Parascha ‚miKez‘ מִקֵּץ = „zum Ende (hin)“ – 1. Mose 41, 1 – 44, 17;

V1) Dann geschah es zum Ende (hin) מִקֵּץ miKez von zwei Jahren (seines
Gefängnisaufenthalts), da träumte Pharao – und siehe, er stand am Nil.
Es folgt zunächst eine kurze Zusammenfassung dieser Tora-Lesung:
- Mose 41, 1–36: Pharaos Träume und Jossefs Deutung
Pharao träumte von sieben fetten und sieben mageren Kühen sowie von sieben
vollen und sieben leeren Ähren; keiner seiner Weisen konnte die Träume deuten; der
Mundschenk erinnerte sich an Jossef; Jossef wurde dann gerufen und deutete die
Träume als sieben Jahre des Überflusses und sieben Jahre der Hungersnot; er
empfahl die Einrichtung von Vorratslagern; - Mose 41, 37–57: Jossef werde erhöht und rettete Ägypten
Pharao erkannte Jossefs Weisheit und setzte ihn über ganz Ägypten; Jossef erhielt
den Namen Zafenat-Paneach und heiratete Asnat; während der sieben reichen Jahre
sammelte Jossef Vorräte; in der Hungersnot kamen alle Länder nach Ägypten, um
Getreide zu kaufen; - Mose 42, 1–38: Jossefs Brüder kamen nach Ägypten
Jaʽakov sandte zehn seiner Söhne nach Ägypten, um Getreide zu kaufen; Jossef
erkannte sie, gab sich aber nicht zu erkennen; er beschuldigte sie der Spionage und
behielt Schim‘on als Geisel; sie kehrten mit Getreide und dem zurückgegebenen
Geld heim; Jaʽakov weigerte sich, Binjamin mitzugeben; - Mose 43, 1–34: Rückkehr nach Ägypten mit Binjamin
Die Hungersnot zwang Jaʽakov, Binjamin mit den Brüdern zu senden; Jehuda bürgte
für ihn; Jossef empfängt sie freundlich, liess sie bei sich essen und war bewegt über
Binjamin; - Mose 44, 1–17: Jossefs Kelch und Jehudas Verantwortung
Jossef liess seinen Kelch heimlich in Binjamins Sack legen; die Brüder wurden
verfolgt und der Kelch gefunden; Jossef erklärte, Binjamin müsse als Sklave bleiben;
Jehuda trat hervor und bot sich selbst anstelle Binjamins an;
Diesmal betrachten wir die Söhne Jossefs, wie sie in 1. Mose 41 beschrieben sind:
V50) Ehe das Jahr der Hungersnot kam, wurden dem Jossef zwei Söhne geboren,
welche Asnat ihm gebar, die Tochter Potiferas, des Priesters von On.
V51) Dem Erstgeborenen gab Jossef den Namen Menasche – מְנַשֶּׁה (= was bedeutet:
„Der entsinken oder vergessen lässt“: Denn Elohim hat mich entsinken bzw.
vergessen lassen – נַשַּׁנִי naschani all meine Mühe עֲמָלִי amali und mein ganzes
Vaterhaus.
2
= Das hebräische Verb נָשָׁה nascha bzw. die Form נַשַּׁנִי naschani in 1. Mo. 41, 51
bedeutet „vergessen lassen / entsinken lassen / loslassen“. Es erscheint im Tanach
nur zweimal: hier in 1. Mose 41,51 und in Jesaja 44, 21;
Grundwurzel: נָשָׁה nascha = „vergessen, vernachlässigen, entsinken“;
Form: נַשַּׁנִי naschani = „er hat mich vergessen lassen / zum Vergessen
gebracht“;
Besonderheit: Es ist ein Hiphil-Perfekt mit Suffix „-ni“ („mich“)
Jesaja 44, 21
זְכֹר־אֵלֶּה יַעֲקֹב וְיִשְׂרָאֵל כִּי־עַבְדִּי אָתָּה יְצַרְתִּיךָ עַבְדִּי־אַתָּה יִשְׂרָאֵל לֹא תִנָּשֵׁנִי
s‘chor-eleh Ja‘akov we-Jisrael ki avdi ata, jezarticha avdi ata Jisrael, lo tinascheni
Schlüsselwort: תִּנָּשֵׁנִי – tinascheni = „du sollst mich nicht vergessen“.
Übersetzung: „Gedenke dies, Ja‘akov, und Israel, denn du bist mein Knecht; ich
habe dich gebildet, du bist mein Knecht, Israel – du sollst mich nicht in Vergessenheit
absinken lassen תִּנָּשֵׁנִי tinascheni“
Welche Nuance in der Bedeutung hat nascha zu schachach? Beide hebräischen
Worte bedeuten „vergessen“:
שָׁכַח schachach
das „normale“ Wort für vergessen;
bedeutet: sich an etwas nicht mehr erinnern, es aus dem Gedächtnis
verlieren;
meist negativ: Israel vergasst seinen Elohim, seine Weisungen und
seine Wohltaten;
passiv: ein menschlicher Mangel, ein Versagen;
נָשָׁה nascha
bedeutet: „vergessen lassen“, „entsinken lassen“;
aktiv: Elohim selber bewirkt, dass die Last der Erinnerung
verschwindet;
positiv: Heilung, Befreiung von der Vergangenheit;
Jossef wählte bewusst nascha, weil es nicht einfach „vergessen“ (schachach) meint,
sondern „Gott/Elohim hat mich von der Last befreit, sie entsinken lassen“. Es ist ein
therapeutisches Vergessen, ein göttliches Eingreifen, nicht bloß menschliches
Vergessen.
= Damit zeigt sich die Nuance: schachach beschreibt menschliches Vergessen
(inklusive Untreue), während nascha das göttliches Vergessenlassen mit heilender
Wirkung betont.
V52) Dem zweiten [Sohn] gab er den Namen Efra’im – אֶפְרָיִם = was mit „doppelte
Fruchtbarkeit/zwiefache Frucht“ übersetzt werden kann. Denn Elohim hat mich
fruchtbar gemacht – הִפְרַנִי hifrani im Land meines Elends – אֶרֶץ עָנְיִי eretz-anij.
die Namensbedeutung:
Efra’im wird von der Wurzel פָּרָה para = „fruchtbar sein“ abgeleitet;
die Endung (Dual) -ajim verstärkt: „Fruchtbarkeit in zweifacher Weise“ oder
„überreiche Fruchtbarkeit“;
3
Hebräisch kennt neben Singular und Plural auch den Dual für Dinge,
die „paarweise“ vorkommen. Typische Dualformen sind מַיִם majim =
Wasser, עֵינַיִם ejnajim = Augen und רַגְלַיִם raglajim = Füße;
beim Wort majim מַיִם = Wasser, eigentlich „Wässer“ – ist die Form
historisch als Dual entstanden, obwohl Wasser nicht „paarweise“ auftritt
– es hat sich die Form als Pluralwort verfestigt;
die prophetische Dimension:
zweifache Fruchtbarkeit:
Jossefs zwei Söhne – Menasche und Efra’im – wurden später zu zwei
Stämmen Israels;
Efra‘im selbst wurde so stark, dass er oft als Synonym für das ganze
Nordreich Israel verwendet wird, siehe: Hos 4, 17; Jes. 7, 2;
das ‚Doppelte‘ weist prophetisch auf die Ausweitung hin: aus einem
Sohn entstand ein Volk, aus einem Volk ein Reich.
Die Namen Menasche = „vergessen lassen“ und Efra‘im = „doppelte Frucht“ sind
biografisch für Jossef bedeutsam und zugleich prophetisch für Israels Geschichte.
Menasche steht für Heilung und Vergessen der Vergangenheit, Efra‘im für
Fruchtbarkeit trotz Elend und Vorrang des Kleineren. Später repräsentierten ihre
Stämme zentrale Linien im Volk Israel – Menasche als starkes, aber nicht führendes
Volk, Efra‘im als Leitstamm des Nordreichs.
Matti
- Prophetische Mosaiksteine, Daniel 9,27 -Teil 1 / WECKRUF FÜR DIE BRAUT – Episode 282 - 14. Januar 2026
- SHANEH/SHANAH und die Länge eines Jahres, Teil 1 - 14. Januar 2026
- Das Geheimnis des achten Tages - 7. Januar 2026
