Ephraim trifft Juda – Teil 5 – Das Land Israel
„Ich hoffe, dass ich niemals aus diesem wunderbaren Land hinaus muss! Denn jede Minute die ich hier verbringe – egal ob ich schlafe oder esse – ist eine riesig große Mitzvah!“
Wow, das ist eine Aussage! Sie stammt nicht von mir, sondern von einem orthodoxen Rabbiner, mit dem ich sprach.
Schon einige Male beeindruckte er mich, indem er mir von Ansichten der Juden berichtete, die ich vorher nie gehört hatte oder nicht im Geringsten mit Juden in Verbindung gebracht hätte.
Aber dieser Satz war schon sehr besonders.
Und um ihn in der Tiefe zu verstehen, möchte ich ein wenig darüber schreiben.
Mitzvot
Zunächst etwas über Mitzvot (Mitzvah in der Einzahl). Mitzvah heißt übersetzt gute Tat. Wenn man also über Mitzvot spricht, versteht man darunter etwas Gutes, was man als Gläubiger tun kann. Oft stehen diese Taten in Bezug zur Torah. Aber nicht ausschließlich.
Wenn du also am Schabbat nicht arbeitest, ist das eine mitzvah. Aber auch viele alltägliche Handlungen, wie das Haus putzen, jemanden helfen oder Geschenke machen.
Im Neuen Testament finden wir dazu sogar einen direkten Bezug:
Jak 4,17: Wer nun Gutes zu tun weiß und es nicht tut, für den ist es Sünde.
Man merkt sehr schnell, dass es hier um praktische Dinge geht. Mitzvot sind keine Einstellungen oder Glaubensüberzeugungen, sondern gute Aktivitäten im Sinne des Glaubens im Alltag.
Der Jakobusbrief betont diese Thematik an mehreren Stellen (vgl. Jak 2) und es ist vielleicht ein Bereich, der vielen Christen nicht ganz so präsent ist. Die Übergewichtung von Gnade spielt da sicherlich eine Rolle. Aber auch die starke Betonung von Mitarbeit in Kirchengemeinden tut ihr Übriges.
Bücher für Kinder
Zumindest finde ich es interessant, wie gute Werke Kindern im Judentum anerzogen werden. Kinderbücher, in denen Menschen gute Taten vollbringen, anderen helfen und nette Worte sprechen sind absoluter Standard.
Wir fanden es teilweise erschreckend, wie verschieden dazu der Büchermarkt bei uns ist. Nicht nur im weltlichen Bereich, auch vermehrt im christlichen Kinderbuchbereich.
Bevor wir unsere Kinder ein Buch anschauen lassen oder vorlesen, prüfen wir deshalb regelmäßig, welche Aussage (oder welches Verhalten) dem Kind hier präsentiert wird.
Beim jüdischen Büchermarkt habe ich bisher noch kein Buch gefunden, bei dem ich dahingehend Bedenken hätte (wobei ich nicht wirklich viele kenne). Ganz einfach aus dem Grund, weil sie sehr genau auf diese Sachen achten! Zu welchem Handeln wird mein Kind in diesem Buch erzogen? Möchte ich, dass mein Kind solche Aktionen nachahmt?
Nun gut.
Mitzvot sind gute Werke im Sinne Gottes. Wenn ich demzufolge versuche, nach der Torah zu leben, dann werde ich automatisch viele Mitzvot tun. Denn das sind die Werke, zu denen wir aufgerufen sind.
Kommen wir zurück zu der ursprünglichen Aussage. Das Leben in eretz jisra‘el – im Land Israel.
Die drei größten Mitzvot
Aus der Sicht der Juden gibt es drei Mitzvot, die jeweils so groß sind wie alle anderen zusammen:
In der Torah lernen
Die Torah ist das heilige Buch. Mose hat es direkt von Gott empfangen und es beschreibt der Bibel nach einen perfekten Lebensstil (Ps 19,8).
Aus diesem Grund sehen Juden im Studieren und Lernen der Torah eines der größten Werke, die man tun kann.
Den Schabbat halten
Der Schabbat ist das Erkennungszeichen zwischen Gott und seinem Volk. So schreibt es die Bibel an vielen Stellen.
Auch in den 10 Geboten lesen wir davon. Es ist ein heiliger Tag, eine Verabredung mit unserem Schöpfer und ein Vorgeschmack auf das Friedensreich des Messias.
Im Land Israel sein
Der (derzeit) kleine Landstrich im Mittleren Osten, der seit beinah 70 Jahren wieder Israel genannt wird, ist der Bibel zufolge das Land Gottes. Es ist ein Land, das ER Seinem Volk gegeben hat. Es ist heiliges Land. Sogar die Luft über diesem Land ist heilig – so die jüdische Sicht.
Israel ist das Land von dem aus der Messias herrschen wird. Dort liegt Seine heilige Stadt und die Berge tragen Seinen Namen.
Das macht es zu einem Land, in dem jeder Israelit gerne wohnen wollen sollte!
Es ist also eine wunderbare gute Tat (eine Mitzvah), im Land Israel zu sein. Und noch viel mehr, wenn man anfängt es zu bebauen und zu bepflanzen.
Man bereitet das Land vor auf die wunderbare Zeit, wenn der Messias als König herrschen wird. Und es erscheint nur logisch, dass dies einen riesigen Stellenwert hat!
Der böse Zionismus??
Schon einige Male habe ich von einer Ignoranz oder Abwehrhaltung gegenüber dem heutigen Staat Israel gehört (oder direkt mitbekommen), weil es nicht das wahre, messianische Israel sei, was verheißen ist.
Diese Ansicht löst sich aber in Luft auf, wenn man dieses oben beschriebene Prinzip verstanden hat.
Denn – so sagen es viele Juden selbst – wenn es eine wunderbare gute Tat ist, im Gelobten Land zu sein, und ich heutzutage die Möglichkeit dazu habe, warum sollte ich es dann nicht machen!?
Lass die Umstände sein wie sie wollen. Es gibt Wichtiges und weniger Wichtiges.
Man muss Prioritäten setzen. Und jede Minute im gelobten Land lohnt sich.
PS: Hier noch zwei jüdische “Mitzvah”-Videos:
- Die Stämme Israels – Teil 12 – Ephraim - 9. September 2024
- Die Stämme Israels – Teil 13 – Juda - 9. September 2024
- Danke und Schalom – von Hosea Ben Zion - 26. Juli 2017
