Parascha ‚Jitro‘
Parascha ‚Jitro‘ – 2. Mo. 18, 1 – 20, 23;
V1) Jitro – יִתְרוֹ, der Priester von Midjan und Schwiegervater des Mosche, hatte alles gehört, was Elohim an Mosche und an seinem Volk Israel getan hatte: wie der Ewige Israel aus Ägypten herausgeführt hatte.
Hier zunächst wieder eine übersichtliche Zusammenfassung unserer heutigen Tora-Lesung:
- Jitro besuchte Mosche und brachte dann Zippora und die Söhne zurück nach Midjan, V1-6;
- so hörte er von den Wundern Elohims und pries den Ewigen, V7-12;
- Jitro beobachtete Mosches Richterpraxis und riet ihm, fähige Männer als Richter einzusetzen, V13-23;
- seither richtete Mosche ein geteiltes Rechtssystem ein, das auf vielen Schultern ruht, V24-27;
Kp. 19
- Israel lagerte vor dem Ssinaj, V1-2;
- Elohim kündigte an, Israel zu einem „Königreich von Priestern und heiligem Volk“ zu machen, V3-6;
- das Volk bereitete sich drei Tage auf die Offenbarung des Ewigen vor, V7-15;
- Donner, Feuer, Wolke und Schofar – Elohim erschien auf dem Berg, V16-25;
Kp. 20
- die Zehn Worte wurden offenbart, V1-17;
- das Volk fürchtete sich und bat Mosche, dass er weiter als Mittler reden würde, V18-21;
- Einführung grundlegender Bestimmungen zu Altären und zur angemessenen Verehrung des Ewigen, V22-26;
Dieses Mal werden wir die ersten Verordnungen betrachten, die Mosche direkt nach den
10 Geboten erhielt. Sie sind wichtige mizwot, die eine richtige Anbetung des Ewigen betreffen.
Kp. 20:
V22) Da sprach der Ewige zu Mosche: „Das sollst du den Kindern Israel sagen: ‚Ihr habt selbst gesehen, daß ich vom Himmel her mit euch geredet habe.
V23) Ihr sollt neben mir nichts beimachen: Weder Götter aus Silber noch Götter aus Gold sollt ihr anfertigen.
V24) Einen Altar מִזְבַּח misbeach aus Erde sollst du mir machen, worauf du deine Emporopfer עֹלָה ola und Friedensopfer שְׁלָמִים schlamim, deine Schafe und deine Rinder darbringen sollst. An jedem Ort, wo ich meinen Namen gedenken lassen werde, werde ich zu dir kommen und dich segnen.
= V24: מִזְבַּח misbeach bedeutet wörtlich „Ort des Schlachtens/Opferns“, abgeleitet von der Wurzel זָבַח savach = „schlachten, opfern“. Deshalb übersetzte Buber den Begriff bewusst als „Schlachtstatt“, um die ursprüngliche Funktion des Altars hervorzuheben.
V25) Errichtest du mir aber einen Altar aus Steinen, dann sollst du sie nicht zu behauenem Block גָּזִית gasit [Steine] aufbauen, weil du dann dein Werkzeug darüber geschwungen hast und ihn entweihst תְּחַלְלֶהָ tchalelea.
V26) Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, damit nicht deine Blöße an ihm aufgedeckt wird.
Der Altar aus unbehauenen Steinen, V22)
Wir wollen uns Gedanken darüber machen, worin die Bedeutung dieses Gebotes liegt.
1. – Jüdische Auslegungstradition
Der Altar darf nicht „menschlich verbessert“ werden
Raschi, Ramban und Ibn Esra betonen:
- ein Altar ist ein Ort der keduscha (Heiligkeit);
- menschliche Bearbeitung mit Werkzeugen aus Metall zur Formgebung würde eine Art menschliche Selbstüberhöhung darstellen;
- der Mensch soll nicht versuchen, Gottes Gebot „ästhetisch zu optimieren“;
Der Gedanke ist: Der Altar soll Gottes Werk darstellen und nicht das Werk menschlicher Kunst; Metall stellt dabei ein Symbol für Gewalt dar;
im Talmud (Middot 3, 4) und bei Rambam (Hilchot Beit-haBechira 1, 13) heißt es:
- Metall wird für Waffen verwendet;
- der Altar dient dem Leben, der Versöhnung, dem Schalom (Frieden);
- Waffen aber dienen dem Tod;
→ Deshalb darf Metall den Altar nicht berühren!
die Symbolik dabei ist: Was Leben fördert, darf nicht mit dem Werkzeug des Todes berührt werden. Unbehauene Steine symbolisieren die Reinheit der Schöpfung.
Viele jüdische Kommentatoren betonen:
- der Altar soll aus dem bestehen, was Elohim geschaffen hat, nicht aus dem, was der Mensch „veredelt“;
- der Mensch bringt sein Opfer, aber nicht seine Kunst;
Messianische Deutung des Altars
Der Altar wird in der jüdisch‑biblischen Tradition zu einem deutlichen Hinweis auf den Messias. Er steht als Ort der Versöhnung, an dem der Ewige selbst den Weg zur Nähe eröffnet. Wie der „Stein, den die Bauleute verworfen haben“ in Ps. 118, 22, so ist auch der Messias der von Menschen übersehene, aber von Elohim erwählte Grundstein der Erlösung. Die Unbehauenheit des Altars trägt eine Botschaft mit sich: Keine menschliche Verbesserung, keine religiöse Kunstfertigkeit und keine eigene Leistung dürfen dem Werk des Allmächtigen hinzugefügt werden. Erlösung ist kein Produkt menschlicher Bearbeitung, sondern reine chessed חֶסֶד = gütige Liebe, Gnade.
Dass am Altar kein Metall verwendet werden durfte, unterstreicht diesen Gedanken. Metall steht für menschliches Werk, menschliche Kraft und menschliche Veredelung. Doch das Opfer – das korban קָרְבָּן (von karav קָרַב = sich nähern, herankommen, in die Nähe treten) durch das der Mensch näher oder nahe zu Elohim tritt – ist Gottes Initiative. Der Mensch darf es nicht verschönern, nicht optimieren, nicht „veredeln“. Ebenso ist der Messias das vollkommene Opfer, das ohne jede menschliche Hinzufügung dargebracht wird. In ihm geschieht Versöhnung allein als Gabe des Höchsten.
Die archäologischen Funde aus Tel Arad, Tel Dan oder wie hier oben in den Fotos am Berg Sinaj in Saudi Arabien und am Berg Ebal in Sichem bestätigen die biblische Anweisung zu Altären aus unbehauenen Steinen als historisch authentisch: roh, schlicht, ohne Metallspuren und ohne jede dekorative Kunst. Gerade diese Einfachheit zeigt, dass der Altar nicht als Kunstwerk gedacht war, sondern als Ort der Begegnung zwischen dem Gott Israels und seinem Volk. Die Unbehauenheit der Steine verhinderte die kultische Kunstfertigkeit K‘naans und bewahrte den Altar vor menschlicher Veredelung. Damit unterstreicht die archäologische Evidenz genau jenes Gebot, das in der messianischen Deutung sichtbar wird: Erlösung geschieht nicht durch menschliche Bearbeitung, sondern durch Gottes eigenes Handeln – rein, unverfälscht und ohne Hinzufügung.
Nach der Offenbarung der Zehn Worte folgt in 2. Mose 20 unmittelbar die Anweisung zum Altar – und das ist alles andere als zufällig. Auf die göttliche Selbstoffenbarung am Sinai antwortet der Mensch nicht mit Kunst, Leistung oder religiöser Perfektion, sondern mit schlichter, gehorsamer Nähe. Der Altar aus unbehauenen Steinen zeigt: Die Begegnung mit dem Elohim Israels entsteht nicht durch menschliche Gestaltungskraft, sondern durch Reinheit, Einfachheit und den Verzicht auf jede Veredelung. Genau diese Linie findet ihre Vollendung im Messias, dessen Hingabe ohne menschliche Hinzufügung geschieht und der selbst zum Ort der Versöhnung wird. Darum sagt der Neue Bund: „Wir haben einen Altar-מִזְבֵּחַ misbeach, von dem niemand essen durfte außer denen, die im Wohnzelt -מִשְׁכָּן mischkan – dienten“, Hebr. 13,10.
Der Messias wird damit als der eine, reine, vom Höchsten selbst bereitete Altar verstanden – der Ort der Nähe, der nicht von Menschenhand behauen ist.
Allen Geschwistern ein Schabbat Schalom!
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