Parascha “matot” = “Stämme”

Wenn Deine eigenen Worte Macht und Power haben !!!
העם המילים שיש בהם כוח והשפעה אשר יצאים משפתיך
Parascha ‚matot‘ – מַּטּוֹת = “Stämme” – 4. Mo. 30, 2 – 32, 42;
Liebe Geschwister!
Die Parascha matot (מַּטּוֹת) im Buch baMidbar umfasst die Kapitel 30, 2 bis 32, 42. Der Name „matot“ bedeutet „Stämme“ und bezieht sich auf die Anführer der Stämme Israels, zu denen Mosche (Moses) redete.
Dieser wöchentliche Tora-Abschnitt behandelt mehrere wichtige Themen, die folgend aufgelistet sind:
- das Einhalten von Gelübden (nedarim) und Schwüren und deren mögliche Aufhebung.
- der Kampf gegen die Midianiter als „Rache“, weil sie das Volk Israel auf den Rat Bil’ams zum Götzendienst ihres Abgottes Ba’al-Pe‘or verführt hatten.
- die Reinigung der Krieger und der Geräte, die durch eine Leiche sich verunreinigt hatten. Danach die Verteilung der Kriegsbeute.
- die Verteilung des Landes östlich des Jordans: Die Stämme Re’u-ven und Gad erbaten von Mosche, dass sie das jetzt jenseits des Jordans eroberte Land der Amoriterkönige Sichon und Og als ihr Erbteil behalten dürften. Dabei legten sie ihr Versprechen ab, dass ihre kriegsfähigen Männer mit den anderen Stämmen über den Jordan ziehen sollten.
Wir beginnen mit der Angelegenheit, Gelübde, hebräisch: neder – נֶדֶר (Sg.) oder nedarim -נְדָרִים (Pl.) zu geben, von denen wir gefordert sind, sie einzuhalten. Ein neder ist ein Versprechen oder ein Schwur, das jemand vor Elohim ablegt. Hier betont die Tora die Wichtigkeit, solche Gelübde einzuhalten, da sie eine Verpflichtung darstellen. Besonders wird die Rolle des Ehemannes oder des Vaters einer jungen Frau behandelt, die das Recht haben, Gelübde ihrer Ehefrauen oder Töchter aufheben zu können, falls diese für die Familie nachteilig sein könnten.
Die Worte, die wir benutzen, sind also wichtig und repräsentieren unseren Charakter. Lüge und Täuschung sind ein Zeichen für Unglauben und Unehrlichkeit. Ein Versprechen zu geben, d. h. ein Gelübde neder abzulegen, ist eine ernste Angelegenheit. Das hat uns auch Jeschua, unser Messias, gelehrt. Dazu unten mehr im Detail. Wann immer wir unser Wort geben, sind wir verpflichtet es einzuhalten.
V3) „Wenn ein Mann dem Ewigen ein Gelübde – נֶדֶר neder ablegt oder einen Eid – שְׁבֻעָה schvua schwört, ein Enthaltungsgelübde auf seine Seele zu nehmen – im Hebräischen steht hier dann wörtlich: לֶאְסֹר אִסָּר עַל-נַפְשׁוֹ le‘ssor issar al nafscho (durch die im Hebräischen typische Verdopplung des Wortes ‚assar‘ = „binden“ wird eine Betonung gelegt). Martin Buber übersetzt: „seiner Seele eine Bindung zu überbinden“ und Tur Sinaj: „seiner Seele eine Verbindlichkeit aufzuerlegen“ – dann soll er sein Wort nicht brechen: nach allem, was aus seinem Mund hervorgegangen ist, soll er tun.“
= Der Ewige erwartet von uns, dass wir Täter unserer gegebenen Worte und Versprechungen sind, besonders auch von Worten, die wir ihm gegenüber im Gebet gegeben haben.
Mit diesem Gebot der Tora wird der Mann gezwungen, Verantwortung zu übernehmen und seine Frau vor einem unbedachten Gelübde zu bewahren.
Nach der Verordnung der Tora kann ein Vater – wenn er hört, dass sein Kind oder seine Tochter ein Versprechen gegeben hat, mit dem er nicht einverstanden ist – dann sagen: „Annulliere dein Versprechen.“ Ebenso kann der Ehemann seiner Frau, die ein Gelübde abgelegt bzw. ausgesprochen hat, es rechtmäßig annullieren, weil sie der Zustimmung des Ehemannes unterliegt. In beiden Fällen ist die Annullierung jedoch nur gültig bis zum Sonnenuntergang des Tages, an dem er ihr Versprechen – neder gehört hat. Wartet er bis nach dem Sonnenuntergang, dann muss das Versprechen eingehalten werden – genau wie bei einem Versprechen, das von Mann gegeben wurde.
Das Kapitel schließt mit der folgenden Erklärung:
V17) Das sind die Ordnungen – חֻקִּים chukim (der nedarim), die der Ewige dem Mosche geboten hat, zwischen Mann und Frau wie auch zwischen Vater und Tochter, solange sie in ihren Mädchenjahren in ihres Vaters Haus (unverheiratet) ist.
Dass eine Gläubiger nicht vor Unachtsamkeit gefeit ist, das zeigt uns das Beispiel Jiftachs im Buch Richter, Kp. 11. Dort lesen wir:
V30) Da gelobte – יִּדַּר jidar Jiftach dem Ewigen ein Gelübde – נֶדֶר neder, denn er sprach: „Wenn du die Kinder Amon wirklich in meine Hand gibst,
V31) dann soll der – wer es auch sei – welcher aus der Tür meines Hauses herauskommt mir entgegen, wenn ich in Frieden von den Kindern Amon zurückkehren werde, derjenige soll dem Ewigen gehören: ich werde diese Person als Brand- bzw. Emporopfer – עֹלָה ola darbringen!“
= Dieses Gelübde Jiftachs war unnötig gewesen, weil Elohim ihm bereits seine Zusagen für seinen Sieg gegeben hatte:
Jiftach sprach zu den Kindern Amons:
V27) Nicht ich habe gegen dich gesündigt, sondern du tust mir Böses an, indem du gegen mich Krieg führst. Also richte – יִשְׁפֹּט jischpot der Ewige, der Richter – שֹּׁפֵט schofet, heute zwischen den Kindern Israel und den Kindern Amon!
= Wer ihm später nach dem Sieg über die Amoniter dann bei seiner Rückkehr aus seinem Haus entgegenkam, das war seine einzige Tochter.
V34) Dann kehrte Jiftach nach Mizpe zu seinem Haus zurück. Da geschah es, dass seine Tochter heraustrat ihm entgegen – mit Tamburinen und in Reigentänzen. Er aber hatte nur sie als Einzige. Außer ihr hatte er keine Söhne und keine Töchter.
…V39+40) Da geschah es am Ende von zwei Monaten, da kehrte sie zu ihrem Vater zurück. Nun vollzog er an ihr sein Gelübde – נֶדֶר neder, das er gelobt hatte. Sie hatte keinen Mann erkannt. (In der Folge) wurde es zur Ordnung – חֹק chok in Israel, dass die Töchter Israels alljährlich hingingen, um die Tochter Jiftachs, des Gil‘aditers, zu besingen, insgesamt vier Tage im Jahr.
= Die jüdische Auslegung geht davon aus, dass das Mädchen in lebenslange Klausur ging, weil Elohim keine Menschenopfer will.
Doch es wäre besser gewesen, wenn Jiftach mit seinem Gelübden zurückhaltender gewesen wäre.
Es lehrt uns als Gläubige, dass wir keine unbedachten Worte und vor allem leichtfertige Versprechungen an unseren Schöpfer geben dürfen, die wir später bereuen könnten, so wie es Jiftach geschah.
Darum wird uns im 5. Buch Mose – dvarim Kp. 23, Verse 22-24 geboten, besser kein Gelöbnis – neder dem Ewigen zu geben, wenn wir es dann nicht einhalten und tun, also ausführen, weil es dem Menschen dann zur Sünde gerechnet wird:
V22) Wenn du für den Ewigen, deinen Elohim, ein Gelübde – נֶדֶר neder ablegst, darfst du nicht ablassen, es zu erfüllen -לְשַׁלְּמוֹ l’schalmo (auch: bezahlen). Denn der Ewige, dein Elohim, wird es unbedingt von dir fordern – דָּרֹשׁ יִדְרְשֶׁנּוּ darasch jidre’schejnu. Dann wird es Dir zu Sünde – חֵטְא chet sein.
Bemerke hier in V22), dass durch die doppelte Verwendung des Wortes ‚darasch‘ דָּרֹשׁ = “fordern, abverlangen”, ein Nachdruck und eine Bestimmtheit gesetzt ist. Der Allmächtige fordert solche Versprechungen, auch wenn wir sie leichtfertig geben.
V23) Wenn du es aber unterläßt, [etwas] zu geloben – לִנְדֹּר lindor, wird es Dir nicht zur Sünde – חֵטְא chet sein.
V24) Was über deine Lippen gegangen ist, sollst du einhalten und ausführen, wie du dem Ewigen, deinem Elohim, freiwillig gelobt hast – נְדָבָה ne‘dava, was du mit deinem Mund geredet hast.
= Im orthodoxen Judentum ist es nicht ungewöhnlich, den Ausdruck „bli-neder“ zu hören, nachdem jemand etwas gesagt hat, was er zu tun gedenkt (‚bli‘ bedeutet „ohne“ und ‚neder‘ bedeutet „ein Versprechen“). Wenn jemand also sagt: „Ich werde meine kranke Tante besuchen“, fügt er seiner Zusage oft „bli neder“ hinzu, um zu vermeiden, sein gegebenes Wort nicht zu brechen.
Im Talmud gibt es einen ganzen Traktat, der Nedarim heißt. Später erst haben die sog. Weisen im Judentum Regeln entwickelt, wie man sich der Forderung eines Versprechens entziehen könnte. Nach dieser Halacha (Gesetz) kann ein Gelübde eines volljährigen Mannes “rückgängig” gemacht werden, wenn dieser vor ein Bejt-Din – das ist ein rabbinisches Gericht, in welchem zwei Rabbiner zugegen sind – oder wenn er vor einen Talmid Chacham (Weisen) tritt. Sie fragen ihn dann: „Wenn du gewusst hättest, dass dieses Versprechen jene Folgen hat, hättest du dein Gelübde trotzdem abgelegt?“ Wenn der Mann dann mit „Nein“ antwortet, ist er von dem Gelübde befreit. Dies nennt man hatarat-nedarim – התרת-נדרים, die „Aufhebung oder Annullierung von Gelübden“. Am Tag vor Rosch-haSchana ist es sogar üblich Hatarat-nedarim zu vollziehen, weil das Kol Nidre–Gebet am Jom Kippur gesprochen wird. Dieses berühmte Gebet ist die aramäische Bezeichnung für „kol-haNedarim, was „all (unsere) Gelübde“ bedeutet.
Einige Gelübde in der Heiligen Schrift werden nicht verurteilt. Zum Beispiel Jakobs Gelübde (in Bethel), als er versprach den zehnten Anteil von allem, was er besitzen würde, dem Elohim zu geben, wenn dieser ihn sicher nach Kanaan zurückkehren lassen würde. Dieses Versprechen wurde nicht als töricht beurteilt: 1. Mo. 28, 20 – 22:
V20) Ja‘akov legte ein Gelübde – נֶדֶר ab und sprach: ‚Wenn Elohim mit mir sein und mich auf diesem Weg bewahren wird, den ich gehen werde, so dass er mir Brot zu essen und Kleidung anzuziehen gibt,
V21) und ich in Frieden zurückkehren werde zum Haus meines Vaters, dann soll der Ewige mein Elohim sein.
V22) Dieser Stein, den ich zum Gedenkstein – מַצֵּבָה mazeva aufgestellt habe, soll ein Haus Elohims – בֵּית אֱלֹהִים bejt-elohim werden. Alles, was du mir geben wirst, das werde ich dir treu verzehnten.
Zum Schluß der heutigen Betrachtung lesen wir zu diesem Thema betreffend noch die Worte Jeschuas aus dem Evangelium nach Matthäus:
Mt. 5, 33 – 37:
33 Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten (Vätern) gesagt ist:
‚Du sollst nicht falsch (= in Lüge) schwören, du sollst dem Ewigen deine Eide erfüllen.‘ – 3. Mo. 19, 12; 5. Mo. 23, 22;
לֹא תִשָּׁבַע לַשֶּׁקֶר וְאֶת-נְדָרֶיךָ תְּשַׁלֵּם לַיהוָֹה:(ויקרא יט’ יב’//דברים כג’ כב’//במדבר ל’ ג’-ד’)
34 Ich sage euch nun: ‚Schwört überhaupt nicht falsch (= in Lüge)! Weder bei dem Himmel – weil er der Thron des Ewigen – יְהוָֹה ist –
35 noch bei der Erde – weil sie der Schemel seiner Füße ist, noch bei Jeruschalajim – ירושלים weil sie die Stadt des großen Königs ist!
36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören – weil du kein Haar weiß oder schwarz zu machen vermagst.
37 Doch lasst eure Absprachen mit: ‚Ja‘, was ‚ja‘ bedeutet, und mit: ‚Nein‘, was ‚nein‘ bedeutet – verlauten! Etwas anderes als dieses ist Bosheit!‘
= Wir sollen also keine Versprechen bzw. Schwur-Eide auf heilige Dinge geben. Ansonsten sollen wir in aller Klarheit unsere Abkommen treffen.
Schließlich gibt Jeschua uns noch ein klares Wort mit, dass zum Gericht unsere Worte beurteilt werden, die wir geredet haben. Durch unsere eigenen Worte werden wir einmal beurteilt werden, entweder zur Gerechtigkeit und zu ewigem Leben, oder als schuldig und dann zum ewigen Tod.
Mt. 12, 36-37:
36 Darum sage ich euch, daß die Menschen am Tag des Gerichts von jeglichem unnützen Wort, das sie geredet haben, Rechenschaft ablegen werden müssen. – Prediger 12, 14; [1]
37 Aufgrund deiner eigenen Worte wirst du als gerecht gesprochen, ebenso wie du mit deinen eigenen Worten für schuldig gesprochen werden wirst. – Hiob 15, 6; [2]
Mögen diese Worte des heutigen Tora-Abschnitts sowie die eindeutigen Worte Jeschuas zu uns sprechen, und uns neue Impulse zu einem heiligen Lebenswandel geben.
Ich wünsche euch allen eine reich gesegnete Woche!
[1] Mt. 12, 36: Verweis auf Prediger 12, 14:
„Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Verborgene bringen.“
[2] Mt. 12, 37: Verweis auf Hiob 15, 6:
„Dein Mund verdammt dich (und nicht ich); und deine Lippen sagen gegen dich aus.“
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