחוֹר.
V23) Nachdem Sserug (den) Nachor gezeugt hatte, lebte er [noch] 200 Jahre: [Andere] Söhne und Töchter zeugte er.
V24) Als Nachor 29 Jahre alt war, zeugte er Tarach – תָּרַח
V25) Nachdem Nachor (den) Tarach gezeugt hatte, lebte er [weitere] 119 Jahre: Er zeugte [noch andere] Söhne und Töchter.
V26) Terach – תֶרַח lebte 70 Jahre und zeugte Avram – אַבְרָם, Nachor – נָחוֹר und Haran – הָרָן.
V27) Dies ist der Stammbaum von Tarach/Terach: Tarach zeugte Avram, Nachor und Haran. Haran zeugte Lot – לוֹט.
V28) Haran aber starb zu Lebzeiten seines Vaters Terach im Land seiner Verwandtschaft, in Ur [, der Stadt] der Chaldäer.
V29) Avram und Nachor nahmen sich Frauen: Der Name von Avrams Frau war Ssaraj – שָׂרָי, und der Name von Nachors Frau war Milkha – מִלְכָּה – sie ist die Tochter Harans (, des Vaters der Milkha) und des Vaters der Jisska – יִסְכָּה.
V30) Ssaraj aber war unfruchtbar, sie hatte kein Kind.
V31) Terach nahm seinen Sohn Avram und [ebenso] Lot, den Sohn Harans, seines Sohnes Sohn, auch Ssaraj, seine Schwiegertochter, die Frau seines Sohnes Avram. Sie zogen miteinander aus Ur [, der Stadt] der Chaldäer, weg, um in das Land K‘naan zu gehen. Sie kamen nach Charan, wo sie danach wohnten.
V32) Die Tage Terachs betrugen 205 Jahre. Terach starb in Charan – חָרָן.
= So weit unsere Lesung. Diese Geschlechterabfolge habe ich getrennt als Grafik bearbeitet, ist für euch als PDF-Datei unterhalb abrufbar.
Wozu aber wird uns dieser Stammbaum überliefert? Die Tora übermittelt uns hier den Beginn von Elohims Plan:
Im profetischen Ausspruch Noachs über seine 3 Söhne werden uns ein grober Plan über
a) die gesamte Völkerwelt und
b) insbesondere die Linie Schems vermittelt.
Der Segen Noachs an Schem findet sich in 1. Mo. 9, 26, eingebettet in einer Triologie, einem futoristischen Ausspruch an alle seine 3 Söhne Noachs. Dieser Ausspruch folgt auf die Episode, in der Noach nach der Sintflut einen Weinberg anpflanzte, und in der Folge sich dann betrank. Schlafend entblößt lag er in seinem Zelt. Als sein Sohn Cham beim Betreten seines Zeltes die Blöße seines Vaters sah, berichtete er dies seinen Brüdern Schem und Jafet. Diese liefen respektvoll rückwärts zu ihrem Vater, um seine Blöße zu bedecken.
Nachdem Noach nun erwacht war und erfuhr, was geschehen war, sprach er folgende profetische Spruch–Weisung über seine 3 Söhne aus, 1. Mo. 9, 25 – 27;
Noachs dreifacher Ausspruch an seine Söhne ist eine zusammenhängende poetische Einheit, die eine profetische Weisung für die weitere Zukunft der Völkerlinien darstellt.
Hier folgen diese Verse mit typografischer Struktur und in hebräischem Parallelismus:
Fluch über K‘naan
וַיֹּאמֶר
אָרוּר כְּנַעַן
עֶבֶד עֲבָדִים יִהְיֶה לְאֶחָיו׃
Und er sprach:
„Verflucht sei K‘naan!
Ein Knecht der Knechte sei er für seine Brüder.“
Segen über Schem
וַיֹּאמֶר
בָּרוּךְ יְהוָה אֱלֹהֵי שֵׁם
וִיהִי כְנַעַן עֶבֶד לָמוֹ׃
Und [wieder] sagte er:
„Gepriesen sei der Ewige, der Elohim Schems !
K‘naan sei ihr Knecht.“
Verheißung für Jafet
יַפְתְּ אֱלֹהִים לְיֶפֶת
וְיִשְׁכֹּן בְּאָהֳלֵי שֵׁם
וִיהִי כְנַעַן עֶבֶד לָמוֹ׃
Elohim breite (jaft) Jafet (= „Ausbreitung“) weit aus!
Er wohne in den Zelten Schems.
K‘naan sei ihr Knecht.
= Erklärung:
- eine dreifache Parallelstruktur:
jeder Vers beginnt mit „waJomer“ („und er sagte“) und endet mit dem Fluch über K‘naan – rhythmisch und thematisch verbunden;
- Schem als geistliche Linie:
der Segen hebt den Ewigen (JHWH) als „Elohim Schems“ hervor – eine Formulierung, die die spätere priesterliche und prophetische Linie Israels vorbereitet; ein Hinweis auf die Linie, aus der später Avraham und das Volk Israel hervorgehen;
- Jafet als Völkerlinie:
die Ausbreitung Jafets („Jaft Elohim“) wird oft als Hinweis auf die nicht-semitischen Völker gedeutet, die dennoch geistlich bei Schem wohnen können;
- K‘naan als Kontrastfigur:
dreimal wird K‘naan als Knecht genannt ! K’naan ist der Sohn Chams, dem dieser Fluch galt.
- „lamo“ לָמוֹ (ihnen): Das Pluralpronomen am Ende („sein Knecht für sie“) wird oft als Hinweis verstanden, dass K‘naan sowohl Schem als auch Jafet dienen soll;
Gerade die anfänglichen Geschichten in der Tora, sprich in beReschit (= 1. Buch Mose) sind nicht nur einfache Geschichten der Vergangenheit, sondern profetische Fingerzeige Elohims für seinen zukünftigen Plan.
Euch allen Schabbat Schalom!
- Parascha ‚miKez‘ מִקֵּץ = „zum Ende (hin)“ - 17. Dezember 2025
- Parascha ‚waJeschev‘ וַיֵּשֶׁב = „(Dann) wohnte/siedelte er“ - 11. Dezember 2025
- Parascha ‚waJeze‘ וַיֵּצֵא = „dann zog er aus“ - 27. November 2025


